Wie gelangt Mikroplastik in den Fisch?

Eine Studie der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg liefert interessante Einblicke.

Fische

Langenargen, 10.03.2020 von IBN

Die Belastung der Ozeane, Seen und Flüsse mit Mikroplastik ist zu einem großen Problem geworden. Vor allem Wasserorganismen scheinen weltweit betroffen zu sein. Auch in unseren heimischen Fischarten werden die Kunststoffpartikel, welche meist kleiner als 5 mm groß sind, nachgewiesen.

Bis heute ist eine wesentliche Frage nicht eindeutig geklärt. Wie gelangt das Mikroplastik überhaupt in unsere Fische? In einer Studie der Fischereiforschungsstelle des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg (LAZBW) unter der Leitung von Dr. Alexander Brinker wurden nun die wichtigsten Aufnahmewege mit Hilfe von gezielten Laborversuchen untersucht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht. 

Pfad 1: Verwechslung von Mikroplastik mit Nahrung

In der Fachliteratur finden sich vereinzelt Hinweise, dass Fische Mikroplastik mit Nahrung verwechseln.  Ob dies bei unseren heimischen Fischarten vorkommt und wie verbreitet dieser Aufnahmepfad ist, wurde in der aktuellen Studie überprüft. Die durchgeführten Laborversuche zeigten dabei deutliche Unterschiede auf: räuberische Fische, wie Forelle oder Äsche, verwechselten regelmäßig Mikroplastik mit Nahrung; hingegen unterschieden Arten mit ausgeprägtem Geschmackssinn, wie Karpfen oder Karausche, effektiv zwischen Nahrung und Mikroplastik. 

Dies macht auch aus biologischer durchaus Sicht Sinn: Bodennah lebende Arten suchen ihre Nahrung häufig im oder auf dem Gewässerboden und sind gefährdet Ungenießbares aufzunehmen. Dementsprechend lassen sie sich mehr Zeit und „kosten“ die Nahrung, bevor sie diese verschlucken. Räuberische Fischarten hingegen müssen blitzschnell zuschnappen und verlassen sich vor allem auf optische Reize bei der Nahrungsaufnahme. Für sie ist vor allem die Farbe der Beute ein ausschlaggebender Faktor und es kommt dann zu einer Verwechslung. Voraussetzung für diesen Aufnahmepfad ist jedoch, dass das Mikroplastik eine ähnliche Größe wie die bevorzugte Nahrung besitzt. Kleinere Partikel gelangen wohl über andere Mechanismen in den Magen der Fische, so die Einschätzung der Fischereiforschungsstelle.

Pfad 2: Zufällige Aufnahme von Mikroplastik

Die weitere Analyse der Daten zeigte zudem, dass alle Fische auch Mikroplastik zufällig aufnehmen. Dies passiert meist dann, wenn sich die Kunststoffpartikel in der Nähe der Nahrung befinden und sie so „aus Versehen“ geschluckt werden. Auch durch „Trinken“ können sehr kleine Partikel in den Fisch gelangen. Die getrunkene Menge ist bei Süßwasserfischen zwar eher gering, Meeresfische müssen aber für den Salzausgleich ständig Flüssigkeit aufnehmen. Um sich diesem Pfad zu nähern wurde mit Hilfe eines mathematischen Modells die wahrscheinliche Aufnahme durch Trinken ermittelt: 

Es stellte sich heraus, dass bei Süßwasserfischen die Mikroplastikaufnahme durch Trinken keine Rolle spielt. Die aufgenommenen Partikelmengen sind zu gering und dabei sogar kleiner als die Ausscheidung mit dem Nahrungsbrei. Für marine Fische sieht es jedoch anders aus. Vor allem große Fische können demnach durch Trinken relevante Mengen an Mikroplastik aufnehmen. 

Relevanz für die aktuelle Belastungssituation

Die Frage, wie Mikroplastik in die Fische gelangt, ist insbesondere vor dem Hintergrund der unsicheren Belastungssituation unserer Fische relevant. Mit den heute verfügbaren Methoden kann derzeit wohl nur ein Bruchteil der realen Mikroplastikbelastung nachgewiesen werden. Umso wichtiger ist es, mögliche Aufnahmewege aufzuzeigen und zu verstehen. Bisher war nur die Weitergabe von Mikroplastik in der Nahrungskette als Aufnahmepfad recht gut untersucht. Die aktuellen Versuche konnten nun wichtige biologische Einflüsse auf die aktive und zufällige Aufnahme von Mikroplastik identifizieren. 

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