Antifouling im Wassersport

Praktische Tipps zum umweltschonenden Umgang

Dessau-Roßlau, 06.06.2019 von IBN

Antifouling-Beschichtungen sollen Bootsrümpfe vor Bewuchs schützen. Die Produkte enthalten aber meist giftige Biozide, welche anschließend in die Umwelt gelangen und die Ökosysteme schädigen können. Es ist daher wichtig, die Beschichtungen so anzuwenden, dass Mensch und Umwelt möglichst wenig belastet werden.

Das Umweltbundesamt informiert Anwenderinnen und Anwender in einem neuen Leitfaden und gibt praktische Tipps und Empfehlungen, wie die Risiken für Mensch und Umwelt minimiert werden.

Bewuchs: Wasserorganismen besiedeln mit der Zeit Oberflächen, die sich unter Wasser befinden. Sowohl auf natürlichen Oberflächen wie Steinen, Pflanzen oder Tieren wird das beobachtet, aber auch auf künstlichen Oberflächen wie Rohren, Bojen und Bootsrümpfen. Die Organismengemeinschaft bezeichnet man dabei als Bewuchs (engl. Fouling).

Auf Bootsrümpfen kann der Bewuchs unterschiedliche negative Auswirkungen haben. Der Strömungswiderstand der Schiffe wird unter Umständen erheblich gesteigert. Dies verursacht höhere Kosten durch einen gesteigerten Kraftstoffverbrauch und bedingt gleichzeitig einen größeren Schadstoffausstoß. Starker Bewuchs kann zudem die Manövrierfähigkeit des Bootes beeinträchtigen und so ein Sicherheitsrisiko darstellen. Schäden an der Rumpfoberfläche oder anderen Bootsteilen sind ebenfalls möglich, wenn auch eher selten. Darüber hinaus können anhaftende Organismen in Regionen eingeschleppt werden, in denen sie gar nicht natürlich vorkommen (Neobiota) und dort das ökologische Gleichgewicht stören. Es ist daher sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht sinnvoll, die Bewuchsbildung am Bootsrumpf zu verhindern oder zu minimieren.

Biozidhaltige Beschichtungen: Es gibt unterschiedliche Methoden, den Bootsrumpf vor Bewuchs zu schützen. Die etablierteste Maßnahme ist die Verwendung biozidhaltiger Antifouling-Beschichtungen. Aus diesen lösen sich biozide Wirkstoffe nach und nach heraus, um an der Grenzfläche zum umgebenden Wasser die Bewuchsorganismen zu töten oder auf andere Weise zu schädigen. Die giftigen Wirkstoffe werden also direkt und beabsichtigt in die Gewässer eingetragen und können dort, neben den eigentlichen Zielorganismen, auch andere im Gewässer lebende Organismen schädigen. 

Wassersport: Die bioziden Antifouling-Produkte werden europaweit durch die Biozid-Verordnung EU 528/2012 reguliert. Unter den 11 zurzeit in der EU verkehrsfähigen Antifouling-Wirkstoffen werden die kupferbasierten Antifouling-Biozide besonders häufig verwendet. Das Umweltbundesamt schätzt in einem Hintergrundpapier, dass ca. 19 Prozent der gesamten Kupfereinträge in deutsche Oberflächengewässer von Sportbooten emittiert werden. Die Verwendung von bioziden Antifouling-Beschichtungen trägt somit zu einem signifikanten Anteil zur Schadstoffbelastung deutscher Oberflächengewässer bei.

Alternativen: Ein Verzicht auf biozidhaltige Produkte ist möglich und sollte immer in Erwägung gezogen werden. 71 Prozent der Sportboot-Liegeplätze in Deutschland befinden sich in Binnenrevieren. Die Zusammensetzung und die Menge an Bewuchs sind im Vergleich zu Nord- und Ostsee hier weniger problematisch, sodass ein Verzicht auf Biozide gerade im Landesinneren möglich ist. Aber auch in Gewässern mit anspruchsvolleren Bewuchs-Bedingungen wie zum Beispiel in der Ostsee kann auf Biozide verzichtet werden, wie Langzeitstudien im Rahmen des EU-Forschungsprojekts CHANGE zeigten.

Biozide: Auch bei der Verwendung biozidhaltiger Beschichtungen bestehen Möglichkeiten, den Bewuchsschutz umweltverträglicher zu gestalten. Es sollten bei der Produktwahl grundsätzlich immer die Nutzungsgewohnheiten und die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Untersuchungen im EU-Forschungsprojekt CHANGE konnten zeigen, dass Produkte mit geringen Kupfer-Konzentrationen (bzw. -Freisetzungsraten) in vielen Bereichen der Ostsee einen ausreichenden Bewuchsschutz bieten.

Antifouling-Leitfaden: Weitere Maßnahmen zeigt ein neuer Leitfaden des Umweltbundeamtes auf. Er soll Bootsbesitzende umfänglich über das Thema Antifouling informieren, aufklären und sensibilisieren. Neben allgemeinen Informationen zum Thema Fouling, Antifouling und den Umweltrisiken werden auch die gängigsten biozidfreien Bewuchsschutzmethoden kurz vorgestellt und der aktuelle Stand der Zulassung von biozidhaltigen Antifouling-Produkten in Deutschland und anderen europäischen Ländern zusammengefasst.

Weitere Informationen:

Leitfaden: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/antifouling-im-wassersport-was-ist-das-beste-fuer

Flyer: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/antifouling-im-wassersport-leitlinien-fuer-eine

Hintergrundpapier „Sind kupferhaltige Antifouling-Anstriche ein Problem für unsere Gewässer?“ 

https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/sind-kupferhaltige-antifouling-anstriche-ein

 Hinweis: In Kürze veröffentlicht das Umweltbundesamt einen digitalen Bewuchsatlas, der Informationen zu den lokalen Bewuchsbedingungen zur Verfügung stellt.