Tipps zum tanken

01.01.2010 von IBN

Brand eines Bootes, Explosion nach Tanken – Meldungen, die während der Saison regelmäßig auftauchen. Die Ursache liegt dabei meist in dem zu sorglosen Umgang mit dem Treibstoff. Betroffen sind vor allem Sportboote mit Benzinmotoren, da verdampftes Benzin zusammen mit Luft ein hochexplosives Gemisch bildet.

So entwickelt ein halber Liter verdampftes Benzin in richtigem Verhältnis mit Luft gemischt die Sprengwirkung von 2,5 Kilogramm Dynamit. Aber auch die Besitzer von Dieselmotoren können sich nicht einfach in Sicherheit wiegen. Zwar sind Diesel und seine Dämpfe schwerer entflammbar, aber auch hier können unglückliche Umstände zum Brand oder gar zur Explosion führen. Ein Nachteil dabei ist, daß Dieselbrände schwerer zu löschen sind, da die Brenndauer von Diesel länger ist als die von Benzin.

Ursachen für einen Bootsbrand oder eine Explosion können aber auch undichte sowie leckende Kraftstoffleitungen sein. Dabei kommt es auch auf die fachmännische Verlegung der Leitung an. In einem Fall tropfte von einem durch Elektrolyse undicht gewordenen Kupfer- rohr Diesel auf einen weder wasser- noch luftgekühlten Turbolader herab. Dabei entwickelte sich ein Diesel-Luftgemisch, welches durch einen elektrischen Funken explodierte. Die Motoryacht brannte bis zur Wasserlinie ab. Wichtig ist deshalb regelmäßiges Kontrollieren der Treibstoffleitungen sowie des Motorraumes. Zeigt sich nach dem Tanken Benzin auf dem Boden oder in der Bilge, ist Vorsicht geboten und als erstes die Ursache festzustellen. Denn Benzin brennt zwar langsam mit einer Fackelflamme ab und ist schnell zu löschen, jedoch bilden die Dämpfe eine hochexplosive Mischung.

Diese Gefahr hat sich noch verstärkt, seitdem bleifreies Benzin auf dem Markt ist, da es ein höheres Zündpotential hat, das heißt schneller verdampft und auch eher explodiert. Da Benzindämpfe schwerer sind als Luft, sinken sie hinab in die Bilge, sammeln sich dort und vermischen sich mit Luft. Ist eine explosive Mischung erreicht, genügt ein kleiner Funke, und das Boot fliegt in die Luft. Daher kommt es auch, daß Boote erst ein paar Minuten nach dem Tanken, wenn Fahrtwind Frischluft zuführt, explodieren. Schon konstruktionsbedingt lassen sich einige Risiken minimieren. Zum einen sollten Einfüllstutzen und Überlauf außerhalb des Cockpits, überhaupt des Bootsraumes, liegen, denn auch beim sorgfältigsten Tanken entweichen Benzindämpfe. Nicht umsonst sind moderne Autotankstellen mit einer Luftabsaugung versehen. Apropos Auto und Boot: Auch wenn der Tankvorgang ähnlich aussieht, so erfordert doch das Betanken eines Bootes mehr Gefühl oder Erfahrung, soll nicht der meiste Treibstoff per Überlauf in den See gelangen.

Sinnvoll ist es während des Tankvorganges, den Überlauf (Entlüfter) mittels Lappen auf austretenden Treibstoff zu kontrollieren. Praktisch ist es deshalb, wenn Einfüllstutzen und Überlauf in räumlicher Nähe liegen. Oft wird das Tanken erschwert durch einen nicht funktionierenden Überlauf. Meist liegt es daran, daß der Schlauch zum Überlauf zu lang ist und deshalb eine Einbuchtung aufweist, in der sich der Treibstoff sammelt und somit der nötige Luftaustausch mit dem Tank nicht mehr gegeben ist. Sorgfältig sollte auch darauf geachtet werden, daß kein Treibstoff in das Gewässer gelangt. Hilfreich ist es deshalb, über die Kapazität der eigenen Tankanlage und die aktuelle Füllmenge Bescheid zu wissen. Wer versucht, 300 Liter Treibstoff in einen 100-Liter-Tank zu füllen, zahlt nicht nur hohe Treibstoffkosten, sondern auch noch eine erhebliche Strafe wegen Gewässerverschmutzung. „Einmal volltanken, bitte!“, ist bei Booten nicht immer die beste Lösung.

Tipps vom Ersten Polizeihauptkommissar Wolfgang Holzinger:
Grundsätzlich ist sicheres Tanken nur an den entsprechenden Bootstankstellen möglich. Nur an diesen ist bei gegebener Sorgfalt die Sicherheit für Boot und Gewässer gewährleistet. Auf mobile Selbstbetankung durch Kanister und ähnliches sollte verzichtet werden. Denn dieses geht meist nicht ohne ein Kleckern oder Verschütten ab. Abgesehen von der möglichen Gewässerverschmutzung entsteht vor allem bei schnell verdampfendem Benzin eine hochexplosive Gasmischung. Vor dem Tanken sollte auch überlegt werden, welche Menge kann der Tank überhaupt fassen? Durch unkontrolliertes Einfüllen von Treibstoff sind sonst schnell Boot und Gewässer verunreinigt. Auch einer vorhandenen Überfüllsicherung ist oft nicht zu trauen.

Die meisten Bootsbrände in den letzten Jahren am Bodensee sind durch übervolles Tanken bei sommerlichen Temperaturen entstanden. In der Hitze fängt das Benzin an zu vergasen und dann genügt ein kleiner Funke oder eine glimmende Zigarette, um das Ganze zum Explodieren zu bringen. Gewarnt werden muß auch vor der Mitnahme von Reservekanistern an Bord. Sie können sich als wahre Bomben erweisen. Welcher Kanister, egal ob Kunststoff oder Metall, ist bei einer Temperatur von 50 Grad Celsius vollkommen dicht? Auch hier wird durch Gasaustritt ein hochexplosives Luftgasgemisch erzeugt, das jederzeit zu einer schweren Explosion führen kann.

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