Mit Staatsoberhaupt und Olympiasieger

rolex

FLENSBURG, 12.05.2011 von IBN

Glanzvolle Namen gehören zur Rolex Baltic Week. Seine Majestät König Harald V. von Norwegen und Dänemarks Segelheld, der zweimalige Olympiasieger Jesper Bank, werden der Flensburger Förde höchsten Glanz verleihen, wenn der Flensburger Segel-Club in Kooperation mit dem Kieler Yacht-Club vom 28. Juni bis zum 3. Juli die Weltmeisterschaften der 12mR- und 8mR-Yachten austrägt.

Zudem segelt die 6mR-Klasse um den Robbe & Berking Sterling Cup. Rund sieben Wochen vor dem ersten Start und zwei vor dem offiziellen Meldeschluss zeichnet sich ab, dass ein ansehnliches Feld klassischer Yacht-Designs in der idyllischen Förde, der Schnittstelle zwischen Mittel- und Nordeuropa, an den Start gehen wird. Vor allem die Achter erweisen sich schon weit vor dem Ereignis als besonders meldefreudig. 24 Yachten aus 14 Nationen, darunter neben Gastgeber Deutschland auch Argentinien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Russland, Schweden sowie die Schweiz und die USA, hatten bis zum 11. Mai bereits ihr Kommen avisiert. Wohl auch, weil sich die Yachteigner im sportlichen Wettstreit mit König Harald V. messen wollen, seines Zeichens Ehrenpräsident der Internationalen 8mR-Klassenvereinigung IEMA und ein seit Jahrzehnten als ausgezeichneter Hochseesegler bekannter Vollblutsportler.


Während das norwegische Staatsoberhaupt sonst auf seinen modernen „Fram“-Yachten auf Regatten unterwegs ist, hat er für 2011 die Teilnahme an der Achter-WM zur Rolex Baltic Week in den Mittelpunkt seiner seglerischen Aktivitäten gestellt. Er wird seine „Sira“ aus dem Oslofjord an die Flensburger Förde bringen. Die 1938 von Johann Anker gebaute Yacht ist nur ein Jahr jünger als der 74-jährige König selbst und befindet sich seit über 70 Jahren in majestätischem Besitz. Schon Haralds Vater Olav V. segelte auf der „Sira“. Zur Jahrtausendwende verbrachte die 14,70 Meter lange Yacht zwar einige Zeit im Marinemuseum in Horten, doch zur Saison 2008 feierte sie ein eindrucksvolles Comeback auf der Regattabahn, als sie vor Hankö Weltmeisterin in der Kategorie der vor 1960 gebauten Yachten wurde. Die „Sira“ gewann damit erstmals den nach ihr benannten Sira-Cup.

1983 war diese Silberschale von König Olav V. und Erik Anker, dem Sohn von Johann Anker, gestiftet worden. Die Geschichte der Trophäe reicht allerdings noch weiter zurück. Ehemals wurde sie als Kattegat-Cup ausgesegelt. Der junge Erik Anker gewann den Cup 1939 als Steuermann der „Sira“ und durfte die Trophäe mit Genehmigung des Königs für sich behalten. 44 Jahre war der Pokal in seinem Besitz, bevor er eben 1983 wieder gestiftet wurde.

Das Gros der gemeldeten Achter wird sich um den Gewinn des „Sira-Cups“ bemühen, denn die meisten Schiffe gehören zur Classic-Division, die die Baujahre von 1920 bis 1966 umfasst. Dabei wird sich der norwegische Monarch auch mit seinem Untertan Morten Tenvig messen müssen, der mit seiner 1934 gebauten „Carron“ wie schon voriges Jahr zum Euro Cup während der Rolex Baltic Week in Kiel von Oslo aus anreist.

Fast ein Heimspiel haben in dieser Klasse dagegen die in Kiel beheimateten „Germania III“ (Baujahr 1935), die 1936 Olympia-Bronze gewann und heute im Besitz des Duisburger Geschäftsmanns Bernhard Kolbe ist, und die 1927 gebaute „Feo“ von Hans-Peter Strepp. Einen weiten Weg hat dagegen die „Delphis“ vor sich. Die 1930 gebaute Yacht trägt die Segelnummer „A-4“, ist mit ihrem Eigner Daniel Sielecki also üblicherweise in argentinischen Gewässern unterwegs. Der Geschäftsmann aus Buenos Aires, der auch als Liebhaber von historischen Autos bekannt ist, segelt einen von lediglich drei bekannten Achtern in Argentinien. IEMA-Präsident Fred Meyer aus der Schweiz kommt mit seiner 1936 auf Kiel gelegten „Catina VI“ zur WM.

Reichlich mit Weltmeister-Titeln dekorierte Yachten werden in der Kategorie Modern an den Start gehen. Der Schotte Murdoch McKillop hat mit seiner 1986 gebauten „Lafayette“ bereits vor zwei Jahren vor Hyères/Frankreich den WM-Titel gewonnen und wird diesen Erfolg nun wiederholen wollen. Er muss sich dabei allerdings mit einer sechsmaligen Titelträgerin auseinandersetzen. Denn die „Gefion“ gewann nach ihrer Erbauung in 1987 von 1988 an viermal in Serie den World-Cup, später auch noch in 1994 und 2000. Das kanadisch-amerikanische Eigner-Steuermann-Duo von Richard Self und Ronald Palm wird allerdings erst an die Erfolge der Vorbesitzer anknüpfen müssen. Die besten Zeiten möchte auch der Schweizer Jean Fabre mit seiner 2002 gebauten „YQuem II“ fortsetzen. Im vergangenen Jahr gewann er auf der Rolex Baltic Week vor Kiel den Euro-Cup. Und 1998 durfte der Genfer mit dem Vorgängerschiff den Gewinn des Weltmeiste rtitels feiern.

Ein ganz junges Boot bringen die Niederländer Ruud van Hilst und Jos Fruytier an den Start. Ihre „Hollandia“ wurde erst 2005 gebaut. Damit ist sie mehr als neun Jahrzehnte jünger als die beiden 99 Jahre alten Achter vom Bodensee. Die gaffelgetakelten „Elfe II“ und „Sposa“ werden sich erneut ein vereinsinternes Duell des Lindauer Segler-Clubs um die beste nationale Yacht in der First-Rule-Division liefern, werden aber in der Division von der „Carmen IV“ (1914) des Norwegischen Classic Yacht Club herausgefordert. Wiederkehrer aus dem Vorjahr sind auch die „Svanevit“ von Karsten Niehaus aus Köln, die seit 1954 zum ersten Mal wieder auf die „Sira“ von König Harald trifft, sowie die „Anne Sophie“ des Müncheners Hanns-Georg Klein, der beim Euro Cup 2010 „Bronze“ holte, und die voriges Jahr zweitplatzierte japanische „Aun“. Neu dazu kommen unter andere m Timo Saalastis „Sagitta“ von 1929 aus Finnland, die zwei Jahre ältere „Hispania IV“ von Tanneguy Raffray unter französischer Flagge, Österreichs 89 Jahre alte „Bera“ (Werner-Heinz Schifferl) und die moderne, vier Jahre junge russische „Astra II“, die Alexey Rusetky gehört. Die jüngsten Meldungen kamen von den schwedischen Brüdern Ola und Ulf Nilsson, die ihre 1948 gebaute „Andromeda“ segeln, sowie der kanadischen „Raven“ von 1938.

Die erhoffte Teilnehmerzahl von 15 Yachten hatte das Feld der Achter somit schon vor dem Meldeschluss deutlich überschritten. Zudem werden rund sechs Sechser und zehn Zwölfer erwartet. Fest gemeldet hatten von den großen Yachten bis zum 11. Mai die 1928 gebaute „Anitra“ von Josef Martin, die beim Flensburger Segel-Club ein Heimspiel hat. Ebenfalls nur einen kurzen Weg müssen die „Thea“ (1918) und die „Vanity V“ (1936) von Kopenhagen aus zurücklegen. Auch der Vorjahressieger der Rolex Baltic Week, Wilfried Beeck aus Hamburg, hatte seinen Zwölfer „Trivia“ wieder gemeldet. Die „Evaine“ wird vom Berliner Georg Kiesperl gesteuert. Darüber hinaus wird auch mit den beiden zu den ältesten noch seetüchtigen Meter-Yachten zählenden „Heti“ aus Hamburg und „Erna Signe“ aus Norwegen gerechnet. Die beiden aufwändig restaurierten Yachten mit Gaffelrigg feiern in diesem Jahr ihren 100. („Heti“) bzw. 99. Geburtstag („Erna Signe“).

Fest geplant ist die Reise nach Flensburg auch für die gemeldete „Vema III“. Die 1933 von Johann Anker in Norwegen gebaute Yacht wurde vor zehn Jahren umfangreich restauriert. Und für die Weltmeisterschaft in Flensburg erhält sie nun eine ganz neue Segelgarderobe. Gebaut werden die Segel in einer der modernsten Segelwerkstätten Europas – bei Elvström Sails in Apenrade. Hier hat Geschäftsführer Jesper Bank, 1992 und 2000 Olympiasieger im Soling und 2007 Steuermann der deutschen America’s-Cup-Kampagne, selbst ein Auge auf die Fertigung, schließlich will er selbst auf der „Vema III“ an den Start gehen, um bei der Rolex Baltic Week mit den neuen Segeln zu glänzen.

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