Schlauchboot: Materialien, Wartung, Pflege Teil I

01.01.2010 von IBN

War das Schlauchboot früher das Einsteigerboot par excellence, so hat es sich doch heute immer mehr zum vollwertigen Freizeit- und Abenteuerboot entwickelt. Vor dem Kauf sollte sich der potentielle Schlauchbootinteressent über die Verwendung und den Einsatz des Bootes im Klaren sein. Zum einen kommt es auf die Verwendungsart an. Soll das Schlauchboot etwa zum Angeln, als Arbeitsboot, als Badeboot, als Beiboot oder als Wasserskiboot oder gar zum Segeln dienen? Zum anderen ist der Einsatzort entscheidend, ob nur Binnengewässer, Küstengewässer oder auch der gesamte Mittelmeerraum befahren werden soll. Auf alle Fälle sollte das Boot CE-zertifiziert sein. Daraus ergibt sich auch die höchstmögliche zugelassene Personenzahl. Wenn das Boot vor allem als Freizeitboot genutzt werden soll, empfiehlt es sich, auf ausreichend Platz zu achten. Beachtet werden sollte dabei auch, dass die Bootslänge immer von Bugspitze bis zu den Heckkonen gemessen wird.

Der Heckspiegel sitzt aber bei den meisten Herstellern erheblich weiter vorn. So lässt sich aus der Bootslänge nicht auf das Innenraumangebot schließen. Da dementsprechend auch die Kiellänge kürzer ist, als die angegebene Bootslänge, kann von dieser auch nicht auf die Fahreigenschaften geschlossen werden. Was die Bootsgröße angeht, kann es manchmal lohnender sein, lieber ein gutes Gebrauchtes zu kaufen, als ein „schlechtes" Neues. Auch die Antriebsart spielt bei der Wahl eines Schlauchbootes eine Rolle. Soll mit ihm vorzugsweise gerudert oder soll es auch mit einem Motor betrieben oder gar gesegelt werden können? Je nachdem bedarf das Boot einer speziellen Ausrüstung. Zwar decken einen großen Bereich dabei die Allround- Boote ab. Meist verfügen jene jedoch nicht über spezifische gute Fahreigenschaften. So läuft ein Schlauchboot mit festem Rumpf unter Motor am besten. Bei allen Verwandlungsmöglichkeiten eines Schlauchbootes, es gleicht der Quadratur des Kreises, ein wasserskitaugliches Schlauchboot haben zu wollen, das gleichzeitig auch noch zerlegbar ist. Um ein befriedigendes Ergebnis auch beim Monolaufen zu erzielen, sollte das Boot mindestens mit einem 20-kW / 30-PS-Motor ausgestattet sein.

Dies wiederum erfordert ein Steuerlenkrad mit Einhebelschaltung, welches wiederum einen Feststoffrumpf bedingt. Zwar bieten einige Hersteller auch zerlegbare Schlauchboote mit Steuersäule an, nach zweimaligem Auf- und Abbau verzichtet jedoch auch der geübte Bastler auf einen erneuten Abbau – ein Trailer wird angeschafft. Dann doch lieber gleich ein Festrumpfschlauchboot. Für den Einsteiger sind am Anfang erst einmal die zerlegbaren Boote erste Wahl. Sie lassen sich platzsparend aufbewahren und noch einigermaßen gut transportieren. Bei dem vom Hersteller angegebenen Packmaß sollte der zukünftige Skipper daran denken, dass noch genügend Stauraum für den Motor übrig bleibt. Bei den zerlegbaren ist auch das Gewicht des Schlauchbootes, sprich das Transportgewicht entscheidend. Hier setzt die höchst zulässige Zuladung, bei Dachtransport die Dachlast, des eigenen Wagens die Grenzen. Beim Boden hat der Käufer heute eine große Auswahl.

Sie reicht von Bootsböden ohne besondere Kielausformung wie den flachen Sperrholzboden über den flachen Luftkammerboden, den aufgekimmten Luftkammerboden, einen eingezogenen Luftkiel bis zum V-Rumpf aus Sperrholz oder Aluminium. Der neueste Hit ist der Luftkammerboden. Er besteht aus einer stark aufgeblasenen Luftkammer, die ihre Stabilität aus tausenden von Fäden bezieht, die zwischen Oberhaut und Unterhaut befestigt sind. In der Steifheit soll er dabei an einen Sperrholzboden herankommen, bei jedoch weniger Gewicht. Bei der Wahl der Rumpfform kommt es auf den Verwendungszweck an. Sollte das Boot nicht nur durch Ruder angetrieben werden, ist eine Kielung hilfreich. Denn ohne diese wäre das Schlauchboot nicht spurtreu und würde schon bei leichtem Wellengang anfangen zu schlagen. Dem kann schon mit einer leichten Aufkimmung begegnet werden. Durch die V-Form lässt sich das Boot leichter steuern und es werden Erschütterungen beim Eintauchen in Wellen besser aufgefangen, erst mit der Kielkante, dann mit immer mehr benetzter V-Fläche. Dies nennt sich progressive Schlagdämpfung, und je ausgeprägter die V-Form, desto höher die Schlagdämpfung. Die V-Form kann einmal durch das Einziehen eines Luftkiels unter dem Bootsboden erreicht werden.

Er sollte dabei extra stramm (wesentlich höherer Luftdruck wie in den Schläuchen) aufgepumpt sein, um eine ausreichende Aufkimmung zu bewirken. Jedoch verformt sich Luft beim Auftreffen auf ein härteres Hindernis, wie etwa einer Welle. Dies bedeutet, dass Kiel und Bootshaut nachgeben, die V-förmige Aufkimmung verloren geht, und das Boot seine guten Fahreigenschaften verliert. Ebenso sind die zwei Extraluftschläuche unterm Boden beim Zodiac-Futura-Rumpf zu beurteilen. Bei ruhigem Wasser verbessern sie den Fahrkomfort und die Fahreigenschaften, sie verbessern jedoch nicht die Rauhwassereigenschaften des Rumpfes. Besseres Fahrverhalten im Rauhwasser zeigen die zerlegbaren Starrkielboote. Hier ist einmal der von Wiking hervorgebrachte V-Plattenboden zu nennen. Zum anderen der normale Holzkiel mit T-Profil-Boden. Beide sorgen für eine stabile Aufkimmung. Auch werden heutzutage Spezialboote, die in ihrer Art zwischen Festrumpfboot und zerlegbarem Schlauchboot liegen, angeboten. Mit „RhinoRib" brachte Quicksilver ein Boot auf den Markt, an dem Kunststoffrumpf und Trageschlauch auf der Unterseite mit Schienen und Schrauben verbunden sind.

So kann die Schale durchaus mal vom Schlauch getrennt werden. Ein Semi-Rigid-Boat (halb-starres) Schlauchboot bietet die Deutsche Schlauchbootfabrik mit dem „DSB 2.8 SR" an. Hier sind die Trageschläuche mit einem leichten Alu-Rumpf verbunden. Mit seinem „Ribster" geht Zodiac noch einen Schritt weiter. Nachdem der normale 5-teilige Composite-Verbundboden in der üblichen Art eingelegt ist, wird das Boot umgedreht und auf den zwei angebrachten Kederleisten schiebt die Crew drei GFK-Teile auf. Richtig platziert verbleiben sie mittels eines Spannsystems fest zusammen und bilden einen festen V-Rumpf. Das Nonplusultra, sprich der Rolls-Royce unter den Schlauchbooten – auch teilweise mit entsprechenden Preisen – ist das Rib, das Festrumpfschlauchboot. Das Rib vereinigt Lagestabilität, Sicherheit, geringes Gewicht sowie leichte Handhabung eines Schlauchbootes mit Schnelligkeit und Komfort von Festbooten. Es gibt sie in allen möglichen Größen und Ausführungen. Zum Bootsboden bleibt zu sagen, dass der V-Boden durch seine Tiefe ein Sicherheitsgefühl verleiht. Inwieweit er bequem beim Sitzen oder Liegen ist, sei dahingestellt.

Achten sollte der potentielle Käufer auf alle Fälle darauf, dass sich die Crew jederzeit mit bloßen Füßen im Boot bewegen kann, ohne irgendwo anzustoßen oder sich gar zu verletzen. Insbesondere vorstehende Ventile oder Verstrebungen sowie scharfe Kanten haben in einem guten Schlauchboot nichts zu suchen. Der Heckspiegel hat eigentlich nur eine wichtige Aufgabe. Er sorgt für die Kraftübertragung des Motors aufs Boot. Deshalb sollte er äußerst stabil sein. Meist besteht er aus Bootsbausperrholz, aber auch hier gibt es unterschiedliche Qualitäten, klarlackiertem Bootsbausperrholz sieht man die Qualität an. Die Ausgestaltung des Heckspiegels ist auch dafür verantwortlich, ob ein Außenborder mit Langschaft (52 Zentimeter) oder einer mit Kurzschaft (38 Zentimeter) zum Einsatz kommt. Ein ausbaubarer Heckspiegel bietet den Vorteil, dass das Packmaß klein gehalten wird. Beim fest eingeklebten Spiegel ist die Motorkraftübertragung direkter, dafür wird das Bootspackmaß etwas größer, die Aufbauzeit jedoch etwas kürzer. Bei den Rib's, vor allem bei größeren wird als Außenborderhalterung auch ein extra Bracket einlaminiert. Durch verlängern der Kiellinie, ergibt sich so ein besseres Geschwindigkeitspotential. Auch hält er, vom Außenborder aufgewirbeltes Spritzwasser davon ab, ins Bootsinnere zu gelangen.

Manche Hersteller statten ihre Boote auch im Heckbereich mit Spritzwasserschutz-Dreiecken aus. Wenn jedoch Motor und Boot zueinander passen und bei einer entsprechend optimierten Rumpfform ist dies überflüssig. Gegen Spritzwasser geschützt sein sollte aber der übrige Teil des Bootes. Dies fängt schon an mit einer strukturierten Scheuerleiste mit Abweisnase. Zusätzliche Sicherheit gibt ein umlaufender Süllrand. Wer den Bugbereich absolut trocken halten möchte ist mit einem fest aufgearbeiteten Bugverdeck gut bedient. Jedoch schränckt das Bugverdeck die Bewegungsfreiheit im Innenraum etwas ein. Vielleicht nicht ganz so dicht ,aber flexibler, ist ein abnehmbares Bugverdeck. Kaum noch werden Schlauchboote mit rundem Heck angeboten. Normalerweise laufen die Tragschlauchenden gerade in Heckkonen aus. Zum einen sollen sie dabei für den nötigen Auftrieb sorgen, trägt doch der Heckbereich, vorallem bei kleinen Schlauchbooten, die Hauptlast des Gewichts – Motor, Tank sowie Fahrer. Zum anderen sollen die überstehenden Enden – durch Hebeleffekt – das Boot in einer flachen Lage halten und den Aufrichtmoment beim Übergang in die Gleitfahrt mindern. Dabei soll es nicht so sehr auf die Ausformung der Heckkonen, ob spitz oder stumpf, ankommen. Entscheidend ist vielmehr, dass der Schlauchendenüberstand etwa 10 Prozent der Gesamtlänge des Bootes aufweist, um die gewünschten Effekte zu erreichen. Nur so lässt sich die richtige Wahl treffen.

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