Beleuchtung: Glühlampen, Röhren, LCD

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Wer als Skipper etwas auf sich hielt, der hatte eine Petroliumlampe an Bord. Er ärgerte sich zwar über den rußenden Dochten und bekam spätestens nach einer Stunde in seiner geliebten Bordlektüre tränende Augen, weil das Licht zu dunkel war und statt auf seine Buch überall hin fiel nur nicht dort wo er es brauchte. Dafür war die schummrige Beleuchtung Tradition und zweifellos romantisch.

Doch spätestens im Herbst, wenn der Skipper mit viel Mühe und reichlich Seife die Kajütdecke von dunklem schwarzgrau wieder auf strahlend weiß bringen wollte, war’s mit der Seefahrerromantik vorbei. „Jetzt kommt endlich elektrisch Licht an Bord“, war das Kredo des Skippers an die Bordfrau und die Kinder, die sich bisher für die Lektüre des letzten Asterix-Bandes unter der Beckdecke mit der heimlich entwendeten Bordtaschenlampe aus der Navigationsecke des Skippers beholfen hatten. Der wunderte sich lediglich, dass diese jedes mal, wenn er sie brauchte leer war. Wer heute ein werftneues Boot bestellt, kennt diese Petroleumlampenromantik nicht mehr. Egal von welcher Werft das Boot stammt, die Hersteller rücken heute ihre Produkte mit reichlich Beleuchtung ins rechte Licht. Rote und gelbe Glühbirnen, Leuchtdioden, Halogenstrahler, Leuchtstoffröhren die direktes oder indirektes Licht abgeben, sind an Bord längst kein Luxus mehr.

Ob Petroliumlampenfan oder Besitzer einer modernen Kajütyacht mit mehreren Kabinen, das Licht an Bord muss funktionell sein: Es soll Gefahrenbereiche ausleuchten, man muss dabei arbeiten, spielen oder, ohne sich die Augäpfel zu verrenken, Lesen können. Und ist es als indirekte Beleuchtung auch noch geschickt eingesetzt, kann selbst elektrisches Licht eine Kajüte gemütlich, warm und komfortabel machen. Wie bereits angedeutet ist es ideal, wenn die Kabinenbeleuchtung eine Mixtur verschiedener Leuchtmittel ist, die jeweils auf die Gegebenheiten angepasst ist. So haben sich im Pantrybereich Leuchtstoffröhren als ideal erwiesen, weil sie einen grossen Bereich hell ausleuchten, während am Navigationsplatz oder in der Leseecke des Skippers eine Punktbeleuchtung in Verbindung mit indirektem Licht ideal ist, das einerseits den Rudergänger nicht blendet, hell die Buchseiten ausleuchtet und für eine gemütliche Atmosphäre sorgt.

In der Vorschiffs- oder Achterkabine sind Leselampen ideal, die einen engen Bereich ausleuchten, so dass der eine Lesen kann, während der Partner ungestört schläft. Hinzu kommt eine Grundbeleuchtung für die einzelnen Kabinen, die idealer weise von der Decke herab leuchtet. Ideal ist auch die Ausleuchtung von Gefahrenstellen, wie z. B. beim Niederga oder andersfarbiges, nicht zu helles Licht einsetzt. Die Beleuchtung sollte über ein Panaell und zum Teil auch individuell schaltbar sein, dann ist sie zudem recht flexibel. Was häufig fehlt ist ein Lichtschalter beim Niedergang. Stattdessen muss man sich bei den meisten Booten in der Dunkelheit erst in die Kajüte hineintasten, wo man dann irgendwo im Boot erst ein Licht anschalten kann. Die richtige Beleuchtung richtet sich neben der Grösse des Bootes und der Kabine auch nach der Kopffreiheit. So wird man in einem Boot mit geringer Stehhöhe am besten flache Lampen verwenden und sie auch nicht gerade dort einbauen, wo die Stehhöhe wichtig ist.

Ein ganz wichtiger Punkt ist jedoch, dass die Beleuchtung sparsam sein muss. Wer eine Beleuchtung plant oder seine bestehende erweitert, sollte sich daher genau überlegen, was er wo mit wieviel Watt installiert. So gibt es heute Leuchtmittel, die helleres Licht produzieren als Glühbirnen und dabei auch noch weniger Strom verbrauchen. Und in vielen Fällen kann es sich lohnen, wenn man im Zuge einer Erweiterung oder Erneuerung der Beleuchtung Glühbirnen gegen andere Leuchtmittel austauscht. In manchen Fällen sind die Sockel so angepasst, das das ohne den Kauf einer neuen Lampe geschehen kann.

Als Leuchtmittel können verwendet werden:
1. Herkömmliche 12 Volt-Birnen (ähnlich denen aus der Taschenlampe. Sie werden mit der Fassung in den Sockel gesteckt und haben meist eine Bajonettverriegelung. Oder man verwendet so genannte Sofitten. Auch das sind Glühlampen, lediglich mit einem anderen Anschluss . Sollen sie einigermassen Licht bringen, braucht man eine Glühbirne mit rund 25 Watt oder zwei Sofitten mit je 10 Watt, damit man eine brauchbare Lichtausbeute hat. Und das ist der Nachteil der Glühlampen, denn 20 bis 25 Watt sind an Bord recht viel. Die Glühbirnen werden vor allem im Kabinenbereich eingesetzt. Der Anteil von Lampen, die sie als Leuchtmittel verwenden, ist in den letzten Jahren aber sehr stark zurückgegangen. Als sparsamere Alternative kann man für die Glühbirne Xenon-Glühlampen verwenden, die mit rund 6 Watt bereits eine gute Lichtausbeute bringen.

Ebenso werden seit ein paar Jahren Halogenlampen verwendet:
2. Lampen mit Halogenbirnen haben bei einer wesentlich geringeren Leistungsaufnahme bereits eine gute Lichtausbeute. Eine Halogenbirne mit 5 Watt bringt ein gerechtes Licht, das z. B. für die Kartenarbeit nachts gut ausreicht. 10 Watt brauchen Deckenspots, die die Kajüte ausleuchten sollen. Der Nachteil von Halogenlampen ist die höhere Erhitzung und, in manchen Fällen, der enge Lichtkegel. Geht es um eine breite Ausleuchtung ist die Glühlampe noch immer besser.

Oder man verwendet Leuchtstofflampen
3. Sie werden in unterschiedlichen Formen angeboten, einmal als Röhren und dann als Kompaktleuchtstofflampen („Energiesparlampen“). Die Technik ist etwas aufwendiger, dafür ist die Lichtausbeute im Vergleich zur eingesetzten Energie sehr hoch: Eine Leuchtstoffröhre mit 8 Watt liefert soviel Licht wie eine Glühbirne mit 40 Watt. Mit einer Kompaktstofflampe mit 11 Watt kann man soviel Licht wie mit einer 75 Watt Birne erzeugen. Und das ist an Bord ein Wort. Die Leuchtstofflampen heizen sich zudem kaum auf und leuchten einen breiten Bereich auf. Sinnvollerweise werden sie daher vor allem in der Pantry und anderen Bereichen als Arbeitsflächenbeleuchtung eingesetzt. Denn damit kann man einen grossen Bereich ausleuchten ohne dass das meist etwas ungemütliche Licht stört. Röhren kann man auch gut hinter Blenden (z. B. unter den Schapps) einbauen und so eine helle, indirekte und nicht störende Lichtquelle installieren, die auch noch sparsam ist.

Die Zukunft gehört an Bord aber den LEDs:
4. Der Stromverbrauch dieser „Lampen“ liegt im mA-Bereich. Allerdings ist die Leuchtkraft zur Zeit noch nicht sehr hoch, weshalb im Allgemeinen immer mehrere Dioden zusammengefasst werden.LED-Leuchten eignen sich für Notbeleuchtungen, Nachtbeleuchtung, Cockpitbeleuchtung, Kartenleseleuchten, Niedergangsbeleuchtungen oder Orientierungshilfen, also überall dort wo man zwar Licht, aber nicht unbedingt sehr helles Licht braucht oder wo es gar nicht gewünscht wird. Denn als Leselampen sind sie (noch) nicht geeignet.Die Lebensdauer von LEDs ist im Gegensatz zu Glühbirnen extrem hoch und wird mit rund 20000 - 50000 Stunden angegeben. Das kann also schon fast ein ganzes Bootleben lang mit 30 Jahren und mehr sein. Die Helligkeit der derzeit auf dem Markt erhältlichen LED-Leuchten bewegt sich je nach Art um die drei Candela (cd).

Auf dem Markt sind aber bereits LED's mit 9,5 cd. Hellere LED's, die als Leselampen ausreichen, werden mittelfristig kommen. Doch nicht nur im Innenraum wird die LED-Technik ihren Siegeszug antreten. Bereits sind die ersten Positionsleuchten mit LED-Technik auf dem Markt (z. B. Naviled von Hella Marine, grün und rot, drei Leuchtdioden, Stromverbrauch: Steuerbord Laterne 5 W, Backbord Laterne 3 W, Mindesttragweite 1 oder 2 Seemeilen). Ihre Energieeinsparung ist gewaltig und liegt um die 60 Prozent. Hinzu kommt absolute Wartungsfreiheit durch die Robustheit und Vibrationsbeständigkeit der LED-Leuchten und durch die 100% wasserdichte Ausführung. Mit LED-Beleuchtungen ist man praktisch nie mit defekter Beleuchtung auf See unterwegs, denn sie haben keinen Glühfaden, der bei Erschütterung kaputt geht. . Das Vergessen von Ersatzglühlampen oder deren in der Nässe oft nicht ungefährliche Montage gehören der Vergangenheit an!

Auch im Bereich der Schifffahrtszeichen halten LED's bereits Einzug. Am weitesten fortgeschritten sind Seelaternen in LED-Technik. Die auf Tonnen (Bojen) betriebenen Laternen werden zudem über Solarzellen versorgt, so dass der Traum von der völlig wartungsfreien, sich selbst mit Energie versorgenden Leuchttonne in greifbare Nähe rückt. LED-Laternen werden ebenfalls für Schleusensignale zur Anwendung kommen. Dabei werden wie bisher Techniken aus dem Straßenverkehrswesen wie auch von Bahnanlagen adaptiert. Weitere Anwendungen sind Richtfeuerlaternen, selbstleuchtende Tafelzeichen und jegliche Art von Wechselverkehrszeichen. Klassische Leuchtfeuer bestehen in der Regel aus einer Lichtquelle und einer optischen Linse. In der Leuchtdiodentechnik werden für eine Laterne 50 bis 200 Leuchtdioden verwendet, so dass die alten Optiken nicht mehr verwendet werden können. Bei LED-Scheinwerfersystemen muss zum Beispiel für jede Leuchtdiode eine eigene Linse eingesetzt werden.

Leuchtdioden
Sie sind kaum grösser als ein Stecknadelkopf, die LED's – light emitting diodes. Und jeder kennt sie, denn sie stecken in vielen Geräten unseres täglichen Lebens: in Armaturenbrettern unseres Autos, Stand-by-Lämpchen von Fernseher und Radio, Taschenrechnern, Displays usw. In Zukunft könnten die Mini-Leuchten auch noch zu einer ernsthaften Konkurrenz für Glühlampen, Leuchtstoffröhren und Halogenleuchten werden. Mit welcher Farbe die heutigen LED leuchten, hängt von ihrer Zusammensetzung ab. Die ersten Birnchen (1962) leuchteten rot. Mischen die Hersteller Gallium und Arsen mehr Phosphor bei, dann leuchten sie gelb oder grün. Ein Problem war die Herstellung weissen Lichts, wozu man blaues benötigte. Das gelang erst 1993. Damit kann man eine rote, eine grüne und eine blaue Diode kombinieren und das gewünschte weisse Licht (neben allen anderen Farben erzeugen). Inzwischen gibt es eine am Frauenhofer Institut in Freiburg entwickelte Variante, die das blaue Licht mit einem speziellen Farbstoff in gelbes Licht umwandelt und vom Auge als weisses Licht wahrgenommen wird. Der Vorteil: das ist billiger.

Eine Lösung für das Helligkeitsproblem ist greifbar, wenn die Realisierung auch noch etwas dauern wird: Es existieren Prototypen, die in etwa die Lichtausbeute von herkömmlichen Glühlampen erreichen und bei einem Watt 15 lm abgeben ( lm (= lumen) ist die physikalische Einheit für den Lichtstrom und die Lichtleistung). Glühlampen geben 10 lm/W ab. Die LED-Technik ist in der Anschaffung noch deutlich teurer als Systeme mit Standardlampen. Durch ihre mechanische Robustheit und die extrem langen Brenndauern werden die Unterhaltungsaufwendungen allerdings erheblich reduziert. hdm