Travemünder Woche nimmt Fahrt auf

TW Korsar

28.07.2021

Guter Wind, volles Programm: Nach einem Tag mit wenigen Wettfahrten und einem Komplettausfall entschädigte das Wetter am Dienstag die Athleten zur Travemünder Woche in vollem Umfang.



Mit einem vorgezogenen Tagesbeginn und schnellen Starts arbeiteten die Wettfahrtleitungen auf den sechs Bahnen intensiv daran, das verlorene Pensum aufzuholen. Besonders hart wurden die Korsare rangenommen. Sie standen für ihre Deutsche Meisterschaft bisher ohne Wettfahrt da, gingen heute aber fünfmal über den Kurs und sicherten sich so noch eine reguläre Meisterschaft bei ihrem TW-Abschluss.

Korsar (Deutsche Meisterschaft)
Die Abonnementsieger der IDM sind nach vierjähriger Abstinenz zurück auf dem Meisterthron. Uti und Frank Thieme gewannen die nationale Meisterschaft zuletzt 2017 auf ihrem Heimatrevier, dem Wannsee in Berlin. 2018 landeten sie neben dem Siegerpodest, 2019 waren sie nicht dabei, und im vergangenen Jahr wurde die IDM Corona-bedingt abgesagt. Vor Travemünde stand die Titelvergabe lange auf der Kippe, denn an den beiden ersten Meisterschaftstagen ließ der Wind die Korsare im Stich. Doch mit dem Marathonprogramm von fünf Wettfahrten am Dienstag gelang doch noch die Vergabe von Gold, Silber und Bronze für die IDM. Mit vier Siegen und einem zweiten Platz ließ das Berliner Ehepaar der Konkurrenz keine Chance. „Was wir anders gemacht haben als zuletzt? Wir sind keine Frühstarts gefahren!“, erklärte Frank Thieme das Erfolgsrezept. Zudem lagen die drehenden Winde dem Paar: „Das waren keine typischen Ostsee-, sondern eher Wannsee-Bedingungen“, so Steuerfrau Uti Thieme. Die IDM-Titelverteidiger Silja Braun/Gerd Linnemann (Hamburg/Lille) sowie die Ranglistenersten Ralf Blum/Silke Kornweibel (Wuppertal) folgten im Respektsabstand auf den Plätzen zwei und drei. Die Stimmung an den Meisterschaftstagen war trotz der zwei Ausfalltage gut. „Die ganze Klasse war froh, sich mal wieder zu sehen, draußen zu sitzen, die Freiheit zu genießen und mal wieder segeln zu gehen“, so Uti Thieme. Für Frank Thieme schloss sich mit dem Titelgewinn nach zehn Jahren der Meisterschaftskreis. 2011 hatte er vor Travemünde an der Vorschot von Stefan Schneider den Goldcup der Folkeboote, die inoffizielle WM dieser Klasse, gewonnen.

Trias (Euro-Cup)
Am Abschlusstag des Trias-Cups zur Travemünder Woche machte das Team von Ben Uerlichs vom Rursee noch mal Druck auf die Schweizer Spitzenreiter von Mario Fattorini. Doch ein Sieg und ein zweiter Platz für Uerlichs reichten nicht, um die Schweizer noch von der Spitze zu verdrängen. Das Rursee-Team schleppte noch den verpassten Start vom ersten Tag mit, konnte sich aber immerhin auf den zweiten Platz vorarbeiten. Fattorini feierte mit dem Sieg eine kontinuierliche Steigerung: „In den vergangenen Jahren sind wir zur Travemünder Woche auf den Plätzen drei und zwei und jetzt auf eins gelandet.“ Grund genug für den Schweizer zu bekennen: „In Travemünde ist es immer schön.“ Gesamtwettfahrtleiter Anderl Denecke gab die Sympathiebekundung zurück: „Danke, dass die Klasse der TW so die Treue hält. Kommt gern im kommenden Jahr wieder.“

RS Aero (German Open)
Es dauerte bis in den Abend, bevor die Aero-Segler zur Siegerehrung gebeten werden konnten. Einige Protestverhandlungen verhinderten lange, dass die Ergebnisse nach insgesamt fünf Wettfahrten offiziell werden konnten. Am Ende setzte sich in der Gesamtwertung Eric Rieve (Berlin) gegen die 21 Konkurrenten durch. Daneben gab es auch noch die neuen Titelträger in den drei unterschiedlichen Rigg-Versionen. Rieve holte sich den Sieg bei den Aero 7. Hier – wie auch in der Gesamtwertung – war es Juliane Barthel (Dümmer), die ihm am dichtesten auf den Fersen war. Siegerin in der Kategorie mit dem kleinen Segel (Aero 5) wurde Michelle Krull (Berlin). Einziger Vertreter mit dem großen Segel war Sebastian Fuchs (Pulheim).

Finn
Bei den Finns kippte das Ranking der vergangenen Tage am Abschlusstag der Klasse noch einmal. Der bisherige Spitzenreiter Dirk Sievers (Hamburg) rutsche durch Mittelfeldplatzierungen auf Platz sechs ab, Jürgen Eiermann (Rastatt) schwang sich dagegen auf Platz eins auf und verwies den Kieler Kai Falkenthal auf den zweiten Platz.

RS Feva (Weltmeisterschaft)
Die internationale Konkurrenz zeigte zu den ersten WM-Wettfahrten der RS Feva nach zwei Tagen Zwangspause, dass sie nicht gewillt ist, Gastgeschenke zu machen. An der Spitze des Feldes kämpfen Italiener, Franzosen und Niederländer um die Spitzenposition – aktuell mit dem Vorteil für Ludovico Zambelli/Sofia Titolo (Italien) vor Lisandru Bunel/Thomas Kuntze (Frankreich) und Pietro Scopsi/Andrea Galeotti (Italien). Beste deutsche Crew im Feld der 97 Starter ist die Plöner Mannschaft mit Mats Krüss/Vivien Joost auf dem 20. Gesamtrang. Ein dritter Platz in der vierten und letzten Wettfahrt des Tages zeigte, dass die Crew, die sich erst vor wenigen Wochen zusammengefunden hat, noch großes Potenzial hat. Und das Revier liegt dem Steuermann, der hier vor zwei Jahren mit dem Gewinn der Deutschen Jüngstenmeisterschaft im Teeny seinen bisher größten Segel-Erfolg landete.

ILCA 4 (Europameisterschaft)
Der internationale Wettstreit um die europäische Krone dieser Nachwuchsklasse verdient seinen Namen. In der Konkurrenz der 120 Starterinnen finden sich in den Top-Ten nach drei Rennen neun Nationen wieder. Und es ist ein Wechselspiel der Ergebnisse. Nicht einzelne Tagessiege entscheiden über die Topposition, sondern die Konstanz. So steht die Kroatin Helena Jaksic mit der Serie 6, 3, 4 an der Spitze. Dahinter schaffte es keine weitere Seglerin, ausschließlich auf Top-Ten-Resultate zu kommen. Ärgste Verfolgerin der Spitzenreiterin ist die Spanierin Mar Betancort Fernandez, die mit einem elften Platz in die Serie startete und den Tag mit einem Sieg beendete. Gaia Fabris aus Italien belegt aktuell den Bronzeplatz. Beste Deutsche ist Josephine Koep als Achte, die in der U16-Wertung gar Platz zwei belegt.
Stark starteten die deutschen Jungs in das Geschehen. Batbold Gruner und Leon Senftleben sorgten für einen Doppelerfolg zum Auftakt. Danach konnten sie diese Ergebnisse aber nicht wiederholen und rutschten aus den Top-Ten. Die Spitze hat nach dem ersten Wettfahrttag der Italiener Luca Centazzo inne vor Athanasios Kyfidis (Griechenland) und Tymoteusz Wysocki (Polen) inne.

Canoe Taifun/Canoe IC
Familien- und Städte-Duelle sind in den beiden Taifun-Klassen programmiert. Und nach dem ersten Tag gehen die Punkte nach Preetz zur Familie Junge. Während bei den Canoe Taifun Claudius Junge vor Niklas Steimann führt, ist es bei den Canoe IC Ole Junge vor Frederik Steimann. „Das hat Spaß gemacht heute. Wir kennen uns alle sehr gut, und es kann sicherlich noch spannend werden in beiden Klassen – auch wenn Ole derzeit sehr gut im Training ist“, berichtet Vater Claudius Junge von einem gelungenen Start in die Serien. Bei den Segebergern setzt man auf Windänderung, um die eigenen Karten ausspielen zu können. Zahlenmäßig gehen die Steimänner mit einer Übermacht an den Start. Bei den Taifun agiert neben Niklas Steimann auch noch Vater Anderas (derzeit Vierter). Bei den IC ist es Mutter Anette, die als Achte ihrem Sohn den Rücken stärkt. „Unsere Tochter kann gerade nicht, die schreibt an ihrer Master-Arbeit“, berichtet Vater Andreas von weitere Canoe-Begeisterung un der Familie. „In der Klasse ist es gute Tradition, dass die verschiedenen Generationen gegen- und miteinander segeln.“