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Die Segel-Gala des German Sailing Teams an Tag fünf der Olympia-Regatta

Enoshima/Japan, 29.07.2021

Tag fünf der Olympia-Regatta haben die Seglerinnen und Segler im German Sailing Team zu ihrem gemacht. In allen Disziplinen mit deutscher Beteiligung konnten die Crews und ihre Trainer am Abend positiv Bilanz ziehen.

Laser-Weltmeister Philipp Buhl (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Alpsee-Immenstadt) hat sich mit einem starken Comeback von Platz 13 auf Platz sieben katapultiert und in der Spitzengruppe der Einhandjollensegler zurückgemeldet. 

Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel (Norddeutscher Regatta Verein) unterstrichen ihren Medaillenanspruch mit den Rängen zwei und drei. Die Bronzemedaillen-Gewinner der Olympia-Regatta von Rio de Janeiro 2016 rückten auf Platz sechs vor. 

Die Mixed-Katamaran-Crew Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club) setzte ihre gelungene Auftaktserie mit zwei dritten Rängen fort. Trotz ihrer Kenterung in der dritten Wettfahrt des Tages, in deren Folge Kohlhoff/Stuhlemmer ihren Nacra 17 binnen einer halben Minute blitzschnell wieder aufrichteten, liegen die Kieler auf Platz drei. 

Auch die 470er-Seglerinnen Luise Wanser und Anastasiya Winkel (Norddeutscher Regatta Verein) drückten das Gaspedal durch und schafften es, den Schock der Doppel-Disqualifikation vom Vorabend aus dem Kopf zu verbannen. Mit den Rängen fünf und vier sprang das Duo aus Hamburg von Platz 19 auf Platz zwölf vor, die Disqualifikation aus den ersten beiden Rennen bleibt jedoch bestehen. 

Auch Laser Radial-Steuerfrau Svenja Weger konnte sich nach ihrer Auftaktgala und einigen Rückschlägen wieder deutlich steigern. Mit den Rängen acht und zwölf segelte sie auf Platz 13 vor. 

Laser Standard: „Es wird ein hartes Stück Arbeit“ 

Wie sich Philipp Buhl nach den Rückschlägen vom Dienstag am Donnerstag nach dem Comeback fühlte? „Kaputt und gut“, sagte der 31-Jährige, „ich habe mich heute nicht geschont. Unsere Rennen sind mit rund 50 Minuten lang und fordernd. So soll es bei Olympia auch sein. Heute waren meine Starts gut, der Speed war gut, der Biss war gut.“ Auch Buhls Trainer Alex Schlonski freute sich, dass sein Schützling wieder in die Erfolgsspur gefunden hat: „Ich hoffe, das gibt Philipp das verdiente Selbstvertrauen für morgen. In den letzten beiden Wettfahrten vor dem Medaillenfinale am 1. August geht es für ihn darum, sich die bestmögliche Ausgangsposition zu verschaffen. Wenn er am Freitag insgesamt wieder unter zehn Punkten bleiben kann, dann ist noch alles drin. Er kann sich seine Medaille verdienen, aber es wird ein hartes Stück Arbeit.“

49er: „Die richtigen Einstellungen gefunden“

Ganz ähnlich sieht es der Trainer der 49er-Crew Erik Heil und Thomas Plößel. Marc Pickel (Kiel) sagte am Abend im Olympiahafen von Enoshima: „Wir fühlen uns besser als gestern um die gleiche Zeit. Gestern haben wir nicht die volle Leistungsfähigkeit abrufen können. Da haben uns die Bedingungen ein bisschen auf dem Hinterfuß erwischt, weil wir hier zuvor in der kurzen Vorbereitungszeit nie in solchen Winden trainieren konnten. Heute stimmten das Set-up des Bootes und entsprechend die Ergebnisse. Es ist uns sehr schnell gelungen, die richtigen Einstellungen zu finden. Es war für uns sehr wichtig, dass wir heute diese Antwort auf dem Kurs geben konnten.“ 

Nacra 17: „Zwei sehr anständige Dritte“

Den Positiv-Trend des Segeltages verstärkten in der Sagami-Bucht Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer mit zwei weiteren Top-Drei-Resultaten. Die Norddeutschen bleiben trotz der Erfolge auf dem Boden. Steuermann Paul Kohlhoff sagte: „Wir haben zwei sehr anständige Dritte eingefahren. Im dritten Rennen ist uns dann ein Fehler unterlaufen, als wir eine Welle unterschätzt haben und gekentert sind.“ Mit schnellem Aufrichten ihres Bootes retteten sie aber noch Rang elf ins Ziel. 

470er-Frauen: „Das war ein Kampf“

Ihre Antworten auf die Doppel-Disqualifikation am Vortag aufgrund eines Vermessungsprotests gaben auch Luise Wanser und Anastasiya Winkel auf dem Wasser. Es gelang der Crew vom German Sailing Team, die Enttäuschung über die harte Bestrafung für die 200 Gramm zu schwere Trapezhose der Vorschoterin beiseite zu packen und die Favoritinnen der Flotte zu attackieren. Mit zwei Top-Fünf-Rängen verbesserte sich das Duo um sagenhafte sieben Plätze. Auf die Frage, ob sie draußen in der Sagami-Bucht mehr Spaß oder mehr Kampf erlebt hat, sagte Luise Wanser lachend: „Das war ein Kampf.“ Vorschoterin Anastasiya Winkel schätzt, dass ihr Puls in den intensiven Phasen bis auf 190 Schläge pro Minute stieg. Als Gesamt-Dreizehnte wollen die 24 Jahre alte Steuerfrau und ihre 27-jährige Vorschoterin weiter angreifen. 

„DSQ“ der 470er-Frauen bleibt in der Wertung 

Der Antrag des German Sailing Teams auf einer Wiedereröffnung des Verfahrens im Fall der 470er-Frauen wurde am Abend von der zuständigen Jury nach eineinhalbstündiger Diskussion abgelehnt. „Alleine die Dauer der Diskussion lässt vermuten, dass der Fall so eindeutig nicht war“, sagte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, „letztlich wurde unser Antrag aber leider abgelehnt und die beiden Disqualifikationen von den Wettfahrten eins und zwei bleiben stehen. Wir haben alles getan, wir haben gekämpft und wurden gehört. Es ist ärgerlich, dass wir nicht mehr erreichen konnten.“ Die Jury verwies in der Begründung für die Ablehnung darauf, dass ihr bei der ursprünglichen Verhandlung keine groben Fehler nachzuweisen seien und keine neuen Fakten präsentiert werden konnten. 

Laser Radial: „Morgen noch einmal voll angreifen“

Auch Svenja Weger konnte am Donnerstag endlich wieder Boden gutmachen. Die Laser-Radial-Steuerfrau vom Potsdamer Yacht-Club rückte auf Platz 13 vor. Ihr fehlen vor den letzten beiden Rennen ihrer Flotte nur drei Plätze, um nach einigen Dämpfern vielleicht doch noch das Medaillenfinale am 1. August zu erreichen. Sie segelt am Freitag bei den Vorentscheidungen in den Laser-Disziplinen ebenso wie ihr Teamkamerad Philipp Buhl auf der launischen Innenbahn Enoshima. „Es war heute ein solider Tag, an dem es mehr um Geschwindigkeit als um viele Dreher und unbeständige Winde ging“, sagte Svenja Weger, „jetzt kann ich morgen noch einmal voll angreifen.“ 

DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner sagte zu den Leistungen: „Tage wie dieser wünscht man sich als German Sailing Team: unsere Seglerinnen und Segler hatten einen überaus erfolgreichen Tag. Wir hoffen und trauen es unseren Crews zu, dass es so auch am Freitag weitergehen kann.“ 

Die nächsten olympischen Termine für das German Sailing Team:

30. Juli: In den Laserflotten fallen die Entscheidungen über den Einzug in die Medaillenrennen, die nach einem weiteren Ruhetag am 1. August für die jeweils zehn besten Frauen und Männer ausgetragen werden. Die Skiff-Akteure setzen ihre Regatta ebenso fort wie die 470er-Felder. Die Mixed-Katamaran-Crews im Nacra 17 haben ihren ersten Ruhetag.

31. Juli: In den RS:X-Surfflotten der Frauen und Männer werden die Medaillen ohne deutsche Beteiligung vergeben. Im German Sailing Team sind die Teams im Nacra 17 sowie im 49er und 49erFX gefordert.

1. August: Im Laser und im Laser Radial werden in den Finals der jeweils besten zehn Starter und Starterinnen die Medaillen vergeben. Gleichzeitig stehen weitere Wettfahrten für die 470er-Frauen und Nacra 17-Teams auf dem Programm. Die Skiff-Flotten pausieren vor ihren Medaillenrennen am 2. August.

Alle Ergebnisse finden Sie hier: https://tokyo2020.sailing.org/results-centre/