Fähre-Neubau geht zügig voran

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Konstanz , 10.01.2020 von IBN

Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierten die zuständigen Vertreter der Stadtwerke Konstanz und des Motorenenherstellers Rollce Royce Power Systems (MTU) am 9. Januar in Konstanz den aktuellen Stand des Fortschritts im Fähre-Neubauprojekt, sowie die Hintergründe zum Antriebskonzept mit verflüssigtem Erdgas (LNG). Die Montage der Rumpfsegmente auf der Helling der Fußacher Werft gehen demnach zügig und planmäßig voran.

Bereits im März soll das Schiffskasko gewassert und nach Konstanz zum weiteren Ausbau überführt weden. Wie die Stadtwerke Konstanz mitteilen, wird die neue Fähre deutlich weniger Schadstoffe ausstoßen und klimafreundlicher sein als vergleichbare Schiffe. Die Motoren werden keine Rußpartikel ausstoßen sowie über 80 Prozent weniger Stickoxide im Vergleich zum Schwesterschiff „Lodi“. Beim klimaschädlichenCO2(Kohlendioxid) werden ebenfalls deutliche Verbesserungen erzielt: Auch wenn der bei Gasmotoren übliche Methanschlupf (nicht verbranntes Methan, das über das Abgas austritt) korrekt berücksichtigt wird, sind es immer noch 6 Prozent wenigerCO2als bei der „Lodi“. „Die Gesamtbilanz ist sehr gut, wir sind mit den Werten überaus zufrieden. So können wir die Verbindung zwischen Konstanz und Meersburg noch umweltfreundlicher machen“, sagte Dr. Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz, beim Pressegespräch. 

Die Stadtwerke haben bereits viel in ihre Flotte investiert, um die Schadstoffe zu reduzieren. „Wir werden unsere Schiffe weiter ertüchtigen, um die Klimabilanz noch zu verbessern. So streben wir an, die LNG-Fähre in wenigen Jahren nur noch mit Biogas aus der Region zu betreiben“, berichtete Oberbürgermeister Uli Burchardt, der Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens. Er nannte als weiteres Beispiel den Katamaran „Constanze“ der Katamaran Reederei Bodensee, an der die Stadtwerke zu 50 Prozent beteiligt sind: „Dank eines speziellen Katalysators fährt er mit ,AdBlue‘-Einspritzung. Es ist damit das erste Schiff in Deutschland, das die EU-Abgasnorm V erfüllt und deutlicher weniger Stickoxide ausstößt als vergleichbare Schiffe.“ 

Rolls-Royce in Friedrichshafen hat den MTU-Gasmotor entwickelt und erprobt die Acht-Zylinder- Variante zusammen mit den Stadtwerken Konstanz, die diesen Typ als erste einsetzen. Peter Kunz, Projektleiter für die Entwicklung des Gasmotors bei Rolls-Royce in Friedrichshafen: „Wir erproben in der Fähre zwei 8-Zylinder-Motoren mit jeweils 746 Kilowatt. Es ist damit das erste Binnenfahrgastschiff Europas, das von schnelllaufenden reinen Gasmotoren angetrieben wird.“ Als erster speziell für die Schifffahrt entwickelter Gasmotor dieser Leistungsklasse erfüllt er die Emissions-Anforderungen der EU-Abgasstufe V. 

Christoph Witte, Leiter Schiffstechnik bei den Stadtwerken, erläuterte die Vorzüge des Neubaus. „Die von den Ingenieuren in Friedrichshafen ermittelten Werte geben uns Recht. Wir werden ab Herbst mit einem deutlich umweltfreundlicheren Schiff im Vergleich zur Dieseltechnik unterwegs sein und einen großen Schritt in eine ökologischere Zukunft tun.“ Die Stadtwerke prüfen zudem, ob der Einsatz von Bio-LNG möglich sein wird, worauf das Schiff problemlos umgestellt werden kann. Derzeit wird noch ein regionaler Anbieter gesucht und die wirtschaftliche Machbarkeit muss noch geprüft werden. „Mit Bio-LNG wäre esCO2-neutral und dieser Energieträger wird zukünftig verfügbar sein“, so Witte. 

„Wir haben uns vor vier Jahren bewusst für Gas entschieden, weil wir so die Schadstoffe deutlich reduzieren können. Wir sehen darin eine Zukunftstechnologie“, berichtete Christoph Witte weiter. Die Fähre ersetzt die deutlich kleinere „Fontainebleau“. Durch die höhere Ladekapazität könne man bei schwächerem Verkehrsaufkommen die Zahl der Fahrten reduzieren. Dies sowie die Optimierung des Rumpfes sorge zudem für deutliche Einsparungen beim Kraftstoff. „Das Schiff wird den Fahrgästen auch mehr Komfort bieten.“ Die Stadtwerke haben sich gegen eine elektrisch betriebene Fähre entschieden, da die Investitionssumme deutlich höher wäre und man immer wieder hohe Investitionskosten hätte für den Ersatz der Akkupakete. 

Zur neuen Fähre 

Die Teile der neuen Fähre wurden in der Hamburger Werft Pella Sietas gefertigt und danach in die Werft in Fußach transportiert. Dort wird die Fähre nun zusammengebaut. Der Innenausbau wird dann im Fährehafen in Konstanz-Staad erfolgen. Ab Herbst 2020 beginnen die Testfahrten. Rein äußerlich wird sich die rund 18 Millionen Euro teure Fähre an der bereits auf der Linie fahrenden „Lodi“ orientieren. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert die technologiebedingten Mehrkosten für den umweltfreundlichen Antrieb mit Gas: Die Stadtwerke erhalten Fördermittel in Höhe von über einer Million Euro. 

Der Antrieb der Fähre erfolgt mit Hilfe zweier MTU-Gasmotoren von Rolls-Royce, die ihre Leistung auf zwei Voith-Schneider Propeller übertragen. Besonders viel Aufmerksamkeit widmen die Ingenieure dem Thema Sicherheit. Die LNG-Tanks sind in einem Raum, in den man nur durch eine gasdichte Druckschleuse gelangt, und somit quasi vom restlichen Schiff hermetisch abgetrennt. Alle Leitungen sind doppelwandig mit integrierten Gasschnüfflern ausgeführt und bieten somit doppelte Sicherheit. Weiterhin verfügt das Schiff über einen hohen Kamin, über den das Gas notfalls in ausreichender Höhe nach außen weg vom Schiff gedrückt werden kann. Alles wird streng von einer internationalen Klassifikationsgesellschaft geprüft, nur so erhält das Schiff seine Zulassung. Ebenso wird beim neuen Fährschiff der IGF-Code („International Code of Safety for Ship Using Gases or Other Low-flashpoint“) komplett erfüllt, der in der Schifffahrt seit Langem bewährte Sicherheit bietet. 

Infos: www.stadtwerke-konstanz.de/fs14

Erklärvideo: https://youtu.be/_p5j7UoGo5s 

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