Ermittler des Kompetenz-Zentrums Bootskriminalität auch 2017 auf Erfolgskurs

Hochwertige Motor- und Segelyachten sichergestellt

PKW Transport

Konstanz, 18.06.2018 von IBN

Die vier Ermittler des Kompetenz-Zentrums Bootskriminalität Baden-Württemberg (KBK) bei der Wasserschutzpolizeistation Konstanz, das dem Polizeipräsidium Einsatz Göppingen angegliedert ist, melden für das Jahr 2017 ein beeindruckendes Ergebnis bei den Sicherstellungswerten von gestohlenen oder unterschlagenen Wasserfahrzeugen und Außenbordmotoren. Gemeinsam mit Fahndungsdienststellen aus Deutschland und 13 benachbarten Ländern schlugen die Fahnder 138 Mal zu. Zusammen mit den zuständigen Polizeidienststellen gelang es, europaweit insgesamt 19 Sportboote, ein Wassermotorrad (sog. Jetski), 105 Außenbordmotoren und einen Bootstrailer im Gesamtwert von ca. 2,6 Millionen Euro sicherzustellen. Das ist das zweieinhalb fache der Sicherstellungssumme von 2016 (1,1 Millionen Euro). Hinzu kam von den Ermittlern als „Beifang“ bezeichnetes Diebesgut: sieben Kraftfahrzeuge, ein Trailer, ein Quad, vier Rüttelplatten, und diverse Fahrräder im Wert von weiteren 200.000 Euro. In den 17 Jahren des Bestehens der Fahndungseinheit konnten unter maßgeblicher Beteiligung des KBK maritime Vermögenswerte von 31,6 Millionen Euro gesichert werden.

Die meisten Sicherstellungen erfolgten - wie auch in den Jahren zuvor - in Deutschland. Aber auch in 13 weiteren europäischen Ländern waren die Fahnder erfolgreich. Das belegt eindrucksvoll, dass die  „Bootskriminalität“ ein internationales Phänomen ist und längst nicht mehr  auf rein nationaler Ebene erfolgreich bekämpft werden kann. Deutschland ist nicht nur Tatort, sondern auch Transitland. Die Täter, die dingfest gemacht werden konnten, stammten aus 14 Nationen, ganz überwiegend aus dem osteuropäischen Raum. Sie  waren gut organisiert und höchst mobil. 

Spektakulär war die Sicherstellung einer hochwertigen Motoryacht in einem  tunesischen Hafen. Die Yacht wurde Ende August 2017  zum Nachteil eines deutschen Eigners auf Mallorca entwendet. Sie hatte einen Zeitwert von 750.000,- Euro. Mit Unterstützung des KBK konnte sie zwei Wochen später dem Besitzer zurückgegeben werden. 

Die KBK-Fahnder unterstützten in zwei überörtlichen und voneinander unabhängigen Betrugsverfahren gegen einen ehemaligen Charterunternehmer Dienststellen der Kriminalpolizei in Neuss und Stralsund bei der Suche nach mehreren unterschlagenen Segelyachten (Bild). Geschädigt war die Bank, die die Schiffe finanziert hatte. Nach Öffentlichkeitsfahndung in Fachzeitschriften und auf einschlägigen Internetplattformen konnten zwei Segelyachten in Deutschland und eine in Kroatien lokalisiert werden. Der Gesamtwert dieser drei Schiffe alleine lag bei ca. 350.000 €. Die in Deutschland lokalisierten Schiffe waren von den Eigentümern in gutem Glauben erworben worden. Noch immer wird nach weiteren unterschlagenen Segelyachten international gefahndet.

Eine weitere spektakuläre Sicherstellung gelang mit ungarischen Fahndern im Grenzgebiet zu Rumänien. Bei der Kontrolle eines Lkw (Bild) wurden als Ladung unter dem Planverdeck mehrere gebrauchte Pkw aus den Niederlanden festgestellt, die dort offenbar legal erworben wurden. Im Fahrzeuginneren der drei Pkw wurden insgesamt neun Außenbordmotoren verschiedener Hersteller und Leistungsstufen festgestellt. Unter anderem befanden sich zwei 400 PS Motoren (Gewicht jeweils 315 kg !) in den Fahrzeugen, die von den Konstanzer Spezialisten identifiziert und mit Unterstützung des Herstellers einem aktuellen Einbruch in Antwerpen / Belgien zugeordnet werden konnten. Die Außenbordmotoren im Wert von über 120.000 € wurde sichergestellt und mit Unterstützung des KBK wieder nach Belgien „reimportiert“.

Die Anzahl der Bootsdiebstähle in Deutschland lag im vergangenen Jahr mit 205 Fällen auf dem gleichen niedrigen Niveau wie 2016 (208 Diebstähle) bei gewohnter sehr unterschiedlicher Verteilung auf die Bundesländer.  

Allein auf die seit je her am stärksten von der Bootskriminalität betroffenen Bundesländer Berlin, Brandenburg,  Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen entfielen 62% aller Bootsdiebstähle.

Nachdem in 2016 bundesweit insgesamt 1437 Außenbordmotoren zur Fahndung ausgeschrieben werden mussten und damit eine neue Rekordmarke in diesem Deliktsbereich zu verzeichnen war, ging die Anzahl der neu erfassten Bootsmotoren 2017 um 26% auf 1062 Ausschreibungen zurück.  Ein Drittel der Motoren entfiel allein auf Brandenburg, ein weiteres Drittel auf die Bundesländer Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Damit ging erstmals seit vier Jahren die Anzahl der entwendeten Außenbordmotoren zurück. Eine Entwarnung ist das leider nicht, denn ähnlich niedrig waren die Zahlen auch schon in den Jahren 2010 und 2012. 

Dieser bemerkenswerte Rückgang dürfte u.a. auf erfolgreiche Polizeiarbeit  zurückzuführen sein. So gelang in Schleswig-Holstein ein Schlag gegen eine gut organisierte polnische Tätergruppe, in Berlin gegen eine Gruppe Ukrainer und in Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der Schweiz gegen eine bulgarische Familie und polnische und rumänische Täter. Gerade in diesen Bundesländern kam es zu einem signifikanten Rückgang der Diebstahlszahlen. 

Die Gesamtschadenshöhe in Deutschland geben die Ermittler für 2017 mit über 8 Millionen Euro an. Boote und Außenbordmotoren stellen hohe Sachwerte dar. 

Die Fahnder warnen außerdem vor “faulen“ Verkaufsangeboten im Internet. Insbesondere gestohlene Außenbordmotoren z.T. mit professionell gefälschten Seriennummern finden ihre Abnehmer häufig über das Internet. Aber auch gestohlene Sportboote werden im Netz angeboten und mit auf den ersten Blick plausiblen Historien verkauft. 

Vorsicht ist geboten, wenn Dokumente fehlen und die Vorgeschichte unklar ist, selbst dann,  wenn sich die „Geschichte“ des Verkäufers plausibel anhört. Um die Bürger davor zu schützen, Diebesgut zu kaufen und sich dabei eventuell selbst strafbar zu machen, bieten die Ermittler des KBK den Service an, das Wunschobjekt vor dem Kauf überprüfen zu lassen. Dieses Angebot gilt selbstverständlich auch für Bürger aus der Schweiz und Österreich. Anfragen können telefonisch (+49 7531 5902-300) an das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität gerichtet werden. Im Internet kann auf der Seite der  Polizei Baden-Württemberg ein Flyer mit der Darstellung von Risiken und Hinweisen zum Kauf eines gebrauchten Sportbootes heruntergeladen werden: 

https://praevention.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/20/2016/10/faltblatt_bootskauf.pdf

Die Polizei weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass nach deutschem Recht an gestohlenen Gegenständen kein Eigentum erworben werden kann, selbst wenn der Gegenstand bei einem Händler gekauft wurde!

Eine weitere Masche: Betrüger ködern Interessenten durch extrem günstige Preisangebote, fordern dann aber für den Transport des Kaufgegenstandes meistens durchaus über seriöse ausländische Finanzdienstleister teilweise hohe Vorauszahlungen. Geht der Kaufinteressent auf die Forderung ein, ist er sein Geld los – das für ihn vermeintlich gute Geschäft findet jedoch nie statt. 

Die Transportmasche funktioniert aber auch in die andere Richtung: ein Kaufinteressent meldet sich bei einem seriösen Anbieter und macht die Vorauszahlung für den Transport zur Bedingung für den Abschluss des Geschäfts.

Die Kreativität der Betrüger ist schier unerschöpflich. Links zu scheinbar professionellen oder auch wirklich seriösen Spediteuren oder seriösen Bootshändlern aus dem Ausland, bei denen das Boot angeblich zu besichtigen ist, gescannte (verfälschte) Pässe und Bootsurkunden, falsche oder betrügerisch erlangte echte Kontodaten verstärken das Gefühl, dass der Verkauf stattfinden wird und das Gegenüber seriös ist. 

Wichtige Hinweise der Polizei:

Gehen Sie mit persönlichen Daten bei Internetangeboten äußerst „sparsam“ um.
Übermitteln Sie an den Interessenten nie gescannte persönliche Dokumente wie Reisepass, Bootsurkunden usw. Sie können sicher sein, dass Ihre Dokumente in verfälschter Form bei den nächsten Transaktionen der Betrüger wieder verwendet werden, um andere damit zu täuschen!
Übermitteln Sie NIEMALS Bankdaten wie IBAN und BIC !
Fragen Sie beim KBK an, wenn Sie beim Boots-/Motorenkauf /-verkauf unsicher sind oder Ihnen vom Gegenüber „Dokumente“ übermittelt werden! Oftmals sind es „alte Bekannte“ der Polizei, die hochprofessionell und konspirativ mit Aliaspersonalien arbeiten. Die Spezialisten erkennen derart gefälschte Dokumente schnell und können Sie vor finanziellem Schaden bewahren.
Nutzen Sie unsere Plakataktion mit den Abbildungen von aktuell entwendeten Booten. Diese Plakate können beim KBK oder den dort genannten Partnern postalisch angefordert werden. Das Plakat findet sich auch auf der Internetseite der Polizei Baden-Württemberg.
https://praevention.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/20/2016/10/plakat_gestohlene_boote.pdf

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