Segelkrimi vor Sardinien

SMC Überlingen gewinnt knapp die Sailing-Champions-League

Ch

Porto Cervo, 19.10.2020 von Klaus Lohmüller

Hochspannung pur: Wer am Sonntagmittag (18. Oktober) die Übertragung des Sailing-Championsleague-Finales mitverfolgt hat, liest jeden noch so packenden Krimi in nächster Zeit etwas entspannter. Es waren eher Zentimeter, als Meter, die beim Zieleinlauf im vierten Finalrennen die Entscheidung brachten. Mit dem zweiten Sieg in den Finalläufen gewann der SMC Überlingen den Titel mit nur einem Punkt Vorsprung vor dem italienischen Team des Clubs Aeronautica Militare und vier Punkten vor den Kameraden der SV Kreuzlingen.

Ebenso hätte es auch leicht zu einer fünften Wettfahrt kommen können, in der nach wie vor alles offen gewesen wäre. Das russiche Team, das sich auch in den Flights  und Races vor den Finalläufen dominierend zeigte, wurde ebenso als Geheimfavorit bei den Kommentatoren gehandelt. Alle vier Clubs, die in den Finalläufen segelten, hatten ganz klar bis zuletzt nicht nur die Chance aufs Treppchen, sondern auch auf den Titel. 

Das sah nicht immer danach aus. Im dritten Finallauf ging die Starttaktik der Kreuzlinger nicht auf. Während die drei anderen Teams den Kurs links herum, auf Bb.-Bug starteten, wollte das Schweizer Bodenseeteam vor ihnen durch und über den rechten Schenkel starten. Doch stattdessen musste Raum gegeben qwerden, zu eng wäre es ansonsten geworden. Der Kommentator sprach sogar vom "Suizide for Kreuzlingen". Dennoch schaffte es das Team am Ende als Erstes über die Ziellinie. 

Überhaupt war dieses vorletzte Rennen an Nervenkitzel nicht zu überbieten. An der Luvtonne ging es beides mal so eng zu wie kaum mehr möglich. Bei der ersten Wende ging dem russischen Team der Ehrgeiz im Zweikampf mit den Kreuzlingern durch, weshalb es die rote Flagge sah. Dieser Umstand kam schließlich aber weniger dem Team vom Bodensee, als viel mehr den Italienern zugute. 

Eine wichtige Schlüsselstelle  war in diesem Rennen auch für die Überlinger dann die Wende am Gate. Aus dem Downwind-Kurs heraus entschied sich das Team für die Wende nach Stb., also dafür den letzten Am-Wind Schenkel über die linke Seite zu beginnen. Da das Boot aber eigentlich auf einem Anlieger in Richtung anderer Boje des Gates war, verlor der SMCÜ beim Manöver ziemlich Fahrt. Trotzdem reichte es, um auch nach der Wende die Führungsposition zu behaupten. 

Auch wenn es die beiden anderen Teams vom Bodensee, der Harder- und der Württembergische Yacht Club am Schluss in der Tabelle nur auf die Plätze 23 und 25 schafften, zeigten sie in den Flights und Rennen zuvor, dass auch sie (je einmal als Zweite) immer unter den top ten rangierten und in den Rennen auf den Schenkeln die Führung einnehmen können.

Dennoch zeigten sich  die Kreuzlinger und die Überlinger an diesem Wochenende deutlich konstanter und souveräner. Der Kommentator ließ sich beim ersten Finallauf im Blick auf die Gewinnchancen des SMCÜ sogar zu der Aussage hinreißen, dass die anderen in diesem Race nur noch aufholen konnten "when Überlingen is crushing against a whale" - wenn sie also von einem Wal gerammt würden.