Weniger Passagiere auf dem Bodensee

Romanshorn, 19.08.2020 von IBN

Trotz hervorragenden Wetterverhältnissen macht die vom Bund verordnete Maskenpflicht der Bodenseeschifffahrt einen dicken Strich durch die Rechnung.

Nach dem aufgrund des Lockdowns verspäteten Saisonstart, kamen die Passagierzahlen auf den Schiffen nie richtig auf Touren. Nun zieht die Geschäftsleitung der SBS AG die Konsequenzen und dünnt ab dem 24. August 2020 den Fahrplan ihrer Ausflugsschiffe noch vor der Nebensaison aus. Die Nebensaison soll ab dem 7. September 2020 voraussichtlich wieder wie geplant gefahren werden. 

Ungenügende Frequenzen 

Trotz sonnigem Juli waren deutlich weniger Gäste auf den Schiffen der SBS AG als im Vorjahr. Statt Rekordzahlen musste das Unternehmen im Juli einen Frequenzrückgang von rund 25%, auf einzelnen Strecken gar von über 50%, vermelden. Die Passagierfrequenzen auf der Fähre waren im Juli mit rund 29'100 Passagieren etwa 20% hinter Vorjahr. Die Hypothek aus dem Lockdown wiegt schwer, so dass über die ganze Saison ein Rückgang der Passagiere von deutlich über 50% zu erwarten ist. 

Die Maskenpflicht schreckt die Passagiere ab «Wir hatten nach dem Lockdown eine stark steigende Tendenz, bis am 6. Juli 2020 die Maskenpflicht ausschliesslich für den Öffentlichen Verkehr eingeführt wurde», sagt Andrea Ruf, CEO des Unternehmens. Die SBS trägt die Verordnung des Bundesrates mit, kritisiert diesen jedoch auch deutlich. «Während des Lockdowns galten wir als touristischer Betrieb und mussten die Schiffe im Hafen stehen lassen. Nun gelten wir wiederum als Öffentlicher Verkehr und auch auf dem Aussendeck unserer Schiffe muss die Maske getragen werden. Es gibt jedoch keinerlei Hinweise, dass im Öffentlichen Verkehr die Ansteckungsgefahr grösser ist als in einem Club oder im Sportverein» ärgert sich Andrea Ruf über diese Ungleichbehandlung. Sie hätte sich gewünscht, dass beim Einhalten des Mindestabstands im Freien die Maske abgenommen werden kann, wie das beispielsweise auf den deutschen Schiffen der Fall ist. Die Schweizer Schifffahrtsbranche forderte dies bisher erfolglos. Eine Schifffahrt, ohne dass einem der Wind um sein Gesicht weht, ist nicht das Gleiche – dies sehen viele der Passagiere auch so und kamen deshalb diesen Sommer nicht aufs Schiff. 

Ausdünnung Rorschach/Romanshorn – Meersburg 

Nun zieht das Unternehmen die Notbremse und dünnt noch vor Saisonende den Fahrplan selektiv aus. Davon betroffen ist der Kurs um 08.25 Uhr von Romanshorn nach Meersburg und der Kurs um 09.47 Uhr von Romanshorn nach Rorschach und über Romanshorn nach Meersburg. Die Streichung der Kurse soll jedoch nur unter der Woche stattfinden, am Wochenende, also am Samstag und Sonntag soll der normale Kurs gefahren werden. Die Streichung der Kurse entspricht einer Angebotsreduktion von ca. 20%. 

Antrag Kurzarbeit und ein Millionenausfall 

Die Themenfahrten und Charterfahrten sind noch deutlicher im Minus als die Kursfahrt. «Von der Normalität sind wir noch weit entfernt», sagt der Leiter Marketing und Verkauf, Markus Wilda. Er sieht vor allem bei Unternehmen eine grosse Zurückhaltung, wenn es um Events auf den Schiffen geht. Die meisten Unternehmen möchten kein Risiko eingehen und stornieren oder verschieben ihre Buchung. Einzelne Private feiern immerhin wieder ihren Geburtstag oder ihre Hochzeit auf dem Schiff. Aufgrund der aktuellen Verordnung ist dies ganz ohne Maske möglich, sofern die Teilnehmenden dem Veranstalter bekannt sind. Weiter wird, später als ursprünglich geplant, in die Werftsaison gestartet. Das Unternehmen wird demnächst einen Antrag auf Kurzarbeit stellen müssen. Aktuell sind keine Mitarbeitenden mehr in Kurzarbeit. Der wirtschaftliche Schaden lässt sich gemäss Andrea Ruf noch nicht genau beziffern: «Dieser liegt im siebenstelligen Bereich». 

Über die Schweizerische Bodensee Schiffahrtsgesellschaft AG (SBS) 

Seit über 160 Jahren betreibt die SBS AG die Schifffahrt auf dem Bodensee. 1853 als «Schweizerische Nordostbahn-Gesellschaft» (NOB) gegründet, transportierte das Unternehmen in den ersten Betriebsjahren neben Passagieren vor allem Zugwagons über den Bodensee. Im Jahr 1902 übernahm die Schweizerische Bundesbahn (SBB) die Firma. Seit dem Jahr 2007 besitzt eine private Thurgauer Investorengruppe das Unternehmen, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Betrieb von Grund auf zu sanieren. 2014 wurde die sanierte und erweiterte Werft in Romanshorn in Betrieb genommen. Es folgten weitere Projekte wie die neue Hafenplattform mit dem Restaurant Hafen in Romanshorn oder die Komplettsanierung der MS Säntis. Die SBS betreibt heute eine Flotte von 7 Schiffen und teilt sich mit der Deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH den Fährbetrieb zwischen Romanshorn nach Friedrichshafen. Neben der Kursschifffahrt werden auch Themenfahrten und Charterschiffe angeboten. Mehr Informationen finden Sie unter www.bodenseeschiffe.ch. ;