Blind auf beiden Augen

Editorial IBN 2010/09

15.09.2010 von IBN

Die Zeiten sind härter geworden für die Weiße Flotte, seit die IBN über die hohe Schädlichkeit ihrer Schifffswellen berichtet hat, die eine Forschungsarbeit feststellte. Vorbei ist es nämlich damit, sich elegant hinter der Sportschifffahrt zu verschanzen und ihr den Schwarzen Peter für Schäden durch Wellenschlag und die Ufererrosion zuzuschieben, auch wenn das die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein URh jüngst im Zusammenhang mit ihren Geschwindigkeitsüberschreitungen erneut versuchte.

Denn die Ausflugsdampfer stehen heute unter genauer Beobachtung. Und so passierte das, was eigentlich schon lange fällig war, dass jemand einmal nachkontrollierte, wie schnell die Schiffe der URh auf dem Seerhein tatsächlich unterwegs sind. Wer am Takelmast des BSVb unterhalb der neuen Rheinbrücke schon den Mast gestellt oder gelegt hat, wusste, was da abgeht. Die Kapitäne sind nicht zwei oder drei Kilometer zu schnell, was ja auch im Rahmen einer Logge wäre, die nie so genau messen kann. Nein, sie befahren die Rheinstrecke zum Teil fast doppelt so schnell, als in diesem Seeabschnitt erlaubt ist. Und das wohlwissentlich und von der Geschäftsleitung gedeckt, weil man einen viel zu engen Fahrplan hat. Scheinheilig wird das jetzt eingestanden und das Fehlverhalten der URh nachträglich vom Bundesamt für Verkehr in Bern per Ausnahmebewilligung bis Saisonende sanktioniert. Man fahre doch vor allem nur im ohnehin von Ufermauern befestigten Teilstück des Seerheins bei Konstanz zu schnell, versucht man sich davonzuschleichen.Doch genau dort liegen rund zwei- bis dreihundert kleine Angel-, Fischer- und Sportboote vor den Ufermauern, die sich immer wieder über Schäden durch den Wellenschlag beklagen. Selbst versenkt wurde dort schon das eine oder andere Boot. Wer Verusacher ist, ist in vielen Fällen klar. Sind diese Schäden ebenfalls sanktioniert oder sollten sie Betroffene nicht umgehend bei der URh (oder in Bern?) geltend machen? Ganz nebenbei zaubert die Geschäftsleitung der URh, die sich in jeder Beziehung ahnungslos darstellt, bis zu 500 Sportboote aus dem Hut, die am Wochenende ebenfalls auf dem Rhein unterwegs seien. Auch die würden schließlich Schäden an den Ufern verursachen wird wie immer versucht, den Schwarzen Peter weiterzuschieben. Doch: 1. sind die bis auf einige Blind auf beiden Augen schwarze Schafe nicht grundsätzlich zu schnell unterwegs wie die URh-Schiffe und 2. kann das doch wohl nicht ernst gemeint sein, den Wellenschlag und Sog einer Gondel mit vielleicht 300 kg – denn darum handelt es sich auf dem Seerhein meist – mit der Wellenenergie eines 190 Tonnen schweren Fahrgastschiffes mit 450 PS vergleichen zu wollen, das noch dazu viel zu schnell und 3. vor allem von früh bis spät in der Saison unterwegs ist, wenn der Wasserstand niedrig und die Wellenwirkung noch radikaler ist.

Besonders pikant an der Sache ist, dass schon 1984 zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen mit den Schiffen der URh eine Messkampagne durchgeführt wurde, um Maßnahmen zu treffen, die wellenbedingte Schäden an den Naturufern einzudämmen. Ein wesentliches Messergebnis war damals das stark progressive Ansteigen der Wellenhöhe in Abhängigkeit der Fahrgeschwindigkeit. Entsprechende Diagramme für die MS Arenenberg, Thurgau und Stein a. Rh. von damals weisen nach, dass die Wellenhöhe bei Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit um fünf km/h um das rund vierfache auf bis zu 50 Zentimeter steigt. Hinzu kommen die viel stärkeren Wirkungen durch Schwall und Sunk der Schiffe bei hoher Fahrt. Konsequenz war: Zur Vermeidung von Uferschäden ist es für die Schiffe unabdingbar, dass die zulässige Fahrgeschwindigkeit nicht überschritten wird. Da haben wohl viele über die Jahre die Augen zugemacht.

Interboot 2010

Rigg-, Segeltrimm, sicherer und schneller Segeln, das sind ebenso die Themen auf dem IBN-Redaktionsstand auf der Interboot wie die Wettfahrtregeln. Mit Oliver Ochse und Willii Gohl haben wir zwei kompetente Experten an Bord, die die Themen in Halle A3 an gewohnter Stelle für Sie präsentieren. Am ersten
Wochenende können Sie sich zudem von unseren Experten Thomas Haller und Angela Fuchs Informationen zu unserem Navigationspaket Bodensee-Digital abholen oder das Programm installieren
lassen, wenn Sie Ihren Laptop mitbringen. Ein Highlight wird zudem der Segelsimulator sein, den die IBN erstmals auf der Interboot präsentiert. Segler erhalten die Gelegenheit, ihr Können auf dem Simulator zu testen.