Man lernt das Matrosenleben

nicht durch Übungen in einer Pfütze... (Franz Kafka)

15.03.2011 von Hans-Dieter Möhlhenrich

Vor 100 Jahren legte das Boot „Bodensee-Segler-Verband“ ab, seither kümmert sich die sturmerprobte Slup umden Segelsport am Bodensee – zunächst über mehrere Jahrzehnte als reiner Regattakoordinator. Denn die Segler in den fünf, einige Jahre vorund nach dem Wechselzum 20. Jahrhundert gegründeten ersten Clubsam Bodensee, hatten auf den Regattabahnen Luntegerochen.  Um ihre Termine unter einen Hut zubekommen, ist der Verband von allen fünf Vereinen gemeinsam auf Kielgelegt worden, und mehr Vortrieb bedurfte es anfangs auch nicht. Schnell kam innerhalb weniger Jahre vor dem Ersten Weltkrieg ein passabler Regattakalender zusammen, zu dem damals auch die Bodenseewoche gehörte.

Das Element, das die Segler aufs Tiefste verbunden hat, war damals und ist bis heute der Bodensee – lange bevor die Politik für sich die „Euregio Bodensee“ entdeckte.  Und der die Länderund Segler vereinende See war letztlich die Keimzelle dafür, aus der am 28.April 1911, also zu einer Zeit, als das überhaupt nicht selbstverständlich war, dass ein Verband geboren wurde,der international war: Gemeinsames Revier, gemeinsamer Sport und gemeinsame Interessen am Bodensee.  

Der See und die sportlichen Gemeinsamkeiten definieren  den Verband bis heute und haben ihn immer in Fahrtgehalten: Segelsport, Regattakalender,Yardstick sollen hier nur wenige Stichworte sein. Ein neuer Wind ist in den letzten gut dreißig Jahren mit der Aufgabe einer Interessenvertretung der Segler und Wassersportler durch die Takelage gestrichen. Wassersportboom,Seeverschmutzung, Umweltschutz undzahlreiche daraus resultierende Interessenkonflikte waren die Klippen der jüngsten Vergangenheit, die das Boot der Segler umschiffen und die Stürme,denen man sich stellen musste. Und sie sind es bis heute. Herausforderungen für das Verbandsschiff, die jeden Segler betreffen und die die Seglerin den letzten Jahrzehnten zwangsläufig einigen mussten.

Mit Geschick, Diplomatie, Kompromissbereitschaft und der Kunst, sich zu arrangieren, hat derVerband sich in manchmal rauem Gewässer seinen navigatorischen Aufgaben gestellt, die in allden Jahren nicht unterschiedlicher hätten sein können und viel Einsatzer forderten.   

Die Strukturen an Bord waren zu jeder Zeit locker, wer der Kapitän war,stand nie so sehr im Vordergrund. Und es sind auch keine Auseinandersetzungen über die Satzungen und ihre Ausgestaltung bekannt. Wenn es ums Segeln und den Bodensee geht, ist derSport der Kapitän, alle anderen haben die gleichen demokratischen Rechte.Entscheidungen werden fast immereinvernehmlich getroffen und gemeinsam getragen. Die Bordkasse ist bescheiden, umso größer das völlig ehrenamtliche Engagement an Deck. 

Von einer eher kleinen Stammbesatzung mit fünf Vereinen 1911 bis zurund 25 Vereinen und 3500 Mitgliedern noch Anfang der 60er Jahre, ist der BSVb heute zu einer Crew mit 101 Vereinen mit mehr als 20 000 Mitgliedern angewachsen. Eine durchaus starke Interessenvertretung.

Denen, die in den letzten 100 Jahrenden Start gewagt und an der erfolgreichen und langen Reise mitgewirkt haben, kann man nur gratulieren. Ebensojenen, die sich heute und in Zukunft finden und denen es hoffentlich gelingt,den Kurs auch bei einem viel divergierenderen Interesse am Segelsport undam Bodensee zu halten