Vorarlberger lösen Nationenticket für Olympia

Bildstein Hussl

Auckland, 09.12.2019 von IBN

Benjamin Bildstein und David Hussl finden mit der Qualifikation für die Olympischen Spiele den krönenden Abschluss einer nahezu perfekten Saison.

„Das wertvollste für uns ist, dass wir nach dem letzten Jahr und nach der verpatzten WM (Anm. 20018 vor Aarhus) unseren Plan voll umsetzen konnten. Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen und alles in die Waagschale geworfen. Wir sind wahnsinnig weit gekommen und sowohl im seglerischen als auch im mentalen Bereich auf einem Top-Niveau“, blickt Steuermann Bildstein auf die erste verletzungsfreie Saison seit Jahren zurück.

49er lösen Olympia-Ticket im ersten Rennen des Finaltags
Die beiden WM-Bronzemedaillen-Gewinner aus 2017 starteten vom sechsten Platz und als zweitbestes Boot unter den noch nicht für die Olympischen Spiele qualifizierten Nationen in den großen Entscheidungstag der WM vor Auckland. Aus den letzten zwei Rennen der Goldflotte musste aber noch zumindest ein Top-Ergebnis eingefahren werden, um mit dem Einzug ins Medal-Race das Ticket für Tokyo 2020 endgültig zu lösen. „Wir wussten, dass es nun um alles geht und mussten Nervenstärke beweisen. Dies gelang uns auch gleich in der ersten Wettfahrt des Tages, bei dem wir mit Rang drei das Olympiaticket bereits fixieren konnten“, so der Vorarlberger, der sich nun gemeinsam mit Vorschoter David Hussl den Olympia-Traum erfüllen darf. „Uns fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Wir verloren kurzzeitig den Fokus, sodass das letzte Rennen der Goldflotte nicht mehr perfekt war. Das Medal-Race wollten wir dann aber in vollen Zügen genießen und noch ein letztes Mal in dieser Saison Vollgas geben“, schilderte Hussl. „Vor allem bei der letzten Vorwind hatten wir einen unglaublichen Speed und richtigen Spaß am Segeln. Bei der Halse sind wir zwar nochmal in die Welle eingetaucht, aber dennoch passabel ins Ziel gekommen“, blickt ein erleichterter Benjamin Bildstein auf das letzten Rennen der Saison zurück, das ihnen den sechsten Gesamtrang einbrachte. „Die WM war unglaublich hart. Neben dem großen Ziel – die Qualifikation für Olympia – freut uns die Tatsache, dass wir nach dem verpatzten Goldflottentag eine unglaubliche Moral bewiesen und dem Druck standgehalten haben“, so der 27-jährige Steuermann.

Auch Sportdirektor Matthias Schmid zeigte sich sichtlich erleichtert über den dritten rot-weiß-roten Quotenplatz für Olympia: „Es freut mich nicht nur in meiner Position sondern auch persönlich für Benjamin und David. Ich bin hautnah dabei und sehe wie viel Energie die beiden hineinstecken. Bei dem hohen Qualifikationsdruck ist das Abrufen des Potentials eine unfassbare Leistung. Nachdem sie am ersten Tag der Goldflotte kurz ins Straucheln geraten sind, haben sie unglaubliche Moral bewiesen. Dass die Top-10 bei einer WM notwendig gewesen sind, beweist die Leistungsdichte und wie professionell gearbeitet werden muss, um bei den Olympischen Spielen dabei zu sein", so Schmid.

Zajac/Matz belegen achten Rang bei Comeback
Thomas Zajac und Barbara Matz starteten nicht mit den besten Voraussetzungen in die Klassen-WM vor Auckland, fehlten dem Nacra-17-Duo doch verletzungsbedingt zahlreiche Wasserstunden in der Vorbereitung. Dennoch rangierte das für Tokyo 2020 bereits qualifizierte Team über die gesamte Regatta in den Top-10 und hatte vor dem Finaltag gar noch realistische Medaillenchancen. „Es war ein anstrengender Tag für uns. Wir hatten zwei Rennen bei ziemlich spitzer Welle und schwierigen Bedingungen, bei denen wir heute nicht so überzeugen konnten. Da machen sich die fehlenden Wasserstunden bei solchen Verhältnissen bemerkbar“, resümierte der olympische Bronzemedaillengewinner aus 2016. Mit einem 15. und einem zehnten Platz in den letzten beiden Races der Goldflotte war vor dem Medal-Race bereits klar, dass zwar die Medaillen außer Reichweite waren, dennoch eine Top-Platzierung weiterhin möglich ist. „Wir hatten ein passables Medal-Race und beendeten die WM auf dem achten Platz. Einerseits war es ein gutes Comeback nach meiner Verletzung, wir haben aber am Finaltag Chancen liegengelassen, um in Medaillenränge vorstoßen zu können. Wir sind auf einem guten Weg und wissen, woran wir arbeiten müssen“, blickt Steuermann Thomas Zajac bereits auf die nächsten Aufgaben.

Matthias Schmid weiß vor allem aufgrund der Knieverletzung von Thomas Zajac das Ergebnis einzuordnen. "Das Wichtigste ist, dass Toms Knie alles heil überstanden hat. Das Zweitwichtigste ist die Erkenntnis, dass wir von den Top-3 der Welt nicht weit entfernt sind - sowohl bei der Geschwindigkeit als auch im Gesamtklassement. Wenn man bedenkt, dass Thomas aufgrund der nicht ungefährlichen Bedingungen die Order hatte, mit angezogener Handbremse zu fahren, um keine weitere Knieverletzung zu riskieren, muss man sich nicht verstecken. Im Hinblick auf Tokyo 2020 sind wir definitiv am richtigen Weg“, zeigt sich der Sportdirektor zufrieden.

Aber auch die Ergebnisse von Laura Farese und Matthäus Zöchling können sich sehen lassen. Das junge Nacra-17-Duo beendete die Weltmeisterschaft vor Auckland auf dem 42. Gesamtrang. "Wenn man bedenkt, dass die beiden Youngsters ihre erste WM in einer olympischen Disziplin gesegelt sind, kann man mit den soliden Leistungen durchaus zufrieden sein. Es gibt kaum ein höheres Niveau als bei einer Weltmeisterschaft etwas mehr als ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen. Laura und Matthäus sind noch unglaublich jung und machen tolle Fortschritte. Zwar fehlt ihnen noch die Konstanz, ihr Potential blitzt aber bei coolen Aktionen und gutem Bootspeed regelmäßig auf", will Schmid auch in Zukunft auf die jungen Talente setzen.

Plätze 29, 30 und 48 für 49erFX-Teams
Für die österreichischen 49erFX-Teams endete die WM vor Auckland mit einem Rennen bei schwierigen Bedingungen. Tanja Frank und Lorena Abicht, die sich durch einen etwas unglücklichen Umstand nur in der Silberflotte befanden, belegten mit Rang 12 den 29. Gesamtrang „Wir hatten knapp 20 Knoten und konnten uns recht gut über den Kurs manövrieren. Durch zwei Kenterungen haben wir dann leider einiges verloren. Dennoch konnten wir den zwölften Platz einfahren – einige Boote haben es bei diesen Bedingungen nicht ins Ziel geschafft. Für uns geht nun eine harte Woche zu Ende. Wir müssen wieder Energie für die im Februar bevorstehende WM in Australien tanken. Trotz der Enttäuschung schauen wir ab jetzt nur noch nach vorne“, blickt Vorschoterin Lorena Abicht bereits wieder nach vorne. Laura Schöfegger und Anna Boustani beendeten die WM nur einen Rang hinter ihren Kolleginnen. „Wir haben es geschafft am sechsten Tag einer intensiven WM bei viel Wind unsere Leistung abzurufen. Wir waren eines der wenigen Boote, die nicht gekentert sind und konnten im letzten Rennen einen sechsten Platz einfahren. Für mehr hat uns leider die notwendige Geschwindigkeit gefehlt“, zeigte sich Laura Schöfegger mit dem WM-Abschluss zufrieden. Angelika Kohlendorfer und Lisa Farthofer beschlossen die Regatta vor Auckland mit einem 17. Platz in der Silberflotte und belegten den 48. Gesamtrang. "Die FX-Teams haben bei dieser WM eher durchwachsene Leistungen gezeigt. Tanja und Lorena haben unglücklich die Goldflotte verpasst, in der sie wahrscheinlich gut dabei gewesen wären. Die Verhältnisse hier vor Auckland zählen sicher nicht zu ihren Lieblingsbedingungen“, bewertet Matthias Schmid die Leistungen des erfolgreichsten österreichischen FX-Teams. „Laura und Anna haben zwar immer wieder gute Leistungen gezeigt, ihnen fehlt aber noch die Routine und dadurch auch die Konstanz. Angelika und Lisa konnten ihre starken Trainingsleistungen leider nicht umsetzen. Vor allem bei den Starts haben sie aufgrund von geringer Regattaerfahrung noch größere Probleme", zeigt sich Sportdirektor Schmid mit der Umsetzung der in der Vorbereitung gezeigten Leistungen noch unzufrieden.

Kaum Pause vor Olympia-Saison
Bereits im Februar 2020 stehen mit den Weltmeisterschaften in Australien das nächste Großereignis am Programm. Für das österreichische Segel-Nationalteam bleibt also nur eine kurze Weihnachtspause, bevor es mit vollem Fokus in das Olympia-Jahr geht. Drei der vier vom Österreichischen Segelverband beschickten Klassen haben den Quotenplatz für Tokyo 2020 bereits fixiert. Lediglich die Klasse der 470er mit Bargehr/Mähr sowie Kampelmühler/Czajka haben diese Herausforderung noch vor sich. "Während wir mit sechs Booten in Neuseeland im Einsatz waren, befinden sich auch unsere 470er täglich am Wasser und arbeiten unglaublich hart, um sich für die olympischen Spiele noch zu qualifizieren. Aktuell führen die beiden OeSV-Boote die Imperia Winter Regatta in Italien an", berichtet Schmid vom intensiven Vorbereitungsprogramm der noch nicht für Tokio qualifizierten Bootsklasse, die im April 2020 beim Weltcup in Genua die Chance auf das letzte europäische Olympia-Ticket haben.

Auch die bereits qualifizierten Teams haben ihren Fokus voll auf die Olympia-Saison gelegt. "Von 16. bis 18. Dezember haben wir einen intensiven Lehrgang in Neusiedl, bei der wir mit allen Teams des Nationalteams gezielt arbeiten werden. Dabei geht es um die finale Planung unseres Weges zu den Olympischen Spielen. Wir analysieren dabei die Leistungen bei der WM sowie bei den Trainings über alle Bereiche", so Schmid abschließend. Anfang Jänner geht es für das Nationalteam bereits wieder nach Australien, wo die nächsten Aufgaben in Angriff genommen werden.

Klassen-Weltmeisterschaften (49er, 49erFX, Nacra 17) vor Auckland (NZL), 3. – 8. Dezember 2019:

49er:
1. Peter Burling / Blair Tuke (NZL) 86 (1/11/3/3/1/8/1/3/7/11/3/7/10/5/1/(DNF)/3/4)
6. Benjamin Bildstein / David Hussl 148 (5/8/1/5/2/2/13/19/1/17/20/16/4/3/15/3/(23)/7)

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