„Malizia“ und „Varuna“ segeln Bug an Bug um den Sieg

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Hamburg, 16.07.2018 von IBN

Ein packender Zweikampf an der Spitze der Atlantic Anniversary Regatta (AAR) hält die Segelfans in Atem.

Die beiden Hamburger Boris Herrmann mit der Hochseerennyacht „Malizia“ und Jens Kellinghusen auf der „Varuna“ liefern sich seit dem Start am 8. Juli in der Karibik ein Bug-an-Bug-Rennen. Knapp 500 Seemeilen vor Cuxhaven lagen Herrmanns IMOCA Open 60 vom Yacht Club de Monaco mit norddeutscher Crew und die Gegner am Montagmittag (16. Juli) nur wenige Seemeilen auseinander. Die Entscheidung, wer als Erster der 18 gestarteten Boote mit 150 Aktiven aus 14 Nationen im Ziel ist, dürfte bereits am Mittwoch (18. Juli) fallen. Die AAR endet in Hamburg, wo bis zum 29. Juli der 150. Geburtstag des Norddeutschen Regatta Vereins (NRV) gefeiert wird.

 

„Wir fliegen über den Nordatlantik, wie ein Traum“, schrieb Boris Herrmann nach nicht mal einer Woche von Bord, „Topspeed ist 28 Knoten, 22 im Schnitt.“ Bei idealen, frischen Winden von der Seite hob die 18 Meter lange „Malizia“ auf ihren Tragflächen (Foils) ab und erreichte Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 50 km/h. „Nach tagelangem Vorwindsegeln unter Spinnaker haben wir endlich die Bedingungen, die wir lieben“, so der Skipper weiter. Dadurch baute sein Team einen Vorsprung vor der etwas kleineren „Varuna“ zwischenzeitig auf deutlich mehr als 50 Seemeilen aus.

Wer darin eine Vorentscheidung auf der rund 3.500 Seemeilen (fast 6.600 Kilometer) langen Strecke gesehen hatte, wurde jedoch bald eines besseren belehrt. Mit jedem Manöver unterhalb der englischen Südküste schmolz das Polster dahin. Herrmann: „Die ‚Varuna‘ ist ein sehr schnelles Schiff, das zudem ausgezeichnet gesegelt wird. Mit unserer nur fünfköpfigen Crew werden wir es im Englischen Kanal und in der Tide unter Land schwer haben gegen sie, da Segelwechsel bei uns immer deutlich länger dauern. Aber wir werden kämpfen bis zum Schluss.“ Mit an Bord sind der Hamburger Geschäftsmann Claus Löwe, Eigner der Segelyacht „Leu“, mit Sohn Christopher und sein Vorschiffsmann Tim Müller sowie der Bremer Unternehmer Christoph Enge.

Mitten auf dem Atlantik hatte Herrmanns Mannschaft eine Schrecksekunde zu überstehen. Unter Genua und einfach gerefftem Großsegel lief die „Malizia“ in einer Bö aus dem Ruder und kenterte beinahe. „Ich hatte gerade für einen Moment die Augen geschlossen, da nahm das Chaos seinen Lauf“, berichtete der 37-Jährige, „das Boot fuhr eine ungewollte Crashwende, die Segel standen back und der Wind drückte uns flach aufs Wasser. Das Leeruder hing in der Luft, und wir drifteten nur noch unkontrolliert seitwärts. Ich gerate selten in Hektik, aber dies war so ein Moment. Zum Glück blieb alles heil, und es hat sich keiner verletzt.“

Fortune hatten dagegen weder die Hamburger Class 40 „RED“, noch die Topfavoritin „Rambler 88“ aus den USA. Matthias Müller von Blumencron meldete die Kollision „vermutlich mit einem Wal“ und gab das Rennen mit einem Heckschaden am Boot auf. Der Maxiracer von George David schied bereits nach zwei Tagen wegen eines Ruderbruchs aus, nachdem die Yacht mit einem unbekannten Objekt unter Wasser kollidiert war. „Das ist sehr schade für die Teams und das Rennen. Beide haben sich gründlich vorbereitet, und wir hätten sie gerne in Hamburg gesehen“, bedauerte Boris Herrmann auch das Ausscheiden des vermeintlich stärksten Konkurrenten, obwohl dadurch der Weg erst frei wurde, mit der „Varuna“ um den Sieg im Ziel zu kämpfen.

Mit dieser Yacht wird der dreimalige Weltumsegler 2020 als erster Deutscher überhaupt an der legendären Vendée Globe solo nonstop einmal um die Erde teilnehmen. Die Kampagne wird vom Yacht Club de Monaco mit Herrmanns Segelfreund Pierre Casiraghi als Vizepräsident und von Teampartner BMW maßgeblich unterstützt. Mit Hilfe der Antriebstechnologie des Münchener Automobilkonzerns zur Stromerzeugung an Bord soll die Welt vollkommen emissionsfrei umrundet werden. Die Bedeutung der Sauberkeit der Meere für den Klimawandel hat sich das Team Malizia zudem mit dem Projekt Ocean Challenge auf die Fahnen geschrieben.

 

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