Leitartikel IBN 07/2010

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Es kann nur besser werden
Manch anderer hätte wie ich im Frühjahr ebenfalls darauf gewettet, dass 2010 eine Saison mit vielen Problemen in den Häfen wird. Denn das für den Wassersport notwendige Wasser im See blieb lange aus und die Aussichten auf eine Besserung gering waren: Es war kalt zu Beginn des Frühjahrs, so dass die Schneeschmelze spät einsetzte. In den Höhenlagen des Einzugsgebiets des Rheins lag nur ein Teil der sonst üblichen Schneemassen. Hinzu kam ab Mitte April eine lange Trockenperiode ohne einen Tropfen Niederschlag. Fast einen Monat lag der Wasserstand unter drei Meter und verharrte deutlich unter dem langjährigen Mittelwasserstand. Viele Boote konnten erst mit Verspätung eingewassert werden.

Doch der Wasserstand des Bodensee ist immer für eine Überraschung gut und manchmal geht er dann doch ganz rasant nach oben, so wie in diesem Jahr. Ein total verregnetes Wochenende um den ersten Mai und anschließende warme Maitage, die immer wieder mit Regentagen abwechselten, brachten schnell eine Entspannung der Niedrigwassersituation. Anfang Juni dann pendelte sich der Bodensee endlich wieder auf seinem Mittelwasserstand ein.

Und dann erreichte nach ersten schönen Junitagen eine Regenfront nach der anderen und aus Frankreich schließlich ein massives Regentief den Bodensee. Fast zehn Tage regnete es nur von kurzen trockenen Abschnitten unterbrochen am Stück. Wir waren in dieser Zeit auf Tour und haben durchgehalten, was will man machen! Zwei Tage brasselte es 24 Stunden rund um die Uhr auf das Deck, als würde der Hafenmeister einen Feuerwehrschlauch darauf halten. Vom 11. bis 21. Juni stieg der Wasserstand um 52 Zentimeter. Der Pegel ging fast senkrecht nach oben. Unser Boot lag täglich um 5 Zentimeter höher. Von Anfang Mai bis Mitte Juni nahm der Wasserstand im Bodensee um insgesamt rund 150 Zentimeter zu. Mehr als deutlich spiegelt der Pegel des Bodensees das schlechte Frühjahrswetter wider.

So unkommod das Wetter war, ist es für mich immer wieder faszinierend und ein Erlebnis, was das für ein Naturereignis ist, wenn der See im Frühjahr vom Niedrigwasser- auf seinen Sommerhöchstwasserstand (21.06.2010: 4,52) steigt. Die Wassermassen, die der dafür massgebliche Rhein in den See spuckt, sind gewaltig. Man kann das hautnah greifen, wenn man in diesen Tagen an der Rheinmündung vorbei kommt, wo sich sein kaltes Bergwasser in die Tiefen des Sees stürzt.

Und am Rande bemerkt, weil auch diese Diskussion immer wieder auftaucht, wenn es Probleme mit dem Wasserstand gibt: Die Zunahme des Wasserstandes um einen Zentimeter entspricht rund 5,4 Millionen m Wasser. Der oben beschriebene Anstieg von 52 Zentimeter sind also rund 270 Millionen m. Und das ist rund das Doppelte der Wassermenge, die von der Bodensee-Wasserversorgung über das gesamte Jahr hinweg abgepumpt wird. 175 Mio m ist die jährliche Gesamtentnahme aller Wasserwerke. Extrem vereinfacht und ohne weitere Fakten zu beachten, ist das also weniger als ein Millimeter pro Tag. Der Anstieg um 150 Zentimeter dagegen entspricht mehr als 800 Millionen m.

Genauso schnell wie der See gestiegen ist, fällt er jetzt wieder: unter dem Hitzeeinfluss zweier Azorenhochs derzeit um drei bis vier Zentimeter pro Tag. Und der Saisonverlauf ansonsten? Leere Fahrgastschiffe, unbevölkerte Uferpromenaden, freie Plätze auf den Seeterassen der Restaurants und reichlich Liegemöglichkeiten in den Häfen. An einem Sonntagnachmittag lagen gerade einmal zwei Gastboote im Meersburger Waschplätzle, das sonst von bis zu 50 Booten überfallen wird. Ein regenreiches Frühjahr hat vorerst die Hoffnungen auf eine neue Rekordsaison rheinabwärts geschwemmt. Hoffen wir auf einen besseren Hochsommer und einen langen goldenen Herbst (Pegelstand aktuell am 15. Juli: 3.91)!

Herzlichst Ihr

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