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Neue Preisrunde bei Gastgebühren ist eingeläutet

Radolfzell, 14.04.2011
Michael Häßler

Nachdem die Preiserhöhungen, bis auf wenige Einzelfälle, in den letzten zwei Jahren eher moderat ausgefallen sind, schlagen die Hafenbetreiber jetzt wieder vermehrt auf.

Dabei liegt das Gros der Erhöhungen zwischen zehn und zwanzig Prozent. Im Einzelfall (Boje Hagnau) wurde der Preis sogar verdoppelt.

Mit 40 Franken nach wie vor den höchsten Satz verlangt Bottighofen, auch wenn dieser Betrag erst ab einer eher exotischen Bootslänge von 15 Metern fällig wird. Im vorarlbergischen Rohner-Hafen dagegen ist das Übernachten für eher kleinere Boote mit pauschal 15 Euro sehr teuer. 

Auch Altnau ist in seiner Preisgestaltung bei den üblichen Familienbooten an der Spitze dabei. Die Übernachtung mit einer IOI kostet dort 20 Franken. Nicht viel billiger ist Unteruhldingen, der Hafen Martin oder Kreuzlingen.

Schmale Boote über zehn Meter, wie beispielsweise die Faurby 36, liegen in Staad, den Häfen mit BSB-Preisen, in Altnau, in der Marina Rheinhof und in Bottighofen sehr teuer.

In die Bordkasse eines Tourendreißigers reißen, aufgrund seiner Länge, die Häfen auf BSB-Niveau, der Hafen Staad, Altnau, Marina Rheinhof, Bottighofen, Kreuzlingen und der YC Immenstaad ein großes Loch.

In Immenstaad wird nicht nur die Länge teuer, sondern auch schon eine fast übliche Breite. 20 Euro verlangen die dortigen Sportkameraden für Boote über drei Meter Breite. Muss ein gemeinnütziger Verein tatsächlich mitnehmen, was er kriegen kann? Gibt es nichts wertvolleres als „Bares“?

Auch beim WYC Friedrichshafen ist die 20-Euro-Schwelle gefallen, wenngleich dieser Betrag erst über 3,60 Meter Breite fällig ist. Darüber kann man zähneknirschend reden, weil das eine Bootsbreite ist, die bei privaten Booten eher unüblich ist. 

Nicht nur bei den gängigen Bootsgrößen, sondern auch im Segment der breiten „Mehrfamilienyachten“ gehören die Stadtwerke Konstanz mit ihren BSB-Häfen nach wie vor zu den teuersten Anbietern. Auch die Lindauer behalten die Konstanzer Tarife weiterhin bei, obwohl der Hafen jetzt wieder ihnen gehört und sie die Chance zur Kurs- und Imagekorrektur hätten.

Auch bei anderen Regularien haben deutsche „Brachial-Vermarkter“ Nachahmer gefunden. Die Regelung, dass Gastgebühren, unabhängig von einer Übernachtung um 16.00 Uhr fällig werden, macht weiter Schule, und zwar nicht nur bei Gemeinden mit ihrer permanent ausgestreckten „öffentlichen Hand“, sondern auch bei Vereinen. Wo zieht man die Grenze zwischen „Gast“ und „Kunde“, wo zwischen  „Unternehmen“ und „Sportverein“?

Neue Hafenmeister

Beim Lindauer Segler Club, in Lindau-Zech und bei der Gemeinde Altnau gibt es einen neuen Hafenmeister. Im Konstanzer Sportboothafen-Staad und bei den Kressbronner Seglern wird dieser zwar gesucht, stand bei Redaktionsschluß aber noch nicht fest. 

Die neue Hafenmeistertabelle ist im April-Heft enthalten.

 

Kommentar: Gesellschaftliche Verantwortung?

Die Unteruhldinger haben damit angefangen und „ruderten“ einen Sommer lang etappenweise zurück. Die Langenargener Vermarktungsstrategen dagegen verteidigen ihre Einnahmequelle vehement auch gegenüber vernünftigen Argumenten. Zwei Euro sind dort fällig, um die Fäkalien vorschriftsmäßig zu entsorgen.

Jetzt wollen auch die Reichenauer diesen „Goldesel“ reiten. Dabei geben sie sich von vornherein nicht mit „Peanuts“ zufrieden, sondern verlangen gleich richtiges Geld. Zehn Euro soll der Bootsführer für seine Umweltkorrektheit auf den Gemeindetresen legen.

Dass Fäkalienabsauganlagen am See kostenlos nutzbar sind, hat einen durchaus vernünftigen Grund: Es soll kein Anlaß bestehen, Abwasser in den See zu entsorgen. Deswegen wurde dieser Grundsatz auch in einer Empfehlung der Internationalen Gewässerschutzkommission Bodensee (IGKB) fixiert. Entsorgungsstellen für Fäkalien, Bilgenwasser und Altöl seien in ausreichender Zahl einzurichten, schreiben die Gewässerschützer, und sollen unentgeldlich genutzt werden können. Aber was nützen die schönsten Empfehlungen, wenn sich nicht einmal die Gemeinden daran halten?

Auch am Untersee wird man wohl vergeblich darauf warten, dass ein Gewässerschützer den Inselschultes zurückpfeifft, weil dieser dessen Empfehlungen ignoriert. Finanzielle Argumente stechen im Zeitalter des „Raubtier-Kapitalismus“ halt fast alle anderen Aspekte aus, auch wenn diese noch so vernünftig sind.

Das gilt auch für die Gastgebühren, die wieder drastisch gestiegen sind. Dass von den stets klammen Kommunen hier kaum Augenmaß zu erwarten ist, daran hat man sich gewöhnt. Aber muss ein gemeinnütziger Sportverein ans finanzielle Limit gehen? Muss man Sportfreunden tatsächlich 20 zusätzliche Euro aus der Tasche leiern, wenn diese ihr Geld ins vereinseigene Lokal tragen wollen?

Fast alle Vereine sind überaltert, viele klagen über rückläufige Übernachtungszahlen im Hafen und die Meisten jammern über Nachwuchssorgen. Wundert es, dass nach dem Opti-Alter ein großes Loch in der Mitgliederstruktur klafft? Auch wenn es dafür noch andere Gründe geben mag: Welche jungen Menschen können und wollen es sich leisten, mit Kleinboot und Luftmatratze auf Tour zu gehen, so wie viele der heutigen Segler ihren Sport begonnen haben?

Nicht alle Jugendlichen drängen in den, von den Vereinen teilweise hoch subventionierten Leistungssport. Zaghafte Fahrtensegelversuche, die zumindest im familiären Umfeld des Autors ab und zu stattfinden und auf Unterstützung stoßen, werden durch solche Gebührenpolitik mit Sicherheit im Keim erstickt.

Die neue Hafenmeistertabelle ist in der April-Ausgabe der IBN enthalten