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Elf weitere europäische Nationen gründen Segel-Landesliga

13.06.2015
Kerstin Hahn

Nachdemim Jahr 2013 die Hamburger Marketing Agentur Konzeptwerft- Segelbundesliga den deutschen Segelsport mit einem einheitlichen Ligaformat und gleichen Regeln revolutionierte, bekommt die Sportart auch international immer mehr Aufwind. Auf gleichen Booten, nach demselben Reglement zu segeln und dabei durch die neuen technischen Möglichkeiten des SAP-Systems „fast live“ beobachtet zu werden, machte das Segeln nicht nur für die Segler selbst wieder interessanter sondern auch für die Medien und alle Sportbegeisterten wieder vergleichbarer und daher attraktiver. Begeisterte Beobachter wurden zu Interessenten und schließlich zu Nachahmern. So führte schon im Folgejahr Dänemark eine eigene Landesliga nach gleichem Muster ein.

Während man in Deutschland schon im dritten Jahr um den Titel „Landesmeister“ segelt und im letzten Jahr darauf aufbauend die Champions League als noch höherwertige Segelveranstaltung ins Leben gerufen wurde, zieht das Interesse an diesem Format im internationalen Segelsport immer größere Kreise. Ähnlich wie in Deutschland, war in Dänemark die Nachfrage so groß, das auch die Dänen inzwischen eine zweite Liga ins Leben gerufen haben, wobei sie das deutsche Liga- Modell 1:1 übernommen und das Konzept hinsichtlich des Auf- und Abstiegs der Vereine adäquat organisiert haben. Nur die Zahl der Kurzstart innerhalb einer Regattaserie, die in Deutschland ab dem zweiten Jahr auf 45 angehoben wurde, ist bei den Danish Sejlsportsligaen noch auf 36 festgeschrieben. In Österreich gibt es in diesem Jahr im Juli am Traunsee und im August am Neusiedlersee zwei erste „Ligaartige Veranstaltungen“, doch bisher wurde kein Sponsor gefunden der die österreichische Sailing Federation beim Aufbau einer breiter angelegten regelmäßigen Segel Liga unterstützt. Mit 12 teilnehmenden Clubs startete auch Finnland sein erstes Ligajahr und Schweden begann im Mai, ebenfalls dem deutschen Modell folgend, mit 18 Clubs und drei geplanten Regatten, für diese Saison. Eine zusätzliche Qualifikationsregatta für 2016 ist für die "Allsvenskan" bereits mit ausgeschrieben, was eine Weiterführung der Liga in Schweden garantiert. Als letztes skandinavisches Land startete am Pfingstwochenende Norwegen seine eigene Landesliga. Ihr Landesmeister bekommt seinen Titel dieses Jahr schon nach zwei Regatten, in denen 15 norwegische Clubs gleichzeitig mit um Startplätze für 2016 kämpfen. Die Polen eröffneten mit zehn teilnehmenden Vereinen und gut organisiert in ihr erstes Ligajahr. Die polnische Regattaserie wird von MT Partners (die Organisation der polnischen Match Tour), dem Yacht Club GSC Yachting und dem polnischen Segelverband organisiert. Zwischen Ende Mai und Anfang August sind vier Regatten in einem engen Zeitfenster geplant, die vorerst auf zwei verschiedenen Bootsklassen, der TOM 28 und der Delphia 24 ausgesegelt werden. Rafal Sawicki vom polnischen Seglerverbad hat auch schon das Interesse seines Landes bekundet eine internationale Champions League für alle Segler zu organisieren. Die Russen haben im September 2014 „groß angelegt“ eine Art Probe-Segelevent inklusive Liveübertragung, Hubschrauberüberwachung und GPS – Kontrolling absolviert. Wie die Norweger sind sie ebenfalls gleich mit den J70 Booten eingestiegen und haben für den „Russischen Segelmeister“ dieses Jahr fünf Regatten in Moskau, Sankt Petersburg, Konakovo, Minsk und Sotschi ausgeschrieben. In Rom wurde am 1. April nach einem halben Jahr Vorbereitugszeit feierlich und höchstoffziell die “Lega Italiana Vela” gegründet, die vom Präsident des Olympischen Komitees Roberto Fabbricini, in Italien begeistert unterstützt wird. Von der Royal Netherlands Yachting Union unterstützt segeln erstmalig in drei geplanten Regatten auch die Niederländer mit 15 Vereinen um den Titel „Netherland Master“ und wollen selbstverständlich im Herbst an der Champions League teilnehmen. Vorsichtig – mit zunächst zwei Regattaterminen, die auf den Thunersee und am Bodensee ausgetragen werden steigt die Schweiz ins Ligaformat ein. Von den 31 interessierten Clubs wurden zu Jahresbeginn 18 Teilnehmer ausgelost, doch ab 2016 will die Schweizer Segelnationalliga ebenfalls das deutsche Modell übernehmen. Ein Relegationstermin ist noch in Diskussion, aber das es ab dem nächsten Jahr fünf Regatten und entsprechend der Nachfrage eine zweite Liga geben soll ist angeblich schon beschlossen. Lediglich Großbritannien hat als anerkannte Segelnation offensichtlich den Anschluss an den rasanten Aufwärtstrend in Sachen Segel- Racing und Popularität verpasst. Der Royal Thames Yacht Club, der als einziger Vertreter des Königreiches an der Segel Champions League 2015 in Kopenhagen teilnahm, hat sich als Verein sechs J / 70 Boote geordert und ist als Verein gewillt den Aufbau einer Liga in Großbritannien „von der unteren Ebene aus“ zu starten. Unter Federführung des RTYC sollen zwei Test Veranstaltungen in der Nähe von Weymouth- Portland-Hafen und in Cowes im Süden von England organisiert werden. Ob der Vorreiter einzig interessierter englischer Verein bleibt oder ob sich die traditionell etwas konservativen Engländer wenigstens im Bereich des Segelsports auf den aktuellen Trend einlassen, wird sich zeigen.

Als Gast im letzten Jahr zur European Champions League eingeladen, arbeitet man derzeit in der USA eifrig am Aufbau eines Parallel- Events. Der deutsche Projektleiter Benjamin Klatzka baute für die „Übersee –Segler“ Kontakte auf und förderte den Ideenaustausch. Als Folge davon startet im August für 72 Clubs die "USA Sailing League" mit vier regionalen Qualifikationsregatten in Nord-Chicago, South-New Orleans, Ost Newport und West-San Francisco. Dabei wird auch in Übersee die J 70 als offizielles Regattaboot eingesetzt. Die besten 16 US-Clubs (vier pro Region) sollen danach noch in Annapolis an der Ostküste zur Folge -Premiere der „Sailing Liga National Championships" starten.