RME-Projekt des BSVb - Mitstreiter gesucht

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Der Bodensee-Segler-Verband will in den kommenden zwei bis drei Jahren untersuchen, inwieweit sich RME – Rapsmethylester – als alternativer Treibstoff in den Dieselmotoren der Segel- und Motorboote auf breiter Basis einsetzen lässt. Damit ließe sich auf elegante Weise ein wesentlicher Beitrag der Wassersportler für den Gewässerschutz des Bodensees erreichen. Der BSVb hat sich damit einer umfangreichen Aufgabe gestellt. Das Projekt wird ebenfalls unterstützt vom IBMV und der Bodensee-Stiftung und nicht zuletzt von den Behörden.

Das Projekt wird geleitet von Hans Plaettner-Hochwarth von der Arge Fun, dem Umweltbeauftragten des BSVb Alois Kern, dem Motorenfachmann Peter Haag und IBN-Chefredakteur Hans-Dieter Möhlhenrich. Für die wissenschaftliche und fundierte motortechnische Begleitung konnte Prof. Dr.-Ing. Klaus Schreiner von der Fachhochschule Konstanz gewonnen werden, der dort das Fachgebiet Verbrennungsmotoren leitet.

Durch die Zusammenarbeit mit der FH Konstanz ist ein kompetenter Partner mit an Bord, der einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg dieses Projekts leisten kann. So ist z. B. angedacht, dass Studenten im Rahmen von Studienarbeiten Teilaspekte des Projekts untersuchen und wissenschaftlich bearbeiten. Darüber hinaus lassen sich durch die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Türen öffnen, die einem Verband verschlossen blieben und vielfältige Kontakte zu wichtigen Stellen knüpfen.

Durch die wissenschaftliche Unterstützung der FH Konstanz soll zudem von vornherein erreicht werden, dass alle Aspekte miteinbezogen werden, die beim Einsatz von RME beachtet werden müssen. Als weiter gestecktes Ziel hat das Projekt auch alternative Treibstoffe wie Flüssiggas im Blick, das für kleine Viertakt-Außenborder eingesetzt werden könnte. Miteinbezogen in die Untersuchung werden moderne schwefelfreie Dieselkraftstoffe und naturbelassene Pflanzenöle.

Als weitere Partner konnten die UFOP (Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen), Saarberg Bio-Energie und die Vertriebsgesellschaft der Yanmar-Motoren in Deutschland, Marx Marine, gewonnen werden. Die UFOP wird das Projekt dadurch unterstützen, dass sie die immer wieder notwendigen Motorölanalysen übernimmt. Saarberg Bio-Energie wird Treibstoff liefern und Marx Marine hat eine weitreichende Betreuung und Gewährleistung für drei Yanmar-Motoren während der Versuchsphase zugesagt.

Mit anderen Motorherstellern sind die Projektleiter und die FH Konstanz derzeit in Verhandlung, um mit ihnen ein ähnlich kulantes Agreement zu treffen. Ebenfalls wird eine Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Liphardt angestrebt, das umfangreiche Erfahrungen bei der eventuell notwendigen Umrüstung von bestimmten Dieselmotoren für den RME-Einsatz hat sowie mit den Motorenwerkstätten vor Ort.

Wie soll das Projekt ablaufen?
Neben dieser organisatorischen Vorarbeit sind in den letzten zwölf Monaten auch umfangreiche inhaltliche Vor-bereitungen für das Projekt angelaufen. In einem ersten Schritt wurden Erfahrungen – eigene und von anderen Nutzern – zusammengetragen und ausgewertet sowie Informationen und Untersuchungen über den alternativen Treibstoff RME gesammelt. So wurde z. B. auf der Müritz der Einsatz und die Vorteile von RME auf Fischerbooten mit ähnlichen Betriebsbedingungen wie auf Segelbooten weitreichend untersucht. Die Kreiswerke Heinsberg führten einen umfangreichen und erfolgreichen Versuch mit RME bei Linienbussen durch. Eigene Erfahrungen mit RME als Treibstoff kann Hans Plaettner-Hochwarth beisteuern, der seit rund vier Jahren auf seiner Dehlya 25 und seit drei Jahren in seinem Diesel-PKW ausschließlich RME einsetzt.

Verschiedene Untersuchungen zur Ökobilanz von RME wurden ebenso ausgewertet wie Erfahrungsberichte aus anderen Einsatzbereichen wie Landwirtschaft oder Bauwirtschaft.

Untersuchungen mit PKW-Motoren zeigen, dass beim RME-Betrieb sowohl ein geringerer Ausstoß an Kohlenwasserstoff als auch an Kohlenmonoxid festgestellt wurde. Ebenso wurde die Partikelemission als deutlich verringert gemessen, Schwefelverbindungen sogar um fast 100 Prozent. Diese Erkenntnisse sind insgesamt eine wichtige Grundlage für das Projekt. Sie sind auch deshalb wichtig, als davon eine Genehmigung der Behörden von Stufe II-Motoren mit RME abhing. Da RME in den Abgaswerten besser ist als Diesel, gibt es also hier kein Problem und schließlich will man diesen Vorteil ja auch nutzen.

Grundlage für eine Bestandsaufnahme
Alle bisher gesammelten Informationen zu RME wurden an die FH Konstanz weitergereicht und sollen zusammen mit weiterem Material in den nächsten Monaten im Rahmen einer Studienarbeit systematisiert und zu einem Grundlagenpapier ausgearbeitet werden. In einem zweiten Schritt wurde zusammen mit dem Motorenfachmann Prof. Dr.- Ing. Klaus Schreiner die weitere Vorgehensweise festgelegt.

So wurden alle wichtigen Bootsmotorenhersteller angeschrieben, ob eine Freigabe für den Betrieb ihrer Motoren vorliegt oder welche Umrüstmaßnahmen durchgeführt werden müssen. In einem separaten Papier wurde zusammengefasst, was bei der Umstellung auf RME zu beachten ist.

Aus all diesen Informationen wird eine kurze „Bedienungsanleitung“ erstellt, die Segler und Motorbootfahrer erhalten sollen, die sich an dem Projekt freiwillig beteiligen wollen. Denn das ist jetzt der dritte Schritt und soll der eigentliche Startschuss für einen breiter angelegten Versuch mit RME in den kommenden beiden Jahren sein.

Mitstreiter bitte melden!
Nachdem bisher über zwei Jahre drei Boote auf dem Bodensee erfolgreich mit RME betrieben wurden, soll der Versuch jetzt auf eine breitere Basis gestellt werden. Dazu werden einige Mitstreiter gesucht, die sich mit ihrem Boot an dem Projekt beteiligen möchten. Spontan gemeldet haben sich Dieter Haertl und Hans-Luzius Studer, der BSVb-Präsident, der seinen Motor allerdings erst noch für RME umrüsten lassen muss.

Ohne Probleme geht der Betrieb bei folgenden Motoren: Farymann, Yanmar, Steyr, Nanni, Beta-Marine, Lombardini oder BMW (D 7 Hatz-Motor). Jetzt werden noch weitere Wassersportler gesucht, die etwas für den Umweltschutz tun wollen und einen der aufgeführten, eventuell freigegebenen Motoren auf ihrem Boot eingebaut haben. Sie werden gebeten, sich bei den Projektleitern zu melden. Es ist sicher eine Chance, sich an diesem interessanten Projekt zu beteiligen.

Das Projektteam wird die Beteiligten in allen Fragen unterstützen und sich auch um die Freigabe für den jeweiligen Motor kümmern oder bei der Umrüstung beraten (ca. 150 Mark). Und was müssen Sie mitbringen: Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, ein bis zwei Jahre ihr Boot mit RME zu betreiben und darüber auch ein klein wenig Buch über ihre Fahrten zu führen. Die Motoren werden regelmäßig von Fachleuten unter die Lupe genommen, so dass kein Risiko besteht. Herkömmlicher Diesel kann jederzeit verwendet werden.

Der BSVb und alle anderen Beteiligten möchten mit diesem Projekt den Diesel in keiner Weise ächten, aber eine umweltfreundliche Alternative für den Bodensee aufzeigen, der neben seiner Funktion als schiffbares Gewässer auch Trinkwasserspeicher ist. Man sollte sich auch darüber im Klaren sein: Wenn die Wassersportler die Initiative nicht ergreifen, werden es andere mit Sicherheit tun! Da die Vorbereitungen jetzt schnellstens vorangetrieben werden müssen, um im nächsten Jahr starten zu können, bittet das Projektteam, Segler oder Motorbootfahrer sich bis 31. Januar 2000 bei der BSVb-Geschäftsstelle, Dieter Haertl, Telefon (00 43) 55 74 / 8 94 49 10, Fax (00 43) 55 74 89 44 94 zu melden.