Die saubere Lösung

15.04.2011 von Hans-Dieter Möhlhenrich

Jeder Wassersportler steht im Frühjahr vor der Frage, welcher Unterwas-seranstrich ist der richtige für das Boot. Die Bodensee-Schifffahrts-Ordnung gibt die Richtung vor: Verboten ist alles, was das Wasser nachhaltig verändert.

Welche Farben konkret Veränderungen bewirken und welche nicht, darüber gibt das Vorschriftenwerk allerdings keine Auskunft. Ebenso wenig, was konkret erlaubt ist. Der Wassersportler bleibt mit seiner Entscheidung also im Wesentlichen sich selbst überlassen. 

Mäßiger Bewuchs

Erste wertvolle Hinweise finden sich auf der Website www.bewuchs-atlas.de. Die Bewuchs-Datenbank ist in den vergangenen Jahren in Kooperation des DSV mit dem Hamburger Forschungsinstitut Limnomar entstanden, das zu den führenden Forschungsunternehmen im Bereich Fouling / Antifolung zählt. Die Wassersportler am Bodensee haben über den Bodensee-Segler-Verband, Internationale Motorboot Verband und Internationale Wassersportgemeinschaft Bodensee mit zahlreichen Plattenversuchen zum Wissen um den Bewuchs am Bodensee beigetragen. Rund um den See wurden von den Verbandsmitgliedern mehrere Jahre im?Frühjahr Testplatten in den See gehängt und diese zur Analyse des Bewuchses und der Auswertung der Bewuchsbelastung am Saisonende an Limnomar gesandt. 

Im Menü „Wassersport“ ist dort die so genannte Bewuchs-Datenbank veröffentlicht, die umfangreich über die Bewuchsverhältnisse in verschiedenen deutschen Segelrevieren informiert und Empfehlungen für das jeweils wirksamste und umweltschonendste Antifouling gibt. 

In einer Produktliste sind alle zulässigen Antifoulings aufgeführt und entsprechend ihrer Toxizität in acht Kategorien unterteilt.  Wichtig zu wissen ist, dass Biozide die Wasserfauna schädigen können, in gewissen Konzentrationen artenbedrohende Missbildungen bei Wassertieren (Unfruchtbarkeit, Geschlechtsveränderungen) hervorrufen und schließlich bestimmte Biozide durch ihr Abbauprodukt bei der Trinkwasseraufbereitung mit Ozon krebserregende Nitrosamin frei setzen.

Auskunft im Bewuchsatlas über Bewuchsart und Quantität am Bodensee geben Ergebnisse von Auswertungen von 2008 in Konstanz, am Fließhorn und in Friedrichshafen. Sie bestätigen einmal mehr die bereits wenige Jahre zuvor gemachte Auswertungen: Der Bewuchs am Bodensee ist eher gering bis mäßig. Auf Unterwasserfarben mit „stark wirksamen“ Bioziden kann daher verzichtet werden. 

Limnomar stuft den  Süßwasserbewuchs  des Bodensees in die Kategorie „soft-fouling“ ein: Nur die Zebramuschel fällt unter die Kategorie „hard-fouling“, diese lässt sich etwas schwieriger von der (unbeschichteten) Platte entfernen, da sie mit ihren Byssusfäden relativ fest an der Platte verankert ist. Der restliche Bewuchs lässt sich normal gut von der Oberfläche entfernen, schreibt Limnomar.

Die Positivliste lässt auf sich warten

Nach Inkrafttreten der EU-Biozidrichtlinie dürfen in Zukunft ohnehin nur noch Antifoulinganstriche verwendet werden, deren Wirkstoffe registriert und in den Annex 1 (Positivliste) aufgenommen wurden. ie wird wird auch für die Schweiz Gültigkeit haben. Derzeit sind die nachfolgenden zehn Wirkstoffe zur Prüfung angemeldet worden: Tolylfluanid, Dichlofluanid, Kupferthiocyanat, Kupferdioxid, Kupfermetall, Irgarol, Isothiazolinon, Zineb, Chlorthalonil, Zinkpyrithion

Nach einer aktueller Aussage des Umweltbundesamtes gibt es bei der Prüfung dieser Stoffe erhebliche Schwierigkeiten. Aus den Berichtsstaaten liegt daher bisher nur eine Beurteilung vor, obwohl die abschließende Prüfung bis Ende 2010 geplant war.

Aus diesen Gründen wurde die ursprüngliche Befristung für die Verwendung von biozidhaltigen Unterwasseranstrichen im Sportsektor vom 13. Mai 2010 bis zum 13. Mai 2013 verlängert.  ie sich derzeit im Handel befindlichen Anstriche können daher noch bis zur Saison 2013 weiterhin verkauft und verwendet werden. Dass sie verkauft werden dürfen, heißt aber nicht, dass man sie am Bodensee auch verwenden sollte. 

Neben herkömmlichen Antifoulinganstrichen gibt es seit einiger Zeit Bemühungen, Anstriche auf Nanobasis zu entwickeln. Zur Wirksamkeit dieser nanobasierten Anstriche liegt eine Untersuchung des Labors für limnische, marine Forschung „Limnomar“ im Auftrag des Umweltbundesamtes (Texte 40/2010, Umweltbundesamt) vor, in der unter anderem auch Produkte für den Sportbootsektor kurz beschrieben werden.

Die Untersuchung kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit der ers-ten Generation der Nanoprodukte für den Sportbootbereich nicht ausreichend ist und nicht als Ersatz für die biozidhaltigen Unterwasseranstriche dienen kann. Es sind jedoch sehr viele Produkte in der Entwicklung, sodass mit einer Verbesserung der Wirksamkeit gerechnet werden kann.

Sehr gute Erfahrungen konnten am Bodensee mit biozidfreien Selbsterrodierenden Farben gemacht werden, die fast alle Hersteller in verschiedenen Varianten im Programm haben.  Darunter auch Unterwasserfarben, die völlig frei von Bioziden sind. Die selbserrodiereden Farben „schleifen“ sich, einfach gesagt, bei der Fahrt durchs Wasser ab, wodurch verhindert wird, dass sich Bewuchs am Unterwasserschiff festsetzen kann. Umgekehrt kann man sagen, das ein Boot, das bewegt wird, weniger Bewuchs hat, als eines, das wochenlang im Hafen liegt. Eine andere und seit Jahren bewährte Alternative sind Farben auf Kupferbasis.

Die Internationale Wassersportgemeinschaft Bodensee  IWGB, der auch Bodensee-Segler-Verband und Internationaler Bodensee Motorbootverband angehören, hat in eigener Regie praktisch alle gängigen Unterwasserfarben auf ihre Inhaltsstoffe hin unter die Lupe genommen und eine Liste mit für den Bodensee empfohlenen und relativ und völlig unbedenklichen Unterwasserfarben zusammengestellt. Diese Liste enthält nur Unterwasserfarben, die frei von Triazine, Tolyl- und Dichlofluanid, Zineb sowie Pyrithionzink und Pyrithionkupfer sind bzw. die gemäß Biozidrichtlinie so geringe Anteile enthalten, dass sie kennzeichnungsfrei sind und sich nicht nachteilig auf das Gewässer auswirken. Ein Hinweis auf krebseregende Stoffe in bestimmten Antifoulings finden Wassersportler zudem durch die Kennzeichnung der Dose mit einem Totenkopf.

Andere als die dort empfohlen Farben, inbesondere solche, die für Gewässer mit starker Bewuchsbelastung empfohlen werden (also z. B. das Mittelmeer), sollten am Bodensee wegen ihrer hohen Giftbeimischung nicht verwendet werden. Von Kontrollen im Winterlager wurde der Redaktion bereits berichtet. Wer einen Wechsel des Unterwasseranstrichs auf eine andere Farbe plant, kann dies in vielen?Fällen problemlos tun. Vorher sollte man sich allerdings entsprechende Informationen über die Verträglichkeit der Anstriche besorgen, die man beim Hersteller oder im guten Fachhandel erhält. 

 

Empfehlenswerte Unterwasserfarben

Anwander Nautico Plastorex Unterwasserkupferbronce

Nautico Plastorex Kupferbronce

Nautico Aalglatt Kupfer

Von Höveling D 89 Kupferbronce Antifouling

Slip Way 

Y 88 D 17

Von der Linden Lefant TF 

Lefant SPF Mark 5

Lefant AllCoast

X3 Racing

Epifanes Foul Away

Epifanes Neosil

Werdol kupferfrei

Werdol Silverpaint Medium

Vosschemie Hempel’s Water Glide 740 DE

YC PROP Spray

YC Antifouling Eco

VC Haifischhaut T

Wohlert Lackfabrik HW 90 Antifouling

LB 25 Antifouling

PTF-Hartantifouling

AIII-Classic Antifouling

Innoskins Inharmony 100

Infinale 100 

Choguku Paints Seajet 037 Coastal

Seajet 031 Samurai

Seajet Pellerclean

Akzo Nobel/ VC 17M (alle Farbtöne aber nicht VC 17M Extra)
International Trilux Prop-o-drev

Cruiser Future

YC PROP Spray

  Cruiser Eco

Für den Bodensee empfohlene Unterwasserfarben – Auszug 

Quelle:?IWGB/Bewuchsatlas/IBN

 

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