Praxisferne Grenzwerte einer EU-Verordnung führen am Bodensee zu bizarren Resultaten

Konstanz, 26.06.2012 von IBN

Gibt es demnächst für ein und dasselbe Wasser im Bodensee zwei fundamental verschiedene Qualitätsbeurteilungen? In Deutschlang und Österreich als EULänder bedenklich, weil neu eingeführte Grenzwerte überschritten werden? Und in der Schweiz alles bestens, weil das Nicht-EU-Land, dessen Trinkwasserqualität im gesamten Land zur absoluten Spitze in Europa gehört, sich unsinnigen Verordnungen aus Brüssel nicht anschließen wird?

Die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) befürchtet
eine solche Entwicklung und spart nicht mit Kritik an praxisfernen Vorgaben aus
Brüssel, wobei sie ihre eigene Position als Wasserschützer und Vertreter einer
Philosophie des vorbeugenden Gewässerschutzes nicht in Frage stellen lässt.

Das Wasser im Bodensee ist in den letzten Jahren immer besser geworden.
Insbesondere die Konzentrationen von Phosphat, Pflanzenschutzmitteln (PSM)-
Rückständen und PSM Metaboliten sowie von synthetischen Komplexbildnern
wie EDTA und DTPA sind deutlich zurückgegangen. Damit haben sich auch die
Voraussetzungen für zahlreiche Wasserwerke rund um das Dreiländer-
Binnengewässer verbessert, ihren Kunden Trinkwasser von allerhöchster
Qualität zu liefern.

Gleichwohl könnte schon bald eine Situation eintreten, die
bei Millionen von Menschen, die Trinkwasser aus dem Bodensee beziehen (und
das sind nicht allein die direkten Anrainer-Regionen, sondern in Baden-
Württemberg auch Städte und Gemeinden bis in den Norden von Stuttgart)
hinsichtlich der Trinkwasser-Qualität Verunsicherung aufkommen lässt. Die EU-Bürokratie
hat nämlich jüngst Stoffe mit Grenzwerten im Bereich bis zu
0,000 000 000 000 2 Gramm (im Fachjargon Picogramm) in eine Verordnung
aufgenommen, die dazu führen könnte, dass der Bodensee auf den ersten
oberflächlichen Blick zum Problemgewässer ausgerufen wird.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR), der 70
Wasserwerke aus fünf Ländern angehören und die jetzt in Arbon (Schweiz) ihre
Mitgliederversammlung abhielt, beklagt diese Vorgehensweise der Brüsseler
Behörden als „bürokratischen Unsinn“, der nichts zum Gewässerschutz
beitrage, womöglich aber viel zur Verunsicherung der Konsumenten.

Die AWBR, die seit ihrer Gründung für vorsorgenden Gewässerschutz kämpft
und für naturnahe Methoden der Trinkwassererzeugung eintritt, befürwortet
grundsätzlich scharfe Vorsorgegrenzwerte, die dem Ziel der
Gewässerreinhaltung dienen. Sie lehnt aber gleichzeitig praxisfremde, aus ihrer
Sicht willkürlich zustande gekommene Grenzwerte ab, die ganze Gewässersysteme
pauschal abqualifizieren. AWBR-Präsident Johann-Martin Rogg in
Arbon: „Die EU-Bürokraten sollten sich ein Beispiel an der Schweiz nehmen,
wie pragmatische Vorsorgepolitik im Gewässerschutz gehen kann und zu guten
Ergebnissen führt“.