Es wird wieder spannend beim America's Cup

Spannend

San Francisco, 16.09.2013 von IBN

An Ende eines des vom Start bis ins Ziel packendsten Match Races in der Geschichte des America’s Cup hat das Emirates Team New Zealand 16 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie gerettet.

Zuvor hatte das ORACLE TEAM USA im neunten Rennen 47 Sekunden Vorsprung und sich damit den ersten Punkt ersegelt.

Rund 35.000 Besucher beobachteten bei strahlendem Sonnenschein die Wettfahrten in den beiden zentralen Zuschauerbereichen an der Bucht von San Francisco. Selten in der immerhin schon 162 Jahre andauernden America’s-Cup-Historie hat es ein derart spannendes Rennen gegeben. Das Match im Jahr 1983 ist vom Ergebnis her das bisher engste der Geschichte, damals mussten alle sieben angesetzten Rennen gesegelt werden, ehe ein Sieger feststand. Das 2007er-Match wiederum war in Bezug auf den durchschnittlichen Vorsprung des Wettfahrtsiegers das bisher knappste.

Kaum einmal haben zwei Teams sich gegenseitig so intensiv mit Wenden und Halsen in die Knie zu zwingen versucht, wie es das Emirates Team New Zealand und das ORACLE TEAM USA in den vergangenen drei Rennen taten. Sicher ist: Noch nie sind zwei Yachten mit der aus dem Speed beider Kats resultierenden Geschwindigkeit von mehr als 70 Knoten (130 km/h) aufeinander losgegangen.

Ihrer bisherigen Höhepunkt erreichte diese neue Art von America’s-Cup-Racing im zehnten Rennen der Serie, als die Führung nicht weniger als vier Mal wechselte und der Abstand an den vier Tonnen gerade einmal drei, elf, eine und wieder elf Sekunden betrug. Alleine auf der drei Seemeilen langen Kreuz gab es drei Führungswechsel.

„Wer heute keinen Spaß beim Zuschauen hatte, der sollte sich einen anderen Sport aussuchen“, sagte Emirates Team New Zealands Skipper Dean Barker, der seinen vierten America’s Cup bestreitet.

„Ich kann ohne jede Übertreibung sagen, dass dies das aufregendste und beste Regattasegeln ist, das ich je erlebt habe”, ergänzte der viermalige Olympiasieger und ORACLE TEAM USA Taktiker Ben Ainslie.

Das Emirates Team New Zealand führt nun mit 7:1 Punkten. Um den 34. America’s Cup zu gewinnen, sind neun Punkte nötig. Die Neuseeländer benötigen dazu nur noch zwei weitere Siege, während das ORACLE TEAM USA noch acht Wettfahrten gewinnen muss. Wegen einer von der Internationalen Jury ausgesprochene Strafe (zwei Punkte Abzug) blieben die ersten beiden Rennsiege des ORACLE TEAM USA ohne Auswirkung auf den Zwischenstand.

Im neunten Rennen kam das ORACLE TEAM USA zu einem Start-Ziel-Sieg. Skipper Jimmy Spithill zeigte sein Qualität gegen Ende der zweiminütigen Vorstartphase. Er erkämpfte sich die Lee-Position und hinderte die Neuseeländer am Start. Spithill und seine Crew hatten an der ersten Bahnmarkte vier Sekunden Vorsprung und bauten diesen bis ins Ziel mit ihrer neu gewonnen Geschwindigkeit kontinuierlich aus.

„Wir haben eine entwicklungsfähige Yacht. Wie in jedem Rennsport, ob Formel 1 oder MotoGP, hört man nie auf zu lernen, wie man das Material optimiert“, sagte Spithill über den AC72-Kat, der vor einem Jahr vom Stapel gelaufen war. „Wir sind jetzt in der Rennenphase angekommen, und da kann man am meisten lernen. Zurückzuschauen ist einen nette Sache, aber wichtig ist es, eine Reaktion zu zeigen und weiterzumachen. Sogar heute haben wieder eine Menge darüber erfahren, was wir an dem Boot gerne verändern würden.“

Die Antwort des Emirates Team New Zealand auf die verlorene neunte Wettfahrt war ein mitreißender Erfolg im Rennen 10. Diesmal waren es die „Kiwis“, die in Lee und besser starteten. Wie wichtig das war, zeigte sich auf dem kurzen Halbwindkurs zur ersten Tonne, als sie beinahe vom ORACLE TEAM USA überholt worden wären. Die Position näher an der Tonne erlaubt es den Neuseeländern schließlich, die Situation zu kontrollieren.

Die Kreuz war ein einziges Feuerwerk. Sieben Mal begegneten sich die gigantischen Kats, drei Mal wechselte die Führung. Am Luv-Tor war das ORACLE TEAM USA vorne – mit gerade einmal einer Sekunde Vorsprung.

Auf der anschließenden Vorwindbahn segelte das Emirates Team New Zealand einen anderen Kurs und hatte beim nächsten Aufeinandertreffen der Yachten die Bugspitzen vorn – dies war letztlich auch die Entscheidung. Das ORACLE TEAM USA kreuzte hinter den „Kiwis“ und segelte auf die linke Kursseite. Laut Taktiker Ainslie hatte das US-Team kaum eine Wahl.

„Es ging ziemlich eng zu“, sagte Ainslie. „Hätten vor den Neuseeländern gehalst, hätten diese eine starke Position zur Verteidigung bekommen. Also sind wir hinter ihnen durch und hofften darauf, dass wir den Boden wieder gutmachen können, wenn die Neuseeländer zurückhalsen. Bei 40 Knoten Speed ist es schwer, diese Dinge einzuschätzen. Wir haben das nicht allzu schlecht gemacht, aber es hat nicht ganz gereicht.“

Für Barker war der Erfolg nach zwei Siegen des ORACLE TEAM USA in Folge eine Erleichterung. „Es war wichtig, nach dem verlorenen neunten Rennen zurückzuschlagen. Das Oracle-Boot hat uns im ersten Match Race des Tages keine Chance gelassen“, meinte Barker. „Nach dem Start war es richtig knapp, aber die gegnerische Yacht hat für einen Moment das Foilen unterbrochen, das bescherte uns die Führung an der ersten Tonne. Am Leetor fühlten wir uns in einer guten Position, aber der Gegner war stark auf der Kreuz.“

Der America’s Cup wird am Dienstag mit den Rennen 11 und 12 (13:15 und 14:15 Uhr Ortszeit/22:15 und 23:15 Uhr. MESZ) fortgesetzt. In den USA wird der America’s Cup live auf NBC und NBC Sports Network zu sehen sein. Zeitversetzt sind die Rennen auch auf dem America’s Cup YouTube Channel abrufbar.

Weltweit wird das Finale in mehr als 170 Ländern und Regionen ausgestrahlt. Liveübertragungen sind zudem auf dem America’s Cup YouTube Channel verfügbar (in manchen Ländern kann dies aus rechtlichen Gründen nicht möglich sein).

Wer ein Smartphone besitzt, kann die Wettfahrten auch über die America’s Cup App für Android- und iOS-Endgeräte verfolgen.

34. America’s Cup Zwischenstand (9 Punkte zum Gesamtsieg nötig)
•    Emirates Team New Zealand – 7
•    ORACLE TEAM USA – 1

Daten zum neunten Rennen:
•    Kurs: Fünf Bahnen / 10,02 Seemeilen
•    Zeit: OTUSA - 21:53 Minuten, ETNZ - 22:40 Minuten,
•    Abstand im Ziel: 47 Sekunden
•    Gesegelte Distanz: OTUSA - 11,3 Seemeilen, ETNZ - 11,5 Seemeilen
•    Durchschnittsgeschwindigkeit: OTUSA - 31,63 Knoten (58,58 km/h),
ETNZ - 31,32 Knoten (58,00 km/h)
•    Höchstgeschwindigkeit: OTUSA - 42,52 Knoten (78,75 km/h),
ETNZ - 42,54 Knoten (78,78 km/h)
•    Windgeschwindigkeit: Durchschnitt – 17,6 Knoten, Maximum – 20,8 Knoten
•    Wenden/Halsen: OTUSA - 8/6, ETNZ - 8/8

Daten zum zehnten Rennen:
•    Kurs: Fünf Bahnen / 10,02 Seemeilen
•    Zeit: ETNZ - 22:00 Minuten, OTUSA - 22:16 Minuten
•    Abstand im Ziel: 16 Sekunden
•    Gesegelte Distanz: ETNZ - 11,8 Seemeilen, OTUSA - 11,7 Seemeilen
•    Durchschnittsgeschwindigkeit: ETNZ - 32,25 Knoten (59,72 km/h),
OTUSA - 31,76 Knoten (58,82 km/h)
•    Höchstgeschwindigkeit: ETNZ - 43,01 Knoten (79,65 km/h),
OTUSA - 44,98 Knoten (83,30 km/h)
•    Windgeschwindigkeit: Durchschnitt – 18,3 Knoten, Maximum – 22,3 Knoten
•    Wenden/Halsen: ETNZ - 7/7, OTUSA - 7/7

Zeitplan zum America’s Cup
•    Montag, 16. September: Keine Wettfahrt
•    Dienstag, 17. September: Rennen 11 (13:15 Uhr Ortszeit/22:15 Uhr MESZ),
Rennen12 (14:15 Uhr Ortszeit/23:15 Uhr MESZ)
•    Mittwoch, 18. September: Rennen 13* (13:15 Uhr Ortszeit/22:15 Uhr MESZ),
Rennen14* (14:15 Uhr Ortszeit/23:15 Uhr MESZ)
•    Donnerstag, 19. September: Rennen 15* (13:15 Uhr Ortszeit/22:15 Uhr MESZ),
Rennen16* (14:15 Uhr Ortszeit/23:15 Uhr MESZ)
(*falls nötig)

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