Mehrere Seenotfälle bei Sturmwarnung

Göppingen, 04.10.2021 von IBN

Im Rahmen einer Sturmwarnung für den Ost-Teil des Bodensees, welche bereits seit dem frühen Sonntagmorgen (03.10.) andauerte, kam es nachmittags, ab 15 Uhr zu einigen Seenoteinsätzen.

Bei Windstärken bis 70 km/h und über zwei Meter hohen Wellen, gerieten vor Langenargen zwei Segelboote in Seenot. Beide konnten nicht mehr rechtzeitig in tieferes Wasser verbracht werden und gerieten auf Legerwall, wie das für die Baden-Württembergische Wasserschutzpolizei zuständige Polizeipräsidium "Einsatz" mit Sitz in Göppingen mitteilt. Bei allen Einsätzen waren die Wasserschutzpolizei Friedrichshafen und Langenargen, sowie die DLRG Friedrichshafen, Langenargen und Meckenbeuren im Einsatz. Auch ein Polizeihubschrauber wurde zur Unterstützung entsandt. Alle Beteiligten hatten Glück, es wurde niemand verletzt und es entstand lediglich Sachschaden, so die Polizeimeldung. 

Fast zeitgleich geriet demnach ein Segler vor Romanshorn in Seenot, welcher mit den hohen Wellen zu kämpfen hatte. Dieser konnte sich schließlich selbständig in den Hafen Romanshorn in Sicherheit bringen.Wie die Seepolizei des Kantons St. Gallen aus Rorschach mitteilt, gab es aufgrund der Süd/ Südwestwindlage in deren Zuständigkeitsbereich auf der Schweizer Seeseite keine weiteren Zwischenfälle. 

Die Wasserschutzpolizei mahnt in diesem Zusammenhang, die Sturm- und Starkwindwarnungen auf dem Bodensee stets ernst zu nehmen.

Wie die Lindauer Wasserrettung auf Anfrage mitteilt, kam  es in deren Zuständigkeitsbereich -vor Allem in Wasserburg- einige Hilfeleistungseinsätze. Hier geht es zu einem faceookvideo der Wasserwacht.

Sturm üben!

Mit den obigen Kommentaren habe ich etwas Mühe.
Erstens: Sturmsegeln nur mit Fock ist - mindestens bei Booten mit Rollfock - das Sicherste. Eine Luvgierigkeit tritt definitiv nicht ein, die Segelfläche lässt sich problemlos aus dem Cockpit verringern. Einlaufen mit Fock ist gerade bei starkem auflandigem Wind wohl die sicherste Variante, am besten mit mitlaufendem Motor, dann hat man nämlich zwei unabhängige Antriebssysteme. Wenn bei auflandigem Starkwind der Motor ausfällt, was bei hohen Wellen und wenig Diesel im Tank durch Luftansaugen durchaus passieren kann, ist man ohne Segel schnell auf einer Mauer gelandet.
Zweitens: Anstatt immer zu warnen, nicht mehr bei Sturm auszulaufen, sollte man besser, natürlich mit erfahrenen Personen und geeignetem Boot, diese Situationen gezielt nutzen und Erfahrung sammeln. Jeder kann, zum Beispiel bei einem Sommergewitter, von einem Sturm überrascht werden, dann ist es besser, wann weiss, wie reagieren. Ich verstehe zum Beispiel nicht, weshalb Segelschulen bei Sturm im Hafen sind, dann sollte geübt werden.
Arno Germann am 06.10.2021 07:19:50

Antwort auf Sturm üben!

Da bin ich mit Ihnen völlig einverstanden!

Wenn ich die (Roll-) Fock als Trysegel fahre, bleibt die Luvgierigkeit natürlich deutlich in Grenzen. Mein Kommentar bezog sich auf ZUVIEL Fock, die dann speziell beim Einlaufen in den Hafen, falschem Winkel und einer plötzlichen Bö zu unkontrollierten Verhältnissen führt (da gibt es auch ein nettes Video auf Youtube vom vergangenen Samstag dazu).

Die Segelschulen vermitteln eben nur ein Basiswissen, um die praktische Prüfung zu bestehen. Viel mehr kann man in einer Praxiswoche auch gar nicht erwarten. Deshalb ist eigenständige Weiterbildung und Training in meinen Augen auch so wichtig.
Ralf Remensperger am 07.10.2021 09:14:10

Vielen fehlt Training und Erfahrung

Ich bin gestern um 16.20 Uhr vom Schweizer Ufer aus einhändig nach Gohren gefahren. Schwimmweste und Lifeline zweimal eingepickt muss bei solchen Verhältnissen eine Selbstverständlichkeit sein. Ausserdem braucht man ein Boot, das tatsächlich - und nicht nur im Prospket - einhandtauglich ist, was bedeutet, dass man auch zum Segelsetzen, Reffen und Bergen niemals das Ruder verlassen muss.

Stärkste gemessene Bö = 44 kn, höchste erlebte Welle = 2,50 m.

Es waren nicht viele Boote unterwegs, aber ich konnte eine Vielzahl von Fehlern feststellen. Nicht angelegte Sicherheitsausrüstung (!), viel zu viel Tuch, oder nur die Fock (was das Schiff bei solchen Böen natürlich extrem luvgierig macht), falscher Kurs (ich kann bei solchem Seegang nicht exakt quer zur Welle segeln, muss eben kreuzen), Raumschotkurs ohne Bullenstander, falscher Winkel zur Hafeneinfahrt, mit gesetzter Fock in die Hafeneinfahrt hinein (!), ....

Nach 1,5 h hatte ich den See überquert, dabei hatte ich zu tun, trotz nur gefühlten 4 qm Segelfläche unter der Rumpfgeschwindigkeit zu bleiben. Im richtigen Winkel die Hafeneinfahrt anvisiert, und hinein.

Ich empfehle, ein paar Mal eine spezielle Schwerwetterausbildung z.B. auf der Nordsee zu absolvieren. Und ansonsten, und wenn ihr nicht zu 100,0% sicher seid, was ihr da tut: Bleibt im Hafen! Eine 90er Sturmwarnung sollte immer todernst genommen werden.
Ralf Remensperger am 04.10.2021 12:31:16

live beobachtet !

Wir haben die Szenerie als jahrelange Segler vom sicheren Land aus beobachtet und es war erschreckend, wie viele Motorbootfahrer oder Segler ohne Schwimmwesten unterwegs waren oder noch ausgelaufen sind, als bereits klar war, dass ein starker Sturm zu erwarten war!
Die Wettervorhersage war eindeutig und auch die Sturmwarnung war frühzeitig aktiviert (zu Recht).
Glücklicherweise kamen wohl keine Personen zu Schaden.
Sven Rautenberg am 04.10.2021 09:27:48
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