Schlauchboot: Materialien, Wartung, Pflege Teil II

01.01.2010 von IBN

Damit der Spaß auch wirklich eintritt, sollte der Schlauchboot-Fan seine Vorstellung und Erwartung mit dem Boot in Einklang bringen. Weitere Punkte und Tipps, die dabei zu beachten sind, zeigt die IBN im Folgenden auf.

Zum Bootsboden bleibt zu sagen, dass der V-Boden durch seine Tiefe ein Sicherheitsgefühl verleiht. Inwieweit er bequem beim Sitzen oder Liegen ist, sei dahingestellt. Achten sollte der potentielle Käufer auf alle Fälle darauf, dass sich die Crew jederzeit mit bloßen Füßen im Boot bewegen kann, ohne irgendwo anzustoßen oder sich gar zu verletzen. Insbesondere vorstehende Ventile oder Verstrebungen sowie scharfe Kanten haben in einem guten Schlauchboot nichts zu suchen. Der Heckspiegel hat eigentlich nur eine wichtige Aufgabe. Er sorgt für die Kraftübertragung des Motors aufs Boot. Deshalb sollte er äußerst stabil sein. Meist besteht er aus Bootsbausperrholz, aber auch hier gibt es unterschiedliche Qualitäten, klarlackiertem Bootsbausperrholz sieht man die Qualität an. Die Ausgestaltung des Heckspiegels ist auch dafür verantwortlich, ob ein Außenborder mit Langschaft (52 Zentimeter) oder einer mit Kurzschaft (38 Zentimeter) zum Einsatz kommt.

Ein ausbaubarer Heckspiegel bietet den Vorteil, dass das Packmaß klein gehalten wird. Beim fest eingeklebten Spiegel ist die Motorkraftübertragung direkter, dafür wird das Bootspackmaß etwas größer, die Aufbauzeit jedoch etwas kürzer. Bei den Rib's, vor allem bei größeren, wird als Außenborderhalterung auch ein Bracket extra einlaminiert. Durch Verlängern der Kiellinie ergibt sich so ein besseres Geschwindigkeitspotential. Auch hält er vom Außenborder aufgewirbeltes Spritzwasser davon ab, ins Bootsinnere zu gelangen. Manche Hersteller statten ihre Boote auch im Heckbereich mit Spritzwasserschutz-Dreiecken aus. Wenn jedoch Motor und Boot zueinander passen und bei einer entsprechend optimierten Rumpfform ist dies überflüssig. Gegen Spritzwasser geschützt sein sollte aber der übrige Teil des Bootes. Dies fängt schon an mit einer strukturierten Scheuerleiste mit Abweisnase. Zusätzliche Sicherheit gibt ein umlaufender Süllrand. Wer den Bugbereich absolut trocken halten möchte, ist mit einem fest aufgearbeiteten Bugverdeck gut bedient. Jedoch schränkt das Bugverdeck die Bewegungsfreiheit im Innenraum etwas ein. Vielleicht nicht ganz so dicht, aber flexibler ist ein abnehmbares Bugverdeck.

Kaum noch werden Schlauchboote mit rundem Heck angeboten. Normalerweise laufen die Tragschlauchenden gerade in Heckkonen aus. Zum einen sollen sie dabei für den nötigen Auftrieb sorgen, trägt doch der Heckbereich, vor allem bei kleinen Schlauchbooten, die Hauptlast des Gewichts – Motor, Tank sowie Fahrer. Zum anderen sollen die überstehenden Enden – durch Hebeleffekt – das Boot in einer flachen Lage halten und den Aufrichtmoment beim Übergang in die Gleitfahrt mindern. Dabei soll es nicht so sehr auf die Ausformung der Heckkonen, ob spitz oder stumpf, ankommen. Entscheidend ist vielmehr, dass der Schlauchendenüberstand etwa 10 Prozent der Gesamtlänge des Bootes aufweist, um die gewünschten Effekte zu erreichen.

Ein Schlauchboot unterscheidet sich von einem Badeboot, dass es nicht aus Folie, sondern einem beschichteten Gewebe besteht. Dabei kann der Aufbau dreilagig oder fünflagig sein. Jedoch nicht die Zahl der Schichten ist entscheidend für die Qualität einer Bootshaut. Wichtige Punkte sind etwa die Gesamtdicke der Haut, die Gewebestärke des Trägergewebes, die Materialqualität der einzelnen Schichten, Verarbeitung des Schichtaufbaues sowie die Reißfestigkeit der gesamten Haut. Eine hochwertige Bootshaut besteht aus einem synthetischen (dehnungsarmen) Trägergewebe und einer Innenbeschichtung, welche die Luftdichtigkeit sicherstellen soll. Während die Außenbeschichtung Schutz bietet vor klimatischen und chemischen Einflüssen wirkt sich eine hohe Abriebfestigkeit positiv auf die Strapazierfähigkeit und Lebensdauer aus. Die Gewebestärke des hochfesten Trägergewebes wird in Decitex (dtx) angegeben. Zur Verdeutlichung: Ein normaler Damenstrumpf hat 40 dtx, ein undurchsichtiger, stärkerer Damenstrumpf hat 80 dtx. Je höher der Wert, desto beanspruchbarer und reißfester ist das Trägergewebe. Die meisten Schlauchboothersteller benutzen eine Gewebestärke um die 1100 dtx, steigerungsfähig sind da nur noch die Zodiac-Hurricane-Ribs mit 1880 dtx..

Der Knackpunkt ist jedoch nicht nur das Trägergewebe, sondern auch dessen Beschichtung. Die einen schwören auf eine plastomere Beschichtung, teilweise mit klingenden Namen wie Synotex, Hypatex, Strongan oder Duotex. Dies alles kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um PVC handelt. Da PVC im Urzustand ein harter Kunststoff ist, müssen die entsprechenden Beschichtungen mit Weichmachern geschmeidig gemacht werden. Da eine Bootshaut jedoch bestimmten Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, entweichen diese Weichmacher mit der Zeit, was dazu führt, dass die Bootshaut spröde wird. Haltbarer ist da eine Beschichtung mit Hypalon / Neopren. Dieser Kunstkautschuk ist zwar teurer, doch zahlt sich diese Beschichtung durch eine längere Haltbarkeit und bessere Reparaturfähigkeit aus. Zwar lassen sich kleinere Reparaturen auch bei plastomeren Beschichtungen mit Spezialkleber durchführen. Doch können größere Risse nur in der Fachwerkstatt wieder verklebt werden. Hier liegt nun auch der Hauptunterschied in der Verarbeitung. So werden bei der PVC-Beschichtung die Nähte thermisch verschweißt. Diese industrielle, maschinelle Verschmelzung ergibt billige Herstellungskosten.

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