Es ging uns so wie allen

Felixinterview

Radolfzell, 14.10.2011 von Michael Häßler

Kurt Felix hat per E-mail im Frühjahr die neue Homepage der IBN gelobt und sich damit als „Bodenseeler“ zu erkennen gegeben. Michael Häßler traf die prominenten Motorbootfahrer und seine Frau Paola zum Gespräch über das Wassersport-Revier Bodensee.

IBN: Wie sind sie zum Motorbootfahrer geworden?
Kurt Felix: Wir besitzen ein Haus am Luganer See. Dort wollten wir ein kleines Boot erwerben. Ursprünglich eins, für das man keinen Führerschein braucht.
Dann ging es uns wie allen anderen Bootsbesitzern auch: Wir haben heute das sechste Boot. Jedes um eine Nummer größer.
Wir haben 1994 beide den Bootsführerschein gemacht. Weil wir in St.Gallen wohnen, wollten wir den Bodensee gerne kennenlernen, vor allem das Süddeutsche Ufer.
Dabei muss ich vorausschicken, dass ich von 1957 bis 1961 im Lehrerseminar Kreuzlingen studierte. In diesen vier Jahren war ich kein einziges Mal auf dem See, und ich war auch nie am Süddeutschen Ufer, am Österreichischen sowieso nicht. Der See war immer trennend. Erst spät haben wir dieses wunderbare Gewässer entdeckt.
Ich hatte ganz andere Interessen damals. Konstanz stand bei mir im Mittelpunkt, mit seinen Kinos, dem Theater, dem Konzilsaal und mit den faszinierenden Dampfloks, die Ende der 50-er Jahre noch einfuhren.
An den Bodensee habe ich noch eine andere Erinnerung: 1963, bin ich damals als junger Radioreporter  von Altnau, wie Jesus übers Wasser, über den gefrorenen See hinter der Madonna her gegangen. Ich glaube, die?steht noch immer in Hagnau.
Paola Felix: Mir ging es gleich. Auch ich war bis dahin weder auf noch am See.
Kurt Felix: Wir wollten uns also ein Boot für den Bodensee kaufen, nachdem wir schon die Bootsscheinprüfung in der Schweiz gemacht hatten. Dabei haben wir festgestellt, dass die Bootsbreite am See eine große Rolle spielt. Ist diese größer als 3,50 Meter, wird es schwierig, einen Gastplatz zu finden.
Mit diesem Maß im Kopf sind wir also auf die großen Bootsausstellungen in Düsseldorf und Friedrichshafen gefahren. Schließlich haben wir uns eine Bavaria 33 HT gekauft. Schmal genug, um in die Häfen zu passen und lang genug, um darauf wohnen zu können. Das Boot finden wir von der Aufteilung hervorragend gelungen und die Servicewerft ist in Goldach, gerade mal fünfzehn Minuten von St. Gallen entfernt. Wir haben uns für die Version mit Hardtop entschieden. Es schützt am besten gegen Regen und Wind, Naturphänomene, die auf dem Bodensee oft vorkommen.
Vor drei Jahren haben wir, glaube ich, das Boot gekauft...
Paola Felix: Ja...
Kurt Felix: ...und sind aufgebrochen zu deutschen Ufern. Gleich beim ersten Törn haben wir zwei oder drei Tage in den Häfen gewohnt, haben uns Fahrräder gemietet und das Ufer „abgetrampelt“. Ich muss sagen, das deutsche Ufer ist schöner, und luxuriöser, und romantischer, und sonniger, und blumenreicher als das Schweizer Ufer. Das muss ich als Schweizer neidlos eingestehen. Die Schweizer haben vor allem zwischen Romanshorn und Kreuzlingen sehr, sehr viel verschlafen. Wenn ich nur daran denke, dass in der Gemeinde Kesswil ein Hafen aus Naturschutzgründen abgelehnt wurde...das werde ich nie verstehen können, zumal die Boote derzeit unschön an Bojen liegen. Viele Touristen, die am Schweizer Ufer gerne anlegen würden, sind hier chancenlos. Es sind jedenfalls auf Schweizer Seite noch gewaltige Anstrengungen erforderlich.
Wir sitzen nicht den ganzen Tag auf dem Boot und trinken Weißwein, sondern setzen uns intensiv mit der Gegend und dem Hinterland auseinander. Wir erforschen das?Ufer, wo es sehr viel zu entdecken gibt. Unser erster Törn mit dem neuen Boot ging nach Überlingen, erstmal in meinem Leben. Hier haben wir alle Sehenswürdigkeiten abgeklopft und sogar den alten Kriegsstollen besichtigt.
Heute kennen wir sehr viele gute Restaurants am ganzen Ober-und Unterseeufer und wissen, dass es das beste Bier in Deutschland gibt.
Wir haben auf dem See viele Bekanntschaften mit anderen Bootseignern geschlossen und man trifft sich regelmäßig.
Zur Saisoneröffnung fahren wir beispielsweise immer zusammen mit Kliby... kennen sie „Kliby und Caroline“, der Bauchredner, ...die haben hier auch ein Boot...
IBN: Ja, Kliby kenne ich...
Kurt Felix: ...nach Unteruhldingen. In der dortigen Gartenkneipe des „Mainaublick“ haben wir schon die lustigsten Abende des letzten Jahrzehnts erlebt.
Auch in unserem Heimathafen, der Marina Rheinhof, fühlen wir uns wohl. Wir haben glücklicherweise einen Platz kaufen können, von welchem aus wir sehr diskret auf den See fahren können ohne dass uns dabei „ganze Volkerstämme“ zuschauen.
Paola Felix: Im Prinzip hat mein Mann schon alles gesagt. Was ich noch ergänzen möchte, ist dass wir nicht nur den direkten Uferbereich erkunden, sondern auch mal ins Innere des Landes vorstossen, zum Beispiel mit dem Zug nach Ravensburg. Wir lesen auch sehr viel über das Bodensee-Hinterland. Von touristischen Empfehlungen bis zu Erzählungen.
Kurt Felix: Was uns auffällt ist, dass mit dem Luganer See und dem Bodensee zwei verschiedene Welten aufeinander treffen.
Für die Italiener gilt es als chic, mit hoher Geschwindigkeit in dreißig Meter Abstand parallel zum Ufer zu fahren. Ich war zu Anfang am Bodensee total perplex, dass sich die Meisten, wenn auch nicht Alle, strikt an die Regeln halten und die Uferzone respektieren.
Wir beide sind „Genußfahrer“ und fahren mit 18 oder maximal 20 Stundenkilometern von Ufer zu Ufer. Wir brauchen halt Zeit, aber genießen die Fahrt.
IBN: Na ja, so groß ist der See auch nicht, dass diese Zeit tatsächlich eine Rolle spielen würde.
Kurt Felix: Das stimmt, aber im Vergleich zum Luganer See ist der Bodensee schon ein Meer. Das Schwäbische.
Ein weiterer Unterschied ist, dass es am Luganer See nur alte wacklige Stege gibt, über die man aufs Boot klettern muss. Am Bodensee dagegen gibt es viele Häfen, in denen man sich auch bei Wind und Wetter wohl fühlen kann.
Aufgefallen ist uns auch die Qualität der Häfen, die an einem Ort perfekt ist, und an einem anderen Ort nicht. Ebenfalls unterschiedlich ist der Service der Hafenmeister. Es gibt äußerst hilfsbereite und zuvorkommende Hafenmeister und es gibt Andere die beides nicht sind und einfach nur ihren Job machen. Deswegen finde ich die Aktion in der IBN mit dem Hafenmeister des Jahres als sehr hilfreich...
IBN: ...das ist auch eine Initiative des Bodensee-Seglerverbands und des Bodensee-Motorbootverbands...
Kurt Felix: ...das finde ich jedenfalls sehr gut. Ich werde mich auf alle Fälle an der nächsten Umfrage beteiligen. Unser derzeitiger Favorit ist der Unteruhldinger Hafenmeister Robert Schwarz. Ich muss aber auch sagen, dass ich einen Hafenmeister, der genervt ist, auch verstehen kann. Es gibt nicht nur rücksichtsvolle Bootsfahrer.
Was uns am See weniger gefällt, sind die Sommermonate. Wir wollen dieses Gerangel um die Gästeplätze nicht mitmachen, das teilweise schon in den späten Vormittagsstunden beginnt. Deswegen sind wir im Frühling und im Herbst auf dem Bodensee.
Den Juli und August verbringen wir in Italien und das Boot kommt in dieser Zeit zur Überholung in die Werft. Uns stört auch, dass in der Hauptsaison viele freie Liegeplätze auf „Besetzt“ gestellt werden. Das ist nicht fair. Dieses Thema wurde in der IBN aber schon mehrfach besprochen.
Wie gesagt, gibt es in Italien diese Infrastruktur nicht. Die Boote liegen üblicherweise an  schlecht unterhaltenen Stegen. Wir selbst haben eine Bootsgarage, in die wir das?Boot über Schienen ins Trockene hochziehen. Bootshäuser sind am Luganer See nicht unüblich.
Was mich dort stört, ist die Disziplinlosigkeit, vor allem der Italiener. Die Schweizer haben mal gelernt, wie man anständig vom Ufer weg fährt...aber das ist im Straßenverkeht genau gleich. Du kannst in Italien auch Mickymaus-Figuren aufstellen statt Verkehrsschilder. Es kommt auf das selbe raus.
Paola Felix: Was mir noch auffällt bei den Bootsfahrern ist die strikte Rollenverteilung. Er steht am Steuer und sie kümmert sich bei Manövern um die Festmacher auf dem Vorschiff. Wir machen das auch so, obwohl es dafür keinen Grund gibt.

IBN: Vielen Dank für das Gespräch.