Überwintern II

Tipps für Winterlager

Überwintern

23.10.2010 von IBN

Für die meisten Wassersportler wird es jetzt Zeit, den Kahn einzumotten. Manche Segler warten noch bis nach der „Eisernen“ damit. Doch auch die können sich schon ein paar Gedanken darüber machen, wie das Boot am besten über den Winter kommt.

Das Winterlager im Freien unter einer Plane ist die gängige und preisgünstige Lösung. Manche Eigner investieren auch mehr Kleingeld und stellen ihr Lieblingsspielzeug in einer geschlossenen Halle unter. Egal, wo das Boot steht, es muss fachgerecht eingelagert werden. Das Wichtigste ist dabei, dass es trocknen kann, und zwar von innen.

Pilze und andere Schädlinge
Neben Laminatschäden (Os- mose kann auch in einer nassen Bilge vorkommen) stellen Pilze die Hauptgefahren dar. Es gibt die vergleichsweise harmlosen Arten wie Schimmel, Spak, und Stockflecken, aber auch solche mit enormem Zerstörungspotenzial, die teilweise nur unter professionellem, massivem Chemieeinsatz zuverlässig zu beseitigen sind. Die bekanntesten Arten sind die verschiedenen Schwämme, mit dem gefährlichsten Vertreter, dem Hausschwamm. Diese transportieren mit ihrem Myzel, das ist das Wurzelgeflecht, Feuchtigkeit über weite Strecken. Dabei können sogar dünne GFK-Wandungen zerstört werden. Eine Lack- oder eine Leimschicht stellt kein Hindernis dar. Einfach nur den sichtbaren Pilz entfernen, bringt nichts, da aus dem Myzel ein neuer Fruchtkörper wachsen kann.

Manche Arten sterben bei Feuchtigkeitsentzug, Licht oder permanentem Luftaustausch ab, während andere nur vorübergehend ruhen, um dann bei erneuten Wachstumsbedingungen ihr zerstörerisches Werk fortzusetzen. Pilze brauchen organisches Material, Dunkelheit, Feuchtigkeit und ruhende Luft. Warme Frühlingstage unter einer luftdichten Plane beschleunigen deren Wachstum enorm. Gute Belüftung und Trockenheit sind daher wichtig. Ideale Pilzzuchtbedingungen sind auf den meisten Booten vorhanden. Pilzsporen auch. Vor  allem hinter den Rumpfverkleidungen in der Kajüte. Oft bestehen diese aus dünnen Sperrholzplatten, die auf einer Seite mit luftdichtem Kunstleder kaschiert sind. Wenn jetzt die Verschraubung der Reling undicht wird oder Feuchtigkeit auf eine andere Art hinter die Verkleidung gelangt, ist das Problem schon vorhanden, und zwar lange bevor es entdeckt wird. Das Sperrholz kann durch die Kaschierung nicht trocknen und der Pilz wächst durch eine Ritze hinter der Verkleidung hervor.
 
Bis er entdeckt wird, ist es fast schon zu spät. Ist ein Großteil der Inneneinrichtung befallen, muss er ersetzt werden. Noch schlimmer ist es, wenn tragende Strukturen betroffen sind. Meist besteht das Hauptschott aus Okoumé-Sperrholz, das recht anfällig für Schädlingsbefall ist. Auch wenn die Deckfurniere aus Mahagoni oder Teak sind. Der Bootsbauer wird dann aufgrund des enormen Arbeitsaufwandes eine satte Rechnung stellen müssen, ohne garantieren zu können, dass der Pilz wirklich komplett entfernt werden konnte.

Womit abdecken?
In einer Halle sollte das Boot frei stehen und idealerweise mit einer textilen, luftdurchlässigen Abdeckplane vor Schmutz geschützt werden. Im Freien muss zusätzlich Schnee und Regen abgehalten werden, daher wird dafür eine Kunststoffplane verwendet. Hiervon gibt es verschiedene Ausführungen, die sich auch preislich ganz deftig unterscheiden. Die billige Lösung aus dem Baumarkt hält meist nur einen Winter lang, während eine stabile, schwere Plane, wie sie für Lkw-Aufbauten verwendet wird, fast eine Ewigkeit hält, aber wegen ihres Gewichts kaum zu handhaben ist. Und ganz billig ist so ein Ding auch nicht gerade. Die Weisheit liegt, wie meistens, irgendwo in der Mitte. Kunststoffplanen sorgen allerdings für ein Treibhausklima im Boot und müssen daher entsprechend gehandhabt werden. Der Bug sollte, wenn möglich, zur Wetterseite zeigen, da die Plane vorne problemlos geschlossen werden kann. Hinten muss sie etwas über das Heck hinausragen, damit es nicht unter das Zelt regnet und offen bleiben. Will man die Duftmarken liebestoller Stubentiger außenbords halten, empfiehlt es sich, die Öffnung mit einem Netz zu verschließen. 

Bei Segelbooten ist eine solche Anordnung kein Problem, da die Winterlagerplane meist über den Mast gezogen wird. Dieser sollte jedoch in der Mitte unterstützt werden, damit er sich auch bei Schneelast nicht durchbiegt. Einem Holzmast darf man solche Misshandlung nicht zumuten. Er muss, auf mehreren Lagern ruhend, absolut gerade liegen, damit er sich nicht verzieht. In diesem Fall, und bei einem Motorboot, lohnt es sich, ein zerlegbares Gestell anzufertigen, das die Plane über dem Boot hält. Fertige Systeme, die nur noch angepasst werden müssen, gibt es im Handel. Wenn die Plane an der Schale anliegt, kann es passieren, dass diese durch die Bewegungen und Vibrationen bei Wind die Außenhaut oder den Lack zerkratzt. Daher sollte dafür gesorgt werden, dass die Plane einen gewissen Abstand zum Gelcoat hat. Relingsstützen, Winschen und andere eventuell vorstehende Gegenstände können mit Lappen umwickelt werden. Das verhindert, dass sich diese durch die Plane scheuern. 

Vorbereiten des Bootes

Die Kajüte sollte ausgeräumt und gründlich gereinigt werden. Kojenbretter, Schränke, Schapps, Backskisten und andere Hohlräume bleiben den Winter über offen. Eine negative Begleiterscheinung des rationellen Serienbaus sind so genannte Innenschalen. Zwar ist Mami auf der Interboot höchst entzückt, dass sich die Borddusche und andere GFK-Einbauteile ohne großen Aufwand sauber halten lassen, auf einem guten Boot sollte so etwas aber nicht zu finden sein. Dahinter sammelt sich fast immer irgendwelches Wasser. Das Laminat ist permanent nass und kann im Lauf der Zeit ernsthaft Schaden nehmen. Ein gut gebautes Boot erkennt man daran, dass jeder Punkt der Schale von innen zugänglich ist. Wasser darf nirgends stehen bleiben und muss ungehindert durch Speigatten an den tiefsten Punkt der Schale fließen können. Dort wird es gelenzt. Alle Hohlräume müssen zu öffnen und zu belüften sein. Hat das die Werft nicht berücksichtigt, kann nachträglich durch Inspektionsluken und Speigatten nachgeholfen werden. Dabei darf jedoch nicht die statische Struktur des Bootes unterbrochen werden. Vielen Händlern sind konstruktive Zusammenhänge nicht geläufig, viele sind auch mit tiefer gehenden Fragen zu ihren Produkten überfordert, weshalb ein Fachmann zu Rate gezogen werden soll, bevor der Eigner zur Stichsäge greift.
 
Raumentfeuchter
Ist zu Hause nicht genügend Platz, um das ganze Inventar einzulagern, kann ein Luftentfeuchter ins Boot gestellt werden. Dies ist ein Beutel mit Salzkristallen, die die Luftfeuchtigkeit anziehen und in einen Eimer abtropfen. Dann sollten allerdings alle Luken, Steckschott und sonstige Öffnungen nach außen verschlossen werden. Je nach Größe reicht so ein Salzbeutel über den ganzen Winter.

Einfache Wartungsarbeiten
Die Segel bringt man jetzt zum Segelmacher, um diese auf Verschleiß untersuchen zu lassen, die Persenning kommt zum Sattler. Der Außenborder bekommt frisches Öl und neue Zündkerzen. Er wird von außen gereinigt und die beweglichen Teile gefettet. Vor allem Bowdenzüge brauchen regelmäßige Pflege. Der Motor wird im trockenen Keller gelagert und ab und zu mal durchgedreht. Falls das Boot eine Einbaumaschine hat, wird diese nach dem Serviceplan gewartet und entwässert, dabei sollte der Schalldämpfer nicht vergessen werden. Manche Motoren haben Ablassschrauben für das Kühlwasser. Das erspart das Hantieren mit Frostschutzmitteln. Pumpen, Ventile und Schläuche der Trinkwasserversorgung oder des Fäkaliennetzes sollten ebenfalls komplett entleert werden, damit der Frost keine Schäden anrichten kann. Die Batterie wird vor dem Winterschlaf voll geladen. Ganz nobel wird’s, wenn man ein geregeltes Ladegerät besitzt, das man ab und zu mal anhängen kann. Wenn der Mast gelegt wurde, ist dies eine gute Gelegenheit, alle elementaren Teile zu überprüfen und zu warten. Fallscheiben, stehendes und laufendes Gut sowie das Rohr selbst sollten einer gründlichen Inspektion unterzogen werden.

Hoch belastete Stellen sind die Salingsbeschläge sowie die Mastplatten, in die die Wanten und Stagen eingehängt werden. Diese müssen besonders gründlich unter die Lupe genommen werden. Verschleiß tritt auch am Lümmellager auf, besonders wenn es sich um einfache Alugussteile ohne Lagerung handelt. Das ganze Boot sollte gründlich gewaschen und poliert werden. Am besten von Hand, da man auf diese Weise auch kleine Gelcoatschäden und Haarrisse aufspürt. Anschließend wird die Außenhaut versiegelt. Hier haben sich die vielfach angebotenen Teflonpolituren bewährt.

Tauwerk, in einem Kissenbezug bei 30 Grad gewaschen, wird nicht nur sauber, sondern rein. Der Antifoulinganstrich kann jetzt ausgebessert und die Ruderlager auf Spiel und Verschleiß hin untersucht werden. Ist die Verbindung zwischen Stahlkiel und Rumpf noch dicht oder tritt dort Rost aus? Demontierbare Holzteile werden entfernt und zu Hause im Warmen neu lackiert. Jetzt ist auch Zeit, defekte Beschläge und andere Teile anzugehen, deren Austausch man schon den ganzen Sommer vor sich hergeschoben hat.

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