Basiswissen: Schifffahrtszeichen

Fahrwasserzeichen

09.03.2013 von Michael Häßler

Viele reden über Seemannschaft, dem „Handwerk, mit einem Boot umzugehen“. Die IBN greift in einer Serie Grundlagenwissen auf.


Die Schifffahrtszeichen folgen am Bodensee eigenen Regeln, die sich vom international gebräuchlichen Betonnungssystem unterscheiden.
Da sind zunächst einmal die durchnummerierten Seezeichen für die Mindestwassertiefe, die am Untersee von Iznang aus, an der Höri entlang bis zum Seezeichen elf vor Öhningen reichen. Am Obersee läuft die Nummerierung vom Seezeichen eins im Konstanzer Trichter im Uhrzeigersinn bis zum Seezeichen 99 vor der Altrheinmündung. Vor dem Schweizer Ufer beginnt die Kennzeichnung wieder bei „eins“ und geht bis zum Seezeichen „40“ an der Einfahrt des Kreuzlinger Schiffshafens weiter. Diese Seezeichen kennzeichnen flache Uferbereiche. Seewärts vom Seezeichen ist es bei einem Konstanzer Pegel von 2,50 Meter mindestens zwei Meter tief. Seezeichen können auch spezielle Schifffahrtshindernisse wie den Teufelstisch, eine „Horn“ genannte Landzunge unter Wasser oder einen „Berg“ kennzeichnen, wie die Untiefen vor dem bayerischen Ufer heißen.
Neben Seezeichen kommen am Bodensee auch Fahrwasserzeichen zum Einsatz. Das sind auf einer Spitze stehende Quadrate. Grün/weiße Fahrwasserzeichen empfehlen die Durchfahrt an der Grünen Seite. Rot/weiße Fahrwasserzeichen verbieten die Durchfahrt an der Roten Seite.
Das rote, auf der Spitze stehende Dreieck ist ein spezielles Untiefenzeichen, das dafür verwendet wird, gefährliche Unterwasserhindernisse wie beispielsweise große Steine oder den Anfang einer Spundwand zu markieren. Auch die beiden Dämme der Rheinmündung sind so gekennzeichnet.
Um die Situation, auf die ein Seezeichen aufmerksam macht, richtig zu interpretieren, ist für ortsunkundige ein Blick in die Karte unbedingt notwendig. Das Seezeichen selbst erklärt die Verhältnisse nicht ausreichend genau. Insbesondere gibt es keine Informationen über die räumliche Ausdehnung des Unterwasserhindernisses.
Mit rot / weiß / roten Bojen werden gesperrte Wasserflächen, wie beispielsweise Badebereiche oder das umstrittene Sperrgebiet der Bodensee Wasserversorgung, gekennzeichnet.
Insbesondere auf der Schweizer Seite kommen auch ganz normale gelbe Bojen zum Einsatz, wie man sie auch in einem Bojenfeld findet. Deren Bedeutung erschließt sich einem erst durch ergänzende rot / weiss /
rote Tafeln am Ufer.
Auch Ankerverbote, beispielsweise in der Nähe von Fischreisern, können mit Bojen und darauf befestigten Hinweistafeln gekennzeichnet sein.
Weiterhin gibt es eine Reihe von Verbots- und Gebotszeichen, die alle eine
bestimmte Bedeutung haben, die sich mit etwas Phantasie teilweise schon durch ihre Piktogramme erklären. Nachts können diese Zeichen angeleuchtet werden. Dies ist aber nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.
Ansonsten orientiert sich der Skipper nachts an den Leuchtfeuern, die ebenfalls in der Navigationskarte mit ihrer jeweiligen Kennung aufgeführt sind. Weitere Informationen findet man im Leuchtfeuerverzeichnis, das der Karte beiliegt. Die Befeuerung der Hafeneinfahrten ist so ausgeführt, dass bei der Einfahrt das grüne Feuer an Steuerbord und das rote Feuer an Backbord steht. An Anlegestellen wie Stegen oder freistehenden Molen sind die Feuer horizontal übereinander angeordnet und können durch andersfarbige Feuer ergänzt werden. Meistens handelt es sich um Festfeuer. Die jeweiligen Kennungen erhält man ebenfalls aus der Navigationskarte.
Um die Tiefenangaben am Bodensee gibt es immer wieder Unklarheiten. Die Standorte der Seezeichen sowie die Tiefen der Hafenpläne im „Leg an“ beziehen sich auf einen Konstanzer Referenzpegel von 2,50 m. Somit können diese Daten als Mindesttiefen betrachtet werden, die vielleicht alle paar Jahre mal im Winter erreicht werden. Um die tatsächliche Wassertiefe zu erhalten, muss die Differenz zwischen dem Kartenpegel und dem aktuellen Pegelstand dazugerechnet werden.
Die Navigationskarte folgt nicht dem Konstanzer Pegel, sondern einer Höhenlinie von 395,45 Meter über dem Meer. Dies wurde von der Internationalen Gewässerschutzkommission Bodensee (IGKB) so festgelegt. Dieses Maß ist auch die „Nulllinie“ der Vermessungsbehörden. Auf den Konstanzer Pegel umgerechnet, entspräche das einem Pegelstand von 3,56 Meter. Das muss man sich aber nicht merken, denn die exakte Kartentiefe spielt in der Praxis eine eher untergeordnete Rolle. Es sind außerhalb von Häfen und Anlegestellen ohnehin keine Daten für Tiefen unterhalb der Fünf-Meter-Linie verfügbar. Exakte und aktuelle Hafentiefen stehen im „Leg an“.
Wassertiefen im Uferbereich durchgängig zu erfassen, wäre auch gar nicht sinnvoll. Die Verhältnisse können sich an manchen Plätzen sehr schnell verändern und deshalb nie aktuell sein.
Wer oberhalb der Halde einen sicheren Ankerplatz sucht oder die nötige Geschirrlänge ausrechnen will, muss sich daher auch im digitalen Zeitalter auf seine Augen oder sein Echolot verlassen. Er kann sich auch ein Handlot basteln – eine Winschkurbel als Lotblei hat man immer zur Hand. Wer die ersten zehn Meter seines Ankergeschirrs im Meterabstand deutlich sichtbar markiert hat, erhält immer ausreichend genaue Informationen aus „erster Hand“ über die Wassertiefe und kann die richtige Länge des Ankergeschirrs ausbringen.

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