Weg mit den Bäumen – freie Sicht auf die Vögel

Ersatzpflanzung

Reichenau, 09.03.2020 von IBN

Die Abwandlung dieses antiquierten Spontispruchs hat der Nabu in die Realität umgesetzt, wie der Südkurier berichtet. Insgesamt elf Bäume, darunter drei stattliche Silberpappeln seien es gewesen, die der Kettensäge der Naturschützer an der Nordseite des Reichenauer Damms zum Opfer fielen. Übrigens die selben Naturschützer, die die Sperrung des Markelfinger Winkels am anderen Ende des Gnadensees fordern.

Die Bäume mussten weichen, weil sie angeblich die Sicht auf die Wasservögel beeinträchtigt hätten, so die Zeitung. Auf der benachbarten Ruine Schopflen gibt es nämlich eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform, von wo ein regelmäßiges „Vogelmonitoring“ durchgeführt wird.

Die Bäume wurden vom Straßenbauamt gefällt. Eberhard Klein, der Leiter des Naturschutzzentrums Wollmatinger Ried habe diese Behörde „im Zuge der Amtshilfe“, wie Klein zitiert wird, um Unterstützung gebeten. Die Genehmigung dafür habe er von der oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Freiburg erhalten, so die Zeitung. Übrigens das selbe Regierungspräsidium, das auch für die Sperrung des Markelfinger Winkels am anderen Ende des Gnadensees zuständig ist.

„Amtshilfe“ klingt vernünftig. Es ist schön, wenn man sich gegenseitig hilft. Aber der Nabu ist weder Amt noch Behörde. Er hat überhaupt keine hoheitlichen Kompetenzen und kann deswegen „Amtshilfe“ weder in Anspruch nehmen noch bieten. Der Nabu ist ein reiner Interessensverband und steht auf keiner anderen Stufe als jeder andere Branchen- oder auch Sportverband. Allerdings ist er als Naturschutzverband durch vorteilhafte Gesetzgebung „gesegnet“ und wird deswegen, neben exklusiven Informationen und enger Einbindung in behördliche Abläufe, auch mit allerlei öffentlichen Mitteln bedacht. 

Dass das Straßenbauamt ebenso „spurt“, wenn beispielsweise ein Yachtclub um die Fällung von elf Bäumen angefragt hätte, wäre kaum zu erwarten gewesen. Vor allem dann nicht, wenn die Bäume den Wassersportlern nicht nur die Sicht auf den See genommen, sondern auf dem Grundstück des Nachbarn gestanden hätten. Genau das war nämlich am Reichenauer Damm der Fall. Die gefällten Bäume gehörten weder dem Nabu noch dem Land. Also hat hier weder der Nabu etwas zu melden, noch das Straßenverkehrsamt Bäume zu fällen oder das Regierungspräsidium Freiburg dies zu genehmigen.

Klein spricht deswegen auch von einem „doofen Fehler“, den er da gemacht habe. Er habe dem Grundstücksbesitzer daher bereits ein Ersatzbäumchen pflanzen lassen. Dieser habe ob dieser „großzügigen Geste“ die Klage gegen den Nabu bereits zurückgezogen.