Süßwasserquallen tauchen vermehrt im See auf

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Langenargen, 07.08.2018 von IBN

Die Badetemperaturen sind in diesem August mehr als angenehm: Bei Bregenz ist der Bodensee an der Oberfläche über 26 Grad warm.

Damit wurden Anfang August die bisherigen Extremwerte der Tagesmittel für den jeweiligen Kalendertag seit 1979 überschritten. In Seemitte des Bodensee-Obersees sind es laut der aktuellen Messung vom 6. August immerhin 25,6 Grad. Das kommt schon recht nahe an den bisherigen Rekord heran, der von der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) im Juli 2015 mit 26,6 Grad gemessen wurde. Damit sorgt die Klimaerwärmung dafür, dass der Sommer 2018 auf Rekordkurs ist: Insgesamt ist der See in diesem Sommer schon um zwei bis drei Grad wärmer als im langjährigen Mittel seit 1963. 

Gleichwohl ging der Bodensee in diesem Jahr gut gerüstet in die sommerliche Stagnationsphase. Weil es im Februar vergleichsweise kalt und windig war, konnten sich Anfang März die Wasserschichten im gesamten See gut durchmischen: So kam es zu einem Stoffaustausch und die Sauerstoffvorräte am Seegrund konnten aufgefüllt werden. 

Nicht nur die Wassertemperatur, sondern auch der Wasserstand startete höher als sonst in das Jahr 2018 und überstieg Ende Januar und Anfang Februar für zwei Wochen sogar deutlich den bisherigen Maximalstand. Dies war vor allem auf die regenreiche Zeit im Spätsommer 2017 zurückzuführen, die zu einem hohen Wasserstandsniveau bis zum Jahresende 2017 beitrug. Seit der ersten Junihälfte hat sich der Pegelstand nun aber in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. An den Pegelmessstellen in Bregenz und Konstanz ist er seitdem um etwa 85 Zentimeter zurückgegangen. Im Untersee werden seit etwa drei Wochen die bisherigen niedrigsten gemessenen Tagesmittelwerte für den jeweiligen Kalendertag sogar unterschritten.

Die Kommissionsvorsitzende der IGKB Frau Elke Rosport begründet dies so: „Ab April war es vergleichsweise zu warm, gleichzeitig hatten wir unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen von nur zwei Dritteln des langjährigen Mittels in der Zeit von Februar bis Juni 2018. Während Schmelzwasser aus dem Einzugsgebiet anfangs noch zu einem Anstieg des Wasserstands führte, war dies ab Mitte Juni nicht mehr Fall.“ 

Während sich solche niedrigen Wasserstände zum Beispiel auf die Schifffahrt negativ auswirken, sind Nachteile für das Ökosystem des Sees nicht zu befürchten. Niedrigwasserereignisse zählen zu den natürlichen Schwankungen, mit denen die Lebensgemeinschaften im See immer wieder konfrontiert werden. 

„Die nun trocken gefallenen Bereiche der Uferzone sind üblicherweise auch im Winter trocken und werden erst mit steigendem Wasserstand besiedelt. Die dort lebenden Tier- und Pflanzenarten sind an Schwankungen der Pegelstände gewöhnt und an solche Bedingungen angepasst“, erläutert Elke Rosport.

Als Folge der hohen Temperaturen und des niedrigen Wasserstands werden in diesem Sommer in den Flachwasserbereichen außerordentlich viele Wasserpflanzenfelder beobachtet. Diese dienen vielen Fischarten als Laichplatz, Jungfische nutzen sie als Flucht- und Versteckmöglichkeiten. Im Bereich der Schussenmündung bildete sich zudem ein ausgedehnter Algenteppich, der vorwiegend aus dem sogenannten Wassernetz (Hydrodictyon), einer Grünalge, besteht. Derartige Entwicklungen werden regelmäßig in Niedrigwasserjahren beobachtet und zeigen, dass vor allem in den Ufer- und Flachwasserzonen des Bodensee-Obersees noch genügend Nährstoffe für ein intensives Pflanzenwachstum vorhanden sind. Im Zuge des Klimawandels könnten sich derartige Ereignisse häufen.

Durch die höheren Wassertemperaturen werden in diesem Jahr wieder in geschützten Hafenanlagen Süßwasserquallen (Craspedacusta sowerbii) beobachtet. Diese Art zählt zu den Neozoen und wurde 1999 erstmals im Bodensee entdeckt. Die Quallen sind im Durchmesser bis zu 2,5 Zentimeter groß und sind für den Menschen harmlos.

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