Rückgang der Diebstähle von Außenbordmotoren und Sportbooten in Deutschland

Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität identifiziert gestohlene Motoren und hochwertige Motor- und Segelyachten

Gestohlene Motoren

Göppingen, 26.05.2021

Das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität Baden-Württemberg (KBK) bei der Wasserschutzpolizeistation Konstanz, das dem Polizeipräsidium Einsatz mit Sitz in Göppingen angegliedert ist, nahm vor 20 Jahren seine Arbeit auf.

 Die zunächst drei Ermittler leisteten eine europaweit beachtete Aufbauarbeit, die mit der Sammlung von Informationen über die Herstellerkennzeichnung maritimer Gegenstände und dem Aufbau eines eigenen Archivs begann. Es folgten die Erstellung einer eigenen Recherchedatenbank - der umfangreichsten ihrer Art in Europa -, der Aufbau eines nationalen und internationalen Fahndungsnetzwerks und die regelmäßige Schulung von Kontrolleinheiten im In- und Ausland.

Die von Anfang an europäisch ausgerichtete Arbeit führte bereits ab 2005 zu mehreren Unterstützungseinsätzen des KBK im Ausland. Diese Einsätze häufen sich mittlerweile. So unterstützte das KBK im Jahre 2019 bei zwei im Rahmen eines EU-Projekts angelegten, großen und sehr erfolgreichen Kontrollaktionen in Montenegro vor Ort bei der Identifizierung maritimer Gegenstände. Seit 2020 fungiert das KBK als offizieller Ansprechpartner für Frontex, soweit es um die Abklärung maritimer Gegenstände geht. In dieser Funktion waren die Fahnder im Oktober 2020 bei einer europaweit angelegten Großfahndung mit 22 teilnehmenden EU-Staaten gefordert. Die Bilanz: Zwei sichergestellte Motorboote, ein Jetski und fünf Außenbordmotoren.

Die aktuell vier Ermittler des KBK erhielten im Jahre 2020 deutlich weniger Anfragen im Rahmen von Kontrollen als in den Vorjahren, was sich auch in den Sicherstellungswerten niederschlug. Zeitweise Grenzschließungen und scharfe Grenzkontrollen wirkten sich auf die Reisetätigkeit der überwiegend international agierenden Tätergruppen aus. In den Monaten April und Mai, in denen die Grenzen komplett geschlossen waren, wurden nur 15 bzw. 18 gestohlene Motoren in die Fahndungsdatei aufgenommen. Diese Monate gehörten in den Vorjahren bereits zur "Hauptsaison" der Diebe mit jeweils rund 100 Diebstählen.

Dennoch gelang es in Zusammenarbeit mit Polizeidienststellen in Deutschland und sieben europäischen Ländern insgesamt 28 Sportboote, fünf Jetski, 76 Außenbordmotoren und elf Bootstrailer im Gesamtwert von 1.957.000 Euro sicherzustellen. Als besonders vorteilhaft erwies sich hierbei das Netzwerk, über das sich Fahndungsaufrufe schnell und direkt an den Grenzen im europäischen Raum verbreiten lassen. So wurde das KBK am Vormittag des 06.10.2020 von der zum Polizeipräsidium Offenburg gehörenden Polizeistation Lichtenau darüber informiert, dass in der vorausgegangenen Nacht bei einem Bootshändler ein Jetboot Chaparral Vortex 243 VRX mit auffälliger grüner Lackierung mitsamt Trailer vom Gelände entwendet wurde. Noch am Vormittag erstellte das KBK ein bebildertes Fahndungsblatt und verschickte es über das Netzwerk an die Grenzdienststellen. Um die Mittagszeit des 07.10.2020 meldete sich ein kroatischer Grenzbeamter beim KBK und teilte mit, dass ihm das auffällig lackierte Boot vom Fahndungsblatt am kroatisch-serbischen Grenzübergang Bajakovo aufgefallen war. Mit weiterer Unterstützung konnten schließlich Sportboot und Trailer im Wert von 55.000 Euro eindeutig identifiziert und sichergestellt werden. Die beiden bulgarischen Täter wurden in Haft genommen.

Ein anderes Beispiel: Am 23.10.2020 um 13.56 Uhr bat ein Kollege der Fahndungsgruppe Leipzig das KBK um Unterstützung. Im Marinahafen in Dresden wurden vier Außenbordmotoren mit 25-50 PS entwendet. Es gab einen Hinweis auf das Transportfahrzeug, einen Mercedes-Benz Vito. Bereits um 14.13 Uhr versendete der KBK-Fahnder eine Sofortfahndung mit Hinweis auf das Fahrzeug. Einer der Empfänger war ein vom KBK geschulter ungarischer Grenzbeamter, der eigentlich
frei hatte, als er die Nachricht erhielt. Er informierte umgehend seine Kollegen an der ungarisch-rumänischen Grenze bei Naglac. Nur wenige Minuten später, um 15.20 Uhr, fuhr das Fahrzeug dort vor. Alle vier Motoren im Gesamtwert von 15.000 Euro wurden sichergestellt und die Täter festgenommen.

Die Vermögenswerte, an deren Sicherstellung die Fahndungseinheit in den 20 Jahren ihres Bestehens maßgeblich beteiligt war, summieren sich auf über 44 Mio. Euro. Hinzu kamen sogenannte Beifänge, wie zum Beispiel Pkw, Motorräder, E-Bikes, Fahrräder, Baumaschinen, aber auch außergewöhnliche Artikel wie Trompeten und Reitsättel im Gesamtwert von ca. 1,5 Mio. Euro. Nebenbei
unterstützte das KBK inländische Polizeidienststellen bei Vermögenabschöpfungen in einer Gesamtsumme von noch einmal 1,2 Mio. Euro.

Mit deutschlandweit 149 entwendeten Sportbooten wurden im vergangenen Jahr knapp 17% weniger Bootsdiebstähle gegenüber 2019 registriert. Gemessen an den "Boomjahren" 2014 und 2015 mit 280 und 278 Booten ist das ein überaus erfreulicher Rückgang um 47%. Noch deutlicher ist der Abwärtstrend bei den Diebstählen von Außenbordmotoren. Nachdem 2019 bundesweit noch 795 Außenbordmotoren in die Fahndungslisten aufgenommen wurden, ging die Anzahl der neu erfassten Bootsmotoren 2020 um 32% auf insgesamt 541 zurück. Gemessen am "Boomjahr" 2016 ist das sogar ein Rückgang um 62%.

In Baden-Württemberg bestätigt sich das insgesamt niedrige Niveau der letzten Jahre mit zehn Booten in 2020, auch wenn 2019 nur sieben Boote zu verzeichnen waren. Im bundesweiten Trend liegt der Rückgang bei den Motoren von 32 in 2019 auf 20 Motoren in 2020.

Der Bodenseeraum: Die Bodenseeanrainer meldeten für 2020 nur zwei entwendete Boote in der Schweiz sowie zwei 6 PS Außenbordmotoren und zwei Boote am Baden-Württembergischen Ufer. Der Gesamtschaden liegt unter 5.000 Euro. Die Gesamtschadenshöhe im Deliktsbereich Bootskriminalität in Deutschland beträgt 2020 knapp 5 Mio. Euro.

Neben gezielten Beutezügen durch gut organisierte Banden, die durchaus auch fabrikneue Motoren aus Lagerhallen entwenden, gibt es aber ebenso das Phänomen, dass Täter ihre "Reisekasse" durch den Diebstahl einzelner Außenbordmotoren aufbessern. Das Diebesgut lässt sich auch hierzulande leicht über das Internet verkaufen und so warnen die Fahnder vor "faulen" Angeboten im Internet. Gestohlene Außenbordmotoren sind zum Teil mit professionell gefälschten Seriennummern versehen. Aber auch gestohlene Sportboote werden im Netz mit auf den ersten Blick plausiblen Historien angeboten.

Vorsicht ist immer geboten, wenn Dokumente fehlen und die Vorgeschichte unklar ist. Um die Bürger davor zu schützen, Diebesgut zu kaufen und sich dabei womöglich selbst strafbar zu machen, bieten die Ermittler des KBK an, das Wunschobjekt vor dem Kauf überprüfen zu lassen. Dieses Angebot gilt auch für Bürger aus der Schweiz und Österreich. Anfragen können telefonisch (+49 7531 5902-300) an das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität gerichtet werden. Unter folgendem Link der Polizei Baden-Württemberg steht ein Flyer mit der Darstellung von Risiken und Hinweisen zum Kauf eines gebrauchten Sportbootes zum Download zur Verfügung: https://praevention.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/20/2016/10/faltblatt_bootskauf.pdf

Die Polizei weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass nach deutschem Recht an gestohlenen Gegenständen kein Eigentum erworben werden kann, selbst wenn der Gegenstand bei einem Händler gekauft wurde!

Eine gängige Masche: Betrüger ködern Interessenten durch extrem günstige Preisangebote. Angeblich befindet sich das Kaufobjekt im Ausland, soll jedoch nach einer Vorauszahlung für den Transport vor die Haustür des Interessenten zur
Besichtigung geliefert werden. Es wird versprochen, dass bei Nichtgefallen ohne Risiko und unter Rückerstattung der Transportkosten vom Kaufvertrag zurückgetreten werden kann. Geht der Kaufinteressent auf die Forderung ein, ist
er sein Geld los - das für ihn vermeintlich gute Geschäft findet jedoch nie statt.

Die Transportmasche funktioniert aber auch in die andere Richtung: Ein Kaufinteressent meldet sich bei einem seriösen Anbieter und macht die Vorauszahlung für den Transport zur Bedingung für den Abschluss des Geschäfts.

Die Kreativität der Betrüger ist schier unerschöpflich. Sie verweisen auf Links von scheinbar existierenden oder auch seriösen Spediteuren oder Bootshändlern aus dem Ausland, bei denen das Boot angeblich zu besichtigen ist. Sie verwenden gescannte, evtl. verfälschte Pässe und Bootsurkunden. Falsche oder betrügerisch erlangte echte Kontodaten verstärken das Gefühl, dass der Verkauf stattfinden wird und das Gegenüber seriös ist. Manchmal geht es den Betrügern auch nur darum, an persönliche Daten zu kommen.

Wichtige Hinweise der Polizei:

- Gehen Sie mit persönlichen Daten bei Internetangeboten äußerst sparsam um.

- Übermitteln Sie nie gescannte persönliche Dokumente wie Reisepass, Bootsurkunden usw. Sie können sicher sein, dass Ihre Dokumente bei den nächsten Aktionen der Betrüger in irgendeiner Form verwendet werden, um andere damit zu täuschen.

- Übermitteln Sie NIEMALS Ihre Bankdaten!
- Kontaktieren Sie das KBK, wenn Sie beim Boots-/Motorenkauf oder -verkauf unsicher sind. Häufig sind die von den Betrügern
verwendeten Kontaktdaten bereits bekannt.
- Werden Sie selbst zum Fahnder und nutzen Sie unsere Plakataktion mit den Abbildungen gesuchter Boote. Sie finden das Plakat
(derzeit noch Ausgabe 2019) auf der Internetseite der Polizei Baden-Württemberg unter
https://praevention.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/20/2016/10/plakat_gestohlene_boote.pdf

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