Wer wird 2019 Star der Segelwelt?

SSL 2019

03.12.2019

Mit dem Beginn der Qualifikationsrunde zum Finale der Star Sailors League wird am 3. Dezember eine der internationalsten und vielseitigsten Flotten der Segelwelt im Traumrevier der Bahamas aufkreuzen. Gesucht wird der „Star der Segelwelt 2019“. Traditionell ist das Teilnehmerfeld mit Olympiasiegern, America’s-Cup und Volvo-Ocean-Race-Siegern gespickt. Bekannte Stars und aufgehende Sterne aus ganz unterschiedlichen Klassen von Welt- und kontinentalem Top-Niveau prägen das außergewöhnlich besetzte Feld.

Die Segler der 23 teilnehmenden Teams repräsentieren 22 Nationen. Unter ihnen ist mit dem siebenmaligen Weltumsegler Roberto Bemúdez erstmalig auch ein Spanier im Spiel, der sein Land 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen im Starboot vertreten hatte. Beim SSL-Finale segelt er mit Miguel Fernandez Vasco. Für Uruguay geht der frühere Snipe-Weltmeister und diesjährige pan-amerikanische Vizemeister Ricardo Fabini mit Federico Calegari aus Argentinien ins Rennen. Südkorea wird vom dreimaligen Olympia-Starter und dreifachen Sieger der Asian Games repräsentiert: Steuermann Jeemin Ha ist bei Starboot-Veteran und Vorschoter Mark Strube in besten Händen.


„Ich habe erst in diesem Jahr davon gehört“, sagt Ha über den Segelsport-Gipfel, „das klang gut, aber ich hätte nie gedacht, dass ich selbst teilnehmen würde. Das ist eine tolle Chance, gegen eine Reihe großer Namen anzutreten. Im Vergleich zum Laser sind die Techniken auf einem Starboot ähnlich, doch das Steuern ganz anders. Das Boot ist groß und schwer, also ist das Momentum anders. Ich weiß noch nicht, wie ich klarkommen werde.“

Ältesster Teilnehmer in diesem Jahr ist Paul Cayard. Der legendäre Louis-Vuitton-Cup-Gewinner und Whitbread-Round-the-World-Race-Sieger, der 1988 auch die Starboot-Weltmeisterschaft gewinnen konnte, greift mit Phil Trinter an, mit dem er 2004 sschon an den Olympischen Spielen teilgenommen hatte. Cayard hat in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag gefeiert, denkt aber noch lange nicht daran, seine Segelschuhe an den Haken zu hängen. Beim SSL Breeze Grand Slam segelte Cayard in diesem Jahr auf Platz vier, bei der Starboot-Weltmeisterschaft in Porto Cervo auf Platz sechs.

Neben einer Reihe von Ausnahmetalenten wie dem 25-jährigen britischen Lasersegler Lorenzo Chiavarini, der mit dem jungen Bayern Kilian Weise startet, sucht als jüngster Herausforderer der Finne Oskari Muhonen an der Seite von Vitalij Kushnir aus der Ukraine seine Chance. Muhonen ist einer von nur zwei Seglern, die jemals den Finn Silver Cup in der U-23-Wertung zweimal gewinnen konnten.

Die Armada der Olympioniken der Vergangenheit und Gegenwart vertreten Tonci Stipanovic aus Kroatien, der bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro die Silbermedaille im Laser gewonnen hatte. Im Revier der Bahamas sitzt Stipanovic mit Finn-Segler Tudor Bilic in einem Boot. Vor dem Hintergrund, dass die vergangenen beiden SSL-Finalauflagen vom früheren Laser-Olympiasieger Paul Goodison (Großbritannien) und von Finn-Gold-Cup-Sieger Jorge Zarif (Brasilien) gewonnen wurden, dürfte auch Stipanovic mit guten Aussichten in die Rennen starten. Während Zarif sich intensiv auf seine Teilnahme an der olympischen Regatta 2020 in Enoshima vorbereitet, wird sein 2018 mit ihm siegreicher Vorschoter Pedro Trouche den gemeinsamen Titel beim SSL-Finale in diesem Jahr verteidigen. Sein Steuermann für diese Mission ist kein Geringerer als Hamish Pepper, Starboot-Weltmeister von 2006.

“Ich bin alleine schon glücklich darüber, dass ich überhaupt die Chance zur Rückkehr und zur Verteidigung unseres Titels habe“, sagt Trouche. „Das Segeln mit Hamish ist ganz anders. Aber wir hatten im vergangenen Jahr eine gute gemeinsame Vorbereitung und haben deswegen darüber gesprochen, in diesem Jahr gemeinsam zu anzutreten.“ Mit Blick auf das Starterfeld in diesem Jahr sagte Trouche: „Es sind mehr jüngere Leute dabei, das Feld ist stärker.“ In Nassau können wir auch starkwindige Tage erleben. Das Spiel ist also offen. Ich weiß wirklich nicht, wie es ausgehen wird.“

Steuermann Hamish Pepper zählt zu den prominenten Kraftwerken der letzten Starboot-Generation, hat im ehemals olympischen Kielboot 2012 an der olympischen Regatta vor Weymouth teilgenommen. Bei diesem letzten großen Olympia-Gipfel der Stars des Segelsports war es der Schwede Freddy Lööf, der damals zum Olympiasieg segelte. Beim SSL-Finale tritt er mit dem amerikanischen Olympiateilnehmer Brian Fatih an, während der olympische Silbermedaillengewinner von 2012 – Großbritanniens Superstar Ian Percy – mit Lööfs ehemaligem Gold-Vorschoter Anders Ekström eines der co-favorisierten Teams formiert. Mit Bruno Prada ist auch der olympische Bronzemedaillen-Gewinner von 2012 als Vorschoter von Steuermann Mateusz Kusznierewicz im Einsatz. Der Doppel-Olympiasieger im Finn Dinghi hatte sich bei den Olympischen Spielen 2012 als Achter einen Rang vor Xavier Rohart aus Frankreich platziert, der mit seinem Stammvorschoter Pierre-Alixis Ponsot angreifen wird.

Als Top-Favoriten dieser erlesenen Gruppe von Ausnahmeseglern sind Kusznierwicz/Prada zu nennen, die in diesem Jahr die Starboot-Weltmeisterschaft gewinnen konnten. Doch Kusznierewicz sieht es anders: „Das ist schon sechs Monate her. Seitdem haben sich einige Leute sehr verbessert. Unsere Erwartungen sind also normal. Das SSL-Finale ist ein sehr besonderes Event. Es ist das einzige, bei dem man auf Olympiasieger, Welt-, Europa und weitere kontinentale Meister sowie Ocean-Race-Gewinner und viele weitere Champions trifft. Da sind alte Freunde, aber auch neue Gesichter – wir genießen das wirklich. Es ist unmöglich zu sagen, wer hier gewinnen wird. Dafür kommen sicher mindestens zehn unter den 23 in Frage.“

Im Spiel sind auch drei Matchrace-Weltmeister, unter ihnen der sechsmalige britische Rekord-Titelträger Ian Williams in einem Team mit dem früheren Starboot-Weltmeister Steve Mitchell. Dazu kommt M32-Weltmeister Taylor Canfield, der die Elite mit Arnis Baltins im Boot fordert. Canfield war 2013 und 2017 Matchrace-Weltmeister und kennt auch Torvar Mirsky gut. Den australischen ehemaligen Champion der Duellsegler verstärkt der irische Vorschoter Robert O’Leary.

Last but not least zählt natürlich auch der in Italien lebende Berliner Frithjof Kleen mit seinem erfahrenen Vorschoter Diego Negri zum Favoritenkreis. Kleen hatte das SSL-Finale 2017 mit dem britischen Olympiasieger Paul Goodson gewonnen und leitet heute das von ihm aufgebaute SSL-Trainingszentrum am Gardassee, wo sich viele Top-Akteure auf den Jahreshöhepunkt vorbereitet haben. Dort hat Kleen intensive Einblicke in das Potenzial der diesjährigen Teilnehmer gewinnen können und räumt auf dieser Bassis Bernardo Freitas, der mit Lars Graels ehemaligem Vorschoter Samuel Gonçalves antritt, sowie Lorenzo Chiavarini und Kilian Weise gute Außenseiterchancen ein. Nach seinem Sieg 2017 und Platz drei 2018 startet Kleen aber auch selbst optimistisch in den Regatta-Gipfel vor Nassau: „Wir sind zuversichtlich, dass wir in die Top Ten segeln können, wenn nichts Gravierendes schiefgeht. Es wird schön sein, den Wettbewerb zwischen Legenden wie Percy, Freddy und den anderen zu sehen. Aber tatsächlich haben schon alle Teilnehmer bewiesen, dass sie sich ihr Startrecht hier verdient haben.“