Am Samstag beginnt „Showdown”

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San Francisco, 06.09.2013 von IBN

Am kommenden Wochenende fällt der Startschuss zum „September-Showdown“ um den 34. America’s Cup. Jimmy Spithill, Skipper des ORACLE TEAM USA, sieht sein Team in der Außenseiterrolle. Emirates Team New Zealands Skipper Dean Barker sagte, außer dem Sieg zähle nichts.

Dies sind kurz und knapp die Vorzeichen, unter denen der Titelverteidiger und der Herausforderer am Samstag in die bedeutendste Regatta ihres bisherigen Seglerlebens starten.
 
„Als Titelverteidiger bist du immer der Gejagte“, sagte der 34-jährige Spithill. „Die Herausforderer kommen zusammen, und sie eint ein Ziel: Jedes Team will sich durchsetzen, dann den Titelverteidiger besiegen und ihm den America’s Cup entreißen. Egal was an Land passiert, wer die Silberkanne haben will, muss sie auf dem Wasser gewinnen. Und genau darauf konzentrieren wir uns: aufs Wasser zu gehen und Rennen zu segeln.“
 
„Ich denke, dass beide Teams heiß darauf sind, am Samstag zuzuschlagen“, meint der 41-jährige Barker. „Wir brennen darauf, die Wettfahrten zu bestreiten, und unser Gegner ganz bestimmt auch. Das wird ein sehr, sehr interessantes erstes Wochenende, das ein erstes Gefühl davon vermitteln wird, wie gut die beiden Yachten im direkten Vergleich sind. Gibt es Performance-Unterschiede auf der Kreuz oder vor dem Wind? Oder bei der Manövrier-Fähigkeit oder am Start? All diese Aspekte haben wir intern versucht zu ermitteln. Aber erst nach den ersten vier Rennen werden wir belastbare Antworten haben.“
 
Spithill und Barker kennen sich gut und haben über die Jahre sehr viele Regatten als Konkurrenten bestritten. Und auch im America’s Cup haben beide Teams Spuren hinterlassen: Die Wurzeln des Emirates Team New Zealand reichen zurück bis ins Jahr 1987, als der Cup im australischen Fremantle ausgetragen wurde. Das ORACLE TEAM USA ist seit der 2003er-Auflage in Auckland (Neuseeland) im Geschäft. Zusammen haben die beiden Teams drei America’s Cups gewonnen, zuletzt triumphierte das ORACLE TEAM USA im Jahr 2010. Das Emirates Team New Zealand war 1995 und 2000 siegreich.
 
Die erste Finalwettfahrt ist am Samstag um 13:15 Uhr Ortszeit (22:15 Uhr MESZ) angesetzt. Der Auftakt in einen America’s Cup ist immer ein besonderer Tag, der von den Fans sehnsüchtig erwartet wird. Für die Teams ist dieser Tag auch mit der bangen Frage: „Sind wir schnell genug?“ verknüpft. Zwar haben die Teams eine ungefähre Vorstellung von den Kräfteverhältnissen, aber niemand kann sich sicher sein, ob diese auch zutreffen.
 
Diese Ungewissheit wird durch die neue Bootsklasse (AC72) potenziert. Diese Bootsklasse ermöglicht mit Tragflächensegeln und der Fähigkeit zu foilen Geschwindigkeiten von mehr als 45 Knoten (83 km/h) – das sind ganz neue Dimensionen im America’s Cup. Zwar gab es in der Herausforderer-Serie immer wieder Zuverlässigkeitsprobleme, diese sind aber schlicht der Komplexität der Yachten geschuldet. Im America’s Cup Finale sind diese Probleme indes nicht zu erwarten: Das ORACLE TEAM USA war mehr als 110 Tage mit dem AC72 auf dem Wasser; die Neuseeländer haben heute ihren 100. Segeltag absolviert.
 
„Ich bin mir fast sicher, dass beide Teams in der Bootsentwicklung das Ende der Fahnenstange erreicht haben“, sagt Emirates Team New Zealands Flügel-Trimmer Glenn Ashby. „Wir haben einen anderen Ansatz gewählt als unser Gegner, aber in Sachen Aerodynamik und Foilen sind die Kats ziemlich vergleichbar. Und auch die Crews bewegen sich auf einem Niveau.“
 
Ob das ORACLE TEAM USA nun der Außenseiter ist oder nicht, es hat auf jeden Fall in John Kostecki einen der in der San Francisco Bay erfahrensten Segler überhaupt in seinen Reihen. Der Taktiker segelt seit gut 45 Jahren in dieser Bucht, die er für eines der besten Reviere der Welt hält.
 
„Es ist wirklich fantastisch, dass ich auf dem Gewässer, auf dem ich das Segeln gelernt habe, einen America’s Cup bestreiten darf“, meint Kostecki. „Das ist ein sensationelles Revier mit einer starken Seebrise, anspruchsvollen Regattakursen und täglich wechselnder Tidenströmung. Auch der Wind ist jeden Tag anders. Zudem kann man die Rennen von jedem Punkt dieses natürlichen Segelstadions aus sehen. Für mich ist das einer der schönsten Orte der Welt für eine solche Regatta.“
 
Neun Punkte sind nötig, um den 34. America’s Cup zu gewinnen. Die Neuseeländer brauchen dazu neun Rennsiege, während das ORACLE TEAM USA wegen einer von der Internationalen Jury ausgesprochenen Strafe (zwei Punkte Abzug) elf Wettfahrten gewinnen muss. Die Rennen finden an Samstagen, Sonntagen, Dienstagen und Donnerstagen statt. Pro Tag sind zwei Starts (22:15 und 23.15 Uhr MESZ) angesetzt.