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Manche tun’s nicht, weil sie durch Mastbiegung und andere Maßnahmen das Profil abflachen und genügend Druck ablassen können. Andere reffen in drei Sekunden vom Cockpit aus. Wieder andere haben’s noch nie getan, weil’s so mühsam ist.
Diese fragen auf der Interboot einen „Fachmann“ um Rat und kommen mit einem dicken neuen Großbaum samt Spezialsegel nach Hause. Ein tüchtiger Verkäufer liefert gleich noch einen neuen Mast dazu. Nachdem jetzt lang-sam die Bodensee-Blauwasserflotte, erkennbar an der am Achterstag festgebundenen Nationalen, fast flächendeckend mit zünftigen Rollsegeln ausgerüstet ist, setzen die einschlägigen Zubehörhersteller erneut zum Sprung auf den Kunden an. Warum einfache und bewährte Systeme verkaufen, wenn mit komplizierter Technik viel mehr Geld zu verdienen ist?
Dass diese Rechnung aufgeht, zeigt der seit Jahren anhaltende Run auf die Refftrommeln. Sicher, das alles ist bequem und komfortabel. Aber geht hier nicht auch etwas von der eigentlichen Philosophie des Segelns verloren? Wenn die ganze Mechanik eines Tages mal klemmt, was schon vorgekommen sein soll, kann die Angelegenheit sogar gefährlich werden.
Bevor diese modernen Zeiten angebrochen waren, wurde auch schon gesegelt. Mehr noch als heute waren die Segler bis in die 70er-Jahre auf zuverlässige Technik angewiesen. Einfach Zündschlüssel rumdrehen war noch nicht überall möglich. Hier soll jetzt nicht behauptet werden, dass früher alles besser war und dass mit dem Verschwinden des Kalfaterwerks jegliche seglerische Kultur den Bach runter- schwamm. Aber Modernes ist nicht automatisch gut, nur weil es modern ist. Schauen wir zum Beispiel in die Regattaszene, dort wo in ein paar Sekunden vom Cockpit aus gerefft wird. Ein Crewmitglied fiert das Großfall bis zu einer aufgezeichneten Markierung und belegt es dort wieder. Der zweite Schoter nimmt die Reffleine dicht. Das Ergebnis ist ein einwandfrei stehendes Großsegel mit einem optimalen Profil.
Jawohl, so einfach geht’s! Zur Not auch einhand! Alles was komplizierter ist, sollte skeptisch betrachtet werden. Die von den Ausrüstern immer mehr forcierte Polarisierung in Fahrten- und Regattaboote dient keinem Segler, am allerwenigsten dem ahnungslosen Einsteiger. Möglichst einfach, zuverlässig und sicher zu segeln ist doch wohl das Ziel aller, die sich aufs Wasser begeben. Und etwas einfacheres und zuverlässigeres als ein modernes Bändselreff hat bis heute noch niemand erfunden. Bei den Regattaseglern flogen alle anderen Systeme schon vor 30 Jahren über Bord. Damals gab es noch Patent- oder Schneckenreffs. Heute trägt das Kind einen wohlklingenden englischen Phantasienamen, ist neu durchgestylt und taucht im Handel wieder auf.
Technisch hat sich in dieser Zeit allerdings nicht so viel getan. Für den Vortrieb eines Bootes ist nach wie vor das Segel zuständig, nicht das Getriebe in Großbaum oder Mast. Auch dann nicht, wenn dieses kevlarverstärkt, teflonbeschichtet oder anderweitig im Hightech-Jargon verkaufsgefördert wird. Die Segelprofile, die uns der Rollreffverkäufer anbietet, taugen nämlich immer noch nicht wesentlich mehr, als zu den Zeiten der bronzenen Schneckengetriebe, der ersten Dacron-Segel und der glänzenden Messingkurbeln am Lümmelbeschlag. Nicht ohne Grund war es damals üblich, Schlafsäcke, Wolldecken oder andere Gegenstände mit ins Segel einzurollen, damit dieses im gerefften Zustand einigermaßen flach stand.
Ein einfaches und billiges System aus Leinen und Blöcken, das Bändselreff, funktionierte schon zu diesen Zeiten wesentlich besser. Das Segel kann im ausgerefften Zustand so bauchig wie möglich, und im gerefften Zustand so flach wie nötig getrimmt werden. Scherereien mit einer komplizierten Mechanik, die zwar in der Messehalle ausgezeichnet funktioniert, bei acht Beaufort und schlagendem Segel aber plötzlich nicht mehr zu handhaben ist, waren bei diesem System von jeher unbekannt. Ein intelligent gemachtes Schnellreff funktioniert unter allen Bedingungen. Es gibt verschiedene Systeme am Markt, die als Umrüstset erhältlich sind und vom Eigner auf seinem Boot montiert werden können. Keines funktioniert jedoch direkt so wie es aus der Schachtel kommt wirklich hundertprozentig. Die Bedingungen auf einem Boot sind einfach etwas anders als am Reißbrett des Konstrukteurs.
Dieser kann die individuellen Voraussetzungen auch gar nicht kennen. Also komplett selber basteln? Wenn der Skipper keine zwei linken Hände hat, sollte dies keine Probleme bereiten. Hauptsächliche Fehlerquellen bei einem Schnellreffsystem, auf die ein Ausrüster, vor allem wenn dieser nur Verkäufer ist, keinen Einfluss hat, sind elastische Reffleinen, zu viel Reibung
in den Blöcken sowie eine nicht exakt funktionierende Nuteinführung. Bei einigen Systemen sitzt auch der Segelhals im gerefften Zustand viel zu weit achtern, was
katastrophale Auswirkungen auf den Stand des Segels
hat. |
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Eine Reffleine steht auf einer großen Länge unter Spannung. Schon geringer Reck macht sich dann unangenehm bemerkbar. Das Segel wird in jeder Böe ein bisschen bauchiger und muss
oft nachgetrimmt werden. Die Umlenkungen müssen so reibungsfrei wie möglich funktionieren. Hochwertig gelagerte Blöcke sind selbstverständlich. Ein Problem stellt oft die Rollenscheibe in der Großbaumnock dar. Oft muss diese ausgewechselt werden, weil bei den Serienriggs an einer vernünftigen Lagerung gespart wurde. Eine Nylon- oder eine Aluminiumscheibe, die unter Last auf einer Edelstahlachse laufen soll, wird bald ihren Geist aufgeben. Kugellager liefern zwar minimale Reibungswerte, sind jedoch ziemlich anfällig für Überlastung und müssen entsprechend groß dimensioniert werden, wozu oft der Platz nicht ausreicht. Ein gutes Gleitlager läuft auch bei großen Lasten reibungsarm, und ist deshalb für den Nockbeschlag genau so gut geeignet wie für die Fallen.
Werden diese Umstände beachtet, dürfte einem schnellen Reffen nichts mehr im Wege stehen. Anders sieht es mit dem Ausreffen aus. Der Knackpunkt hierbei ist, dass die Einführung des Segels in die Mastnut bei vielen Riggs nicht so reibungslos funktioniert und sich das Liektau verklemmt. Das Segel muss zu setzen sein, ohne dass jemand das Liektau in die Nut einfädelt. Hier bietet der Handel verschiedene Einfädler an. Oft funktionieren die einfachsten Systeme am besten. Ein Boot mit Mastrutschern ist von diesem Problem von vornherein befreit. Zur Leinenführung bieten sich mehrere Möglichkeiten an, die alle ihre spezifischen Vor- und Nachteile haben. mh |