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Laichhilfen für Bodensee- und Hochrheinfische

Gottlieben, 10.12.2020
IBN

In der letzten November- und ersten Dezemberwochen konnten die Berufsfischer am Obersee im Rahmen des jährlichen Laichfischfangs rund 2000 Liter Laich vom Blaufelchen und vom Gangfisch gewinnen und in die Brutanstalten bringen, teilt die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) mit. Gleichzeitig meldet die Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau (JFV TG), dass im Seerhein bei Gottlieben in einem Pilotprojekt zur Förderung der Fischfauna künstliche Kiesbänke und sogenannte "Totholzburgen" zur Hilfe bei der Laichablage eingebracht wurden.

Während im Jahr 2018 kein Laichfischfang möglich war, sei der diesjährige Zeitpunkt ungewöhnlich früh. Außerdem konnten gegenüber dem Vorjahr etwa 700 Liter mehr Laich gewonnen werden. Für den Laichfischfang ermittelt eine Arbeitsgruppe der IBKF mittels Probebefischung das Vorkommen und den Status laichreifer Blaufelchen und Gangfische und gibt den Berufsfischern ein Zeitfenster vor, in dem sie diese fangen können. Noch im Boot werden bei den weiblichen Tieren ("Rogner") und bei den männlichen Tieren ("Milchner") Eier und Samen abgestreift und in Eimern befruchtet. Der gewonnene Laich wird in den sechs Brutanstalten am See gehegt und die geschlüpften Jungtiere anschließend weider in den See entlassen. Dadurch soll eine Dezimierung des potentiellen Neubestands durch laichfressende Arten vorgebeugt werden. Die in diesem Jahr über 2100 Liter gewonnenen Laich entsprechen etwa 136 Millionen Eiern, so die IBKF.

Während am Obersee die Blaufelchen und Gangfische von der Laichhilfe profitieren, legt die JFV TG den Fokus auf die Äsche. Die Population der Äsche im Hochrhein gelte als eine der der wertvollsten Europas. Umso dramatischer sei ein zu verzeichnender Verlust, bei dem von bis zu 90 Prozent ausgegangen werden müsse. Grund dafür seien die Hitzesommer 2003 und 2018, so die JFV TG. Da historisch neben dem Hochrhein auch der Seerhein als idealer Lebensraum der Äsche gelte, wurde hier jetzt auf einer Fläche von 1.000 Quadratmetern  eine komplexe Habitatmatrix geschaffen. 300 Quadratmeter künstlich eingebrachte Kiesbänke bieten demnach neben der Äsche auch verschiedenen anderen Fischarten neue Fortpflanzungshabitate. Sogenannte "Totholzburgen" schützen die Tiere und den Laich vor Fressfeinden.

 


Baubetrieb während dem Eintrag der Totholzstrukturen Foto:Hydra GmbH

Unterwasserfotografie einer Totholzburg an einer seichten Stelle Foto:JFV TG