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Auf der Interboot das schwimmende Traumbüro finden

Mehr Kreativität im Bordoffice

Friedrichshafen, 08.09.2021
IBN

Homeoffice statt Großraumbüro – die pandemiegetriebene Alternative hat Vor- und Nachteile.

Doch wenn die Wahl des Arbeitsplatzes frei ist, warum nicht mit dem Laptop und den notwendigen Accessoires an Bord ziehen? Ob Segelyacht oder Motorboot, eine stabile Internetverbindung dazu, und fertig ist das schwimmende Traumbüro. Auf der Interboot vom 18. bis 26. September in Friedrichshafen können sich interessierte Besucherinnen und Besucher das nach individuellen Bedürfnissen und Geldbeutel bestens geeignete Wasserfahrzeug aussuchen, um bald in einen unbegrenzten „Arbeitsurlaub“ zu starten. 

Behutsam schwimmt die Yacht an der Ankerleine in der geschützten Bucht. Die leichte, ablandige Brise trägt den Duft eines ufernahem Eukalyptushains ins Cockpit und reichert die frische Seeluft an. Am Horizont zieht ein Kreuzfahrtschiff seinen Kurs durch die untergehende Herbstsonne. Kann ein Ambiente inspirierender sein? Für kreative Köpfe nicht nur in der maritimen Branche dürfte es kaum bessere Arbeitsbedingungen geben als im mobilen Homeoffice an Bord.

Maren und Matthias Wagener sind schon 2015 an Bord gezogen, also lange vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Damals war es noch ein Alu-Boot von Waarschip, seit 2018 lebt und arbeitet das Unternehmerpaar auf einem 51-Fuß-Katamaran. Ihre Produktionsdienstleisterfirma Vast Forward mit acht festangestellten Projektmanagerinnen, die Banner, Webseiten, Apps und mehr programmieren, leiten die Wageners von unterwegs. Seit Frühjahr 2020 finden Meetings nur noch digital statt. Auch das Jahresgespräch, Workshops und Neueinstellungen. Dabei spiele es keine Rolle, dass sie gerade von Mallorca nach Südostspanien verlegt haben.

Die Gefahr, keinen Feierabend zu kennen, ist omnipräsent. Aber während viele Menschen nach der optimalen Work-Life-Balance suchen, lautet die Lösung der Wageners Work-Life-Blending. Was in klassischen Büros verpönt, wenn nicht verboten ist, gehört zum Alltag. Es wird Arbeit in den privaten Bereich mitgenommen, aber auch Privates während der Arbeitszeit erledigt. „Das ist nicht immer zu trennen“, so Maren Wagener, „aber durch Rituale wie Joggen, Yoga oder Wandern schaffen wir es, abzuschalten.“ Wenn sich ein Online-Meeting verschiebt, nutzen sie die Zeit anderweitig, gehen auf eine Fahrradtour aber auch ans Telefon. Eine Mitarbeiterin beschreibt das so: „Wir sind immer erreichbar, aber nicht immer verfügbar.“

Die technische Ausrüstung dazu an Bord unterscheidet sich gar nicht wesentlich von handelsüblicher Hardware. Telefone und Rechner, ein Router, je nachdem wie und wo die Internetverbindung herkommt. Denn die ist und bleibt das A und O auch fürs Bordoffice. „Im Mittelmeer ist die Netzabdeckung im Mobilfunk in Küstennähe besser als in vielen Orten in Deutschland“, berichtet Matthias Wagener, „und wenn wir mal länger im Funkloch sind, erfahren unsere Kunden das vorher.“

Durch das komfortable Leben an Bord mit Kühl- und Gefrierschrank sowie Waschmaschine ist der Energiebedarf neben etlichen Kleinverbrauchern und den Arbeitsgeräten stattlich, da auch die Trinkwasseraufbereitung im Batteriebetrieb erfolgt. Gleichwohl wird der Großkat „Vast“ zunehmend nachhaltig versorgt. „Seitdem wir die Solarkapazität auf den Davits auf 800 Watt vergrößert und um zwei bewegliche 100-Watt-Paneele ergänzt haben, die immer unbeschattet nach dem Sonnenstand ausgerichtet werden, sind wir mit drei Lithium-Ionen-Akkus à 180 Ah in den Sommermonaten autark“, erklärt Matthias Wagener. Erst jetzt im Herbst sind die Sonnenstunden zu wenig, da müsse der Dieselgenerator zufüttern.

Mareike Guhr, viele Jahre als Törn-Beraterin auf der Interboot aktiv, lebt nicht nur an Bord ihres 47-Fuß-Katamarans „Moana“, sie „arbeitet Segeln“. Die Kojencharter in den entlegensten Revieren der Weltmeere wollen von unterwegs organisiert sein, dazu noch ihr Hilfsprojekt Island Child Care, dass sich nicht erst aktuell vor allem für Menschen auf Haiti einsetzt. In Covid-Zeiten ein schwieriges Unterfangen angesichts der globalen Reisebeschränkungen. „Ich kaufe mir in jedem Land erstmal eine SIM-Datenkarte, die allerdings meist teurer als in Europa ist“, erklärt die Skipperin, die gerade an der Ostküste der USA weilt. Das vermeidet noch höhere Roamingkosten. Denn das Internet ist auch für Weltenbummler der Dreh- und Angelpunkt. Darüber wird dann per Messenger-Dienste auch telefoniert.

„Für eine stabile Videokonferenz muss ich oft einen Ankerplatz in der Nähe eines Sendemasts suchen“, berichtet Mareike Guhr, „oder eben doch zu Starbucks an Land.“ Auf hoher See nutzt die Hamburgerin ein Iridium-Telefon für Textemails und die Wetterdaten, da das INMARSAT-Equipment für die überwiegende Freizeitschifffahrt zu teuer sei. Permanent erreichbar sei sie unterwegs nicht, das verbiete allein die gute Seemannschaft. Die Schiffssicherheit stehe der Büroarbeit voran.

Deshalb nutze sie auch kein wetterfestes Toughbook, sondern ein normales MacBook, wenn es nicht um die Navigation gehe. Diese erfolgt mit einem 12-Volt-Bordcomputer, der unbedingt virenfrei bleiben müsse, und daher nicht mit dem Internet verbunden werde. Aber wenn der Anker falle, sei das Arbeiten an den schönsten Plätzen der Welt kein Problem. Mareike Guhr erklärt: „Das Schwierigste dabei ist, sich auf das Arbeiten zu konzentrieren.“

Die Interboot 2021 präsentiert von Samstag, 18. bis Sonntag, 26. September 2021 unter Berücksichtigung des Schutz- und Hygienekonzeptes die ganze Welt des Wassersports. Die Messe ist von Montag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr und Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Tickets sind online erhältlich. Die Tageskarte kostet 13 Euro, ermäßigt zehn Euro. Die Familienkarte gibt es für 29 Euro. Kinder zwischen sechs und 14 Jahre bezahlen fünf Euro. 


Auf der Interboot das schwimmende Traumbüro finden Foto:Messe FN