Unverhältnismäßiger Eingriff in ruhenden Schiffsverkehr

Generalversammlung Internationaler Bodensee-Motorboot-Verband (IBMV) in Bregenz – Dachverband wehrt sich vehement gegen geplante ganzjährige Ruhezone für Wasservögel in der Wasserburger Bucht

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Bregenz, 15.10.2014 von Gerhard Herr

Der Vorstand des Internationalen Bodensee-Motorboot-Verbandes (IBMV) will sich im kommenden Jahr noch mehr denn je für die Freiheit der Wassersportler auf dem größten Voralpensee einsetzen. Notfalls werde man gegen die geplante, ganzjährige Sperrung von großen Teilen der Wasserburger Bucht zwischen Nonnenhorn und der Halbinsel von Wasserburg als Ruhezone für Wasservögel juristisch vorgehen. Das kündigte IBMV-Präsident Paul Minz jetzt in Bregenz vor Vertretern der im IBMV zusammengeschlossenen 31 Clubs und Vereine mit 3.500 Mitgliedern an. Die Regierung von Schwaben in Augsburg und das Landratsamt in Lindau wollen mit der Sperrung das EU-Vogelschutzgebiet Bayerischer Bodensee durchsetzen.

Die Pläne der Regierung von Schwaben und des Landratsamtes in Lindau, weite Gebiete am bayerischen Bodenseeufer als Vogelschutz- und Flora Fauna Habitat-Gebiete mit der Bezeichnung „Natura 2000“ teilweise ganzjährig für den Wassersport zu sperren, wurden im November 2012 bekannt. Betroffene Grundstücksbesitzer, Fischer, Landwirte und Waldbesitzer wurden frühzeitig einbezogen und zu Runden Tischen als „zentrales Element der Bürgerbeteiligung“ eingeladen. So sollte durch eine möglichst breite Akzeptanz der Ziele und Maßnahmen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung geschaffen werden, heißt es zum auf der Internetseite der Regierung von Schwaben veröffentlichten Managementplan „Bayerischer Bodensee“. Der erste Runde Tisch fand im Mai 2012 in Lindau statt, der letzte im Juni 2013 in Nonnenhorn. Ende September 2014 wurden die überarbeiteten Entwürfe der Managementplanungen den Stadt- und Gemeinderäten von Lindau, Nonnenhorn und Wasserburg präsentiert. Merkwürdigerweise, so IBMV-Päsident Paul Minz, sei weder sein Verband noch der Bodensee-Seglerverband oder die Internationale Wassersport-Gemeinschaft Bodensee zu den Runden Tischen eingeladen worden. Eher zufällig wurden die Wassersportler auf die Pläne aufmerksam. Mehrere Gespräche zwischen den Verbandsvertretern und der Regierung in Augsburg sowie im Landratsamt und im Rathaus in Lindau folgten.

„Die Verbände werden viel unternehmen, dass die Mitglieder sorgsam mit den Ruhezonen der Wasservögel umgehen und diese umfahren werden“, sagte Minz. Das habe man zuletzt Ende März 2014 dem Augsburger Regierungspräsidenten Karl Michael Scheufele erklärt. Gemeinsam sollte ein Kompromiss gefunden werden. Die jetzigen Veröffentlichungen mit den Maßnahmen für Vögel zeigen allerdings andere Tatsachen. „Der damals erarbeitete Kompromiss findet sich nicht mehr in den jüngsten Veröffentlichungen der Regierung von Schwaben“, so Minz.

Zwar sei die Zufahrt zum kleinen See vor Lindau nun auch im Sommer möglich, aber vor der Reutener Bucht, südöstlich von Lindau, gebe es eine ganzjährige Sperre sowie zwei Winterruhezonen, deren Befahrung vom 15. Oktober bis 15. März verboten sei. Auch die Winterruhezonen zwischen Bad Schachen und dem Lindauer Damm seien akzeptabel, zumal es dort eine kleinen, befahrbaren Korridor gebe, sagte Minz in Bregenz. Unakzeptabel seien allerdings die Maßnahmen in der Wasserburger Bucht, zwischen Nonnenhorn, Malerwinkel und Wasserburg. Die dort vorgesehene ganzjährige Ruhezone sollte nach den Gesprächen mit dem Regierungspräsidenten nur eine Wintersperre werden. Lediglich ein kleiner Korridor hin zu prominenten Grundstücken und Häusern sei herausgenommen worden. Minz: „Ausgerechnet dort sind im Sommer die Ankerplätze der Ruhe suchenden Segler und Motorbootfahrer, an denen man wegen der geringen Tiefe auch mit Kindern gefahrlos baden gehen kann.“ Die Regierung von Schwaben habe das so erlassen. Das Lindauer Landratsamt müsse die Verordnung umsetzen.

Für Minz habe man damit „völlig unverhältnismäßig in den ruhenden Schiffsverkehr eingegriffen“. Bei östlichen Stürmen sei die Bucht ein Fluchtort für Boote. Sonst gebe es nur die teils eine Stunde entfernt liegenden Häfen von Kressbronn-Gohren und Lindau. Nach diesem Ganzjahresverbot würden sich die Boote künftig auf den schmalen, übrig gebliebenen Korridor als Ankerplatz konzentrieren oder zum Baden nach Fussach an die Rheinmündung fahren und somit eine Stunde unterwegs sein. Der IBMV, so Präsident Paul Minz, prüfe derzeit juristische Möglichkeiten, um sich im Namen aller Wassersportler auf dem Bodensee „gegen die willkürlichen Maßnahmen“ zur Wehr zu setzen.

Derweil scheinen sich die im Frühjahr eingeleiteten Aktionen gegen die Raser auf dem Gnadensee mit Überwachung durch den IBMV-Seedienst und Verteilen der Informationsschrift „Zukunft Gnadensee“ positiv auszuwirken. „Wir haben Aufklärung auf dem Wasser betrieben und einige Schwarze Schafe gefunden und zurecht gewiesen“, zog Paul Minz Resümee des Sommers zwischen der Insel Reichenau und Allensbach. Die Aktionen seien aber nur ein Weichenstellen gewesen. In 2015 will der IBMV auch in den empfindlichen Gebieten auf anderen Teilen von Bodensee und Hochrhein auf die Regeln hinweisen. Denn nur so könnten die Motorboot- und Segelbootfahrer die „Ordnung in Freiheit“ auf dem Bodensee genießen.