Mehr, als nur "im Wasser stochern"

sup

Radolfzell, 14.08.2020 von Michael Häßler

SUP ist der Trendsport derzeit am See. Der Einstieg ist niederschwellig und man muss nicht viel können, um das erste Mal im Wasser „rumzustochern“.Man kann sich in der noch jungen Sportart durch regelmäßigesTraining aber auch bis in professionelle Sphären vorarbeiten. Wettkämpfe in verschiedenen SUP-Disziplinen gibt es sowohl auf nationaler wie auf internationaler Ebene.

Sportgeräte für Einsteiger kosten im Fachhandel nicht viel Geld und außerhalb des Fachhandels oft noch weniger. Ob man mit dem „Profi-Komplett-Set“ vom Supermarkt aber tatsächlich gut ausgerüstet ist, interessiert den Supermarkt nur am Rande. Den Fachhändler, der sich langfristig einen treuen Kundenstamm aufbauen möchte, dafür umso mehr.

Wichtig ist, dass die Ausrüstung zum Leistungsniveau und zum Einsatzzweck passt. Ein Einsteiger wird sich mit einem schmalen und kippligen Raceboard auf alle Fälle schwer tun. Auf so einem meist starren Brett aus Kohlefasern wird man die Basics kaum erlernen und die Sicherheit gewinnen können, die für eine erfolgreiche Ausübung des Sports notwendig ist. Dagegen ist ein aufblasbares Allroundboard ein preisgünstiger Einstieg, um die neue Sportart kennenzulernen.

Das Paddel muss zur Körpergröße und zum Einsatzzweck passen. „Körpergröße plus 25 cm“ ist eine gängige Faustformel. Tourenpaddler nutzen ein eher längeres Paddel und sportliche Paddler ein eher kürzeres Paddel.


Boom für den Sport nur bedingt positiv

Christoph Straub vom Kanuclub Radolfzell kümmert sich innerhalb des Deutschen Kanuverbands um das Thema SUP. Er ist auch Organisator der deutschen SUP-Meisterschaft 2020, die Ende August vor Radolfzell geplant war. Leider musste diese aufgrund der aktuellen Corona-Situation um ein Jahr verschoben werden.

Straub ist nicht unbedingt glücklich über den aktuellen SUP-Boom, jedenfalls nicht so, wie er spätestens seit dem letzten Sommer nicht nur am Bodensee stattfindet. „Die Leute kaufen sich ein SUP“, so Straub, „ohne dass ihnen jemand erklärt, wie sie das Sportgerät richtig einsetzen. Dass sie nicht wissen, wie man damit umgeht“, resümiert er, „ist zunächst ihr eigenes Problem. Aber sie haben auch keine Ahnung von Sicherheit, von Verkehrsvorschriften und von Naturschutz“, ärgert er sich. „Auch mit unnötigen Seenotfällen bringen sie den jungen Sport bei Behörden, Naturschützern und anderen Wassersportdisziplinen in Misskredit.“

Natürlich wünscht sich Straub, dass sich gerade Neueinsteiger einem der zahlreichen Vereine anschließen. Das Ziel scheint aberrecht ambitioniert, wenn man beispielsweise den Vergleich zu den Motorbootfahrern zieht, wo ebenfalls viele Neueinsteiger für Vereine und Verbände nicht greifbar sind. Auch diese sorgen, oftmals ebenfalls aus Unwissenheit, für negative Stimmung auf dem See, wobei dann oft die gesamte Wassersportdisziplin unberechtigterweise in „Sippenhaft“ genommen wird, anstatt der Einzelne, der nicht weiß, wie er sich benehmen muss.

Straub war bei der Erstellung des Flyers beteiligt, der aus der Initiative gegen die Sperrung des Markelfinger Winkels in  Zusammenarbeit mit der Internationalen Wassersportgemeinschaft Bodensee (IGKB), dem Kanuverband Baden-Württemberg und dem Bodensee-Kanu Ring entstanden ist. Das Faltblatt wird seit letztem Sommer an den bekannten Einstiegstellen der nicht organisierten Stand-Up-Paddler platziert. Damit sollen zumindest die grundlegenden nautischen Belange wie beispielsweise Wegerechtregeln erklärt und die Einschränkungen beispielsweise durch die Naturschutzgebiete nahegebracht werden. Auch Informationstafeln sollen dort aufgestellt werden.

Nach den Erfahrungen der letzten Saison sieht das aber eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein aus, denn die Massen an „SUPlern“, die letztes Jahr während der Ferienmonate auf dem See unterwegs waren, können unmöglich durch ehrenamtliche Maßnahmen erreicht werden. Dafür sind es einfach zu viele. „Der große Boom wird wieder abebben“, ist sich Straub sicher, „aber ein paar Jahre hält das noch.“ Danach bleiben dann diejenigen übrig, die ihren Sport engagiert und kompetent ausüben. Mit denen sollte es dann auch keine Probleme mehr geben.“

 Organisationsstrukturen

In Deutschland kümmern sich drei kooperierende Verbände um den Trendsport „Stand-Up-Paddling“. Außer dem Deutschen Kanu Verband (DKV) ist das der Deutsche Wellenreiter Verband (DWV) und die German Stand Up Paddle Association (GSUPA). Alle drei sind im Dachverband Stand Up Paddle Alliance Germany (SUP-AG) vertreten, die sich um die Förderung und Koordination des Leistungssports kümmert, Meisterschaften ausrichtet sowie Regeln festlegt. In der Schweiz und in Österreich sind vergleichbare Strukturen etabliert.

In den zahlreichen Vereinen geht es auch, aber nicht nur um den Leistungssport, der ohnehin eine eigene Welt darstellt und wenig damit zu tun hat, was am Bodensee im Allgemeinen so vor den Campingplätzen stattfindet und ebenso rechtswidrig wie ahnungslos am Schilf entlang paddelt. Die Vereine und Verbände kümmern sich, neben den einzelnen Wettbewerbsdisziplinen, auch um Tourensport. Dabei steht Aus- und Weiterbildung ebenso auf der Agenda wie gesetzliche Rahmenbedingungen und weitere Angelegenheiten, die für die Akzeptanz der neuen Sportart hilfreich sind und dieser auch eine längerfristige Existenz sichern sollen.

Die Verbände bilden Instruktoren und Trainer aus, die ihr Wissen an die Sportler weitergeben. Auch einen europäischen Paddelpass (EPP) als verbandsinternes Qualifikationspapier gibt es, das Straub jedem Einsteiger dringend empfiehlt und das über das bloße Wissen hinaus auch noch weitere Vorteile, beispielsweise bei der Miete von Sportgeräten, bietet. Den EPP gibt es für jede Einzeldisziplin, auch für Stand Up Paddeln. Es ist kein amtlicher Führerschein und soll auch keiner sein, denn Paddeln gilt, wie übrigens auch Schwimmen, rechtlich als „Gemeingebrauch“ eines Gewässers. Für (muskelgetriebenen) Gemeingebrauch kann es keine Führerscheinvorschriften geben. Der EPP wird daher auch als „Paddelsportabzeichen“ bezeichnet.

Auch Paddler unterliegen Vorschriften

Paddler, und als solche sind SUP‘s in der Bodensee-Schifffahrtsordnung (BSO) eingruppiert, unterliegen den selben  Wegerechtsregeln wie die (führerscheinpflichtige) Schifffahrt. Sie müssen Segelbooten und Kurschiffen mit grünem Ball ausweichen und haben gegenüber Motorbooten Wegerecht. Sowohl für den Kurshalter als auch für das ausweichende Fahrzeug ist es wichtig, sich eindeutig zu verhalten. Das ist nur möglich, wenn man die Vorschriften kennt und sich seiner Sache sicher ist.

Weitere Vorschriften betreffen den Uferabstand. Sportlich orientierte Paddler meiden ohnehin flaches Wasser von vornherein wegen des erhöhten Widerstands und Sogs, der bis zu einer Tiefe von rund einem Meter spürbar ist, wie Straub betont.  Abgesehen davon müssen laut Bodensee-Schiffahrtsordnung (BSO) alle Wasserfahrzeuge 25 Meter Abstand zu jeglicher Ufervegetation halten. Naturschutzgebiete müssen respektiert werden, was in der Praxis aber nur dort möglich ist, wo diese auch gekennzeichnet sind. Die Vegetationslinie ist in aller Regel nicht mit der Schutzgebietsgrenze identisch, die sich an der (unsichtbaren) Gemarkungsgrenzeorientiert und in der Regel 50 Meter seewärts davon liegt. Ein Schutzgebiet ohne wasserseitige Kennzeichnung kann daher gar nicht erkannt werden.

Wer die 300 Meter breite Uferzone verlässt, braucht eine Schwimmhilfe der 50N-Kategorie. Nicht vorgeschrieben, aber auf einem ruhenden Gewässer dringend empfohlen wird eine „Leash“ genannte Verbindungsleine zwischen Board und Sportler.


Wetter

Gewitter dauern am Bodensee normalerweise nicht lange, können aber recht heftig ausfallen. Meistens kommt der Wind aus südwestlicher Richtung. Daraus folgt, dass am nördlichen Ufer erheblich mehr Seegang herrscht als am südlichen Ufer. Es muss aber auch berücksichtigt werden, dass ein Paddler am südlichen Ufer seewärts getrieben wird, wenn er nicht mehr in der Lage ist, gegen Wind und Welle anzupaddeln.

Grundkenntnisse der Meteorologie sind ebenso hilfreich wie der Zugang zu Niederschlagsradar auf dem wasserdicht verpackten Smartphone.

Kleidung

Bei unsichtigem Wetter und rauem Wasser muss berücksichtigt werden, dass ein Paddler von anderen Schiffsführern nur schwer gesehen wird. Deshalb ist Kleidung in kontrastierenden Signalfarben speziell im Schulterbereich ein sehr wichtiges Sicherheitsmerkmal. Auch wenn dieser Aspekt bei der aktuellen Wassersportmode kaum Berücksichtigung findet, geht Sicherheit vor Ästhetik. Grundsätzlich gilt, dass die Kleidung der Wassertemperatur und nicht der Lufttemperatur angepasst werden sollte.

Auf einen Neoprenanzug sollte nicht verzichtet werden, besonders wenn man eine längere Strecke vor sich hat und man bei einem Wetterumschwung nicht sofort am Ufer Sicherheit findet. Nur in Badekleidung läuft man auch bei sommerlichen Wassertemperaturen Gefahr, dass man unterkühlt, falls man mal längere Zeit im Wasser verbringen muss und womöglich ein Gewitter, weit vom Ufer entfernt, abwettern muss. Das ist zwar generell nicht zu empfehlen, aber wenn man keine andere Möglichkeit hat, geht‘s eben nicht anders.

Wem das permanente Tragen eines Neoprenanzugs lästig ist, kann diesen zumindest mitführen und bei Bedarf anziehen. Auch ein bequemer „Shorty“ kann bei sommerlichen Temperaturen eine große Hilfe sein.


Überallemassen

Wasserfahrzeuge über 2,5m Länge haben eine Registrierungspflicht.
Eine deutlich sichtbare Zulassungsnummer wäre sehr hilfreich:
1. Rettungsaktionen beim Auffinden eines treibenden SUP
2. Verfolgung von Rechtsverstössen

Als ich vor Anker in der Nähe der Aachmündung lag kamen gestern 3 SUP längsseits und bestaunten mein Boot aus 1m Abstand.
Als ich das als Rücksichtslos benannte wurden mir indirekt Prügel angedroht. Ich wurde ganz klar angesteuert, die 3 SUP fuhren nach der Umkreisung wieder Richtung Ufer...

Der Verzwanzigfachung des SUP kann man nur eine Bodenseeregistrierung entgegensetzen. Von 100 SUP haben 98 keine Schwimmweste dabei und fühlen sich ohnehin im rechtsfreien Raum-MITTEN AUF DEM SEE
kim mahl am 17.08.2020 14:17:06
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