Windkrimi auf dem Wannsee
03.08.2012
Pünktlich um 10 Uhr gingen 44 Teams aus fünf Nationen über die Startlinie der Segelarena Wannsee. Und diese machte dann im weiteren Verlauf ihrem Ruf alle Ehre. "Der Wind schrahlt und dreht total - eine echte Herausforderung", sagte Ex-Weltmeister Thomas Müller (NRV) nach der zweiten Wettfahrt. Doch für ihn lief es bis dahin sehr gut: "Ein Zweiter und ein Erster - wir führen noch", so Müller. Seine beiden Vorschiffsmänner Vincent Hösch und Michael Lipp sind in diesem Jahr im Drachen Europameister auf dem Attersee geworden. Gute Vorzeichen für einen Sieg auch bei der IDM: "Die beiden machen das fast von alleine. Ich muss eigentlich nur das LummLumm hier halten", scherzte Müller und meinte die Pinne. Ihm im Kielwasser war nach der zweiten Wettfahrt sein Vereinskollege Hans-Werner Zachariassen mit seiner Crew. Auch der Olympiamedaillengewinner von 1968 und 1972, Ulli Libor, hielt auf Platz vier noch Tuchfühlung zum Titel.
Doch dann war "Tatort" Stimmung angesagt, denn der Windkrimi ging los. Die Wettfahrtleitung musste lange warten und immer wieder die Startlinie verschieben und neu auslegen. Knapp zwei Stunden arbeitet das Team um Wettfahrtleiter Andreas Schorr unter Hochdruck: "Da wir gestern nicht segeln konnten, wollte ich heute unbedingt drei Rennen absolvieren. Die Windaussichten für morgen sind nicht so gut und wir brauchen mindestens vier Rennen, um den Meister offiziell bestimmen zu können", so Schorr am Abend. Den Seglern wurde derweil ziemlich heiß auf ihrem Boot. Die Sonne schien kräftig vom Himmel und mal stand der Wind still, mal kam wieder ein Lüftchen auf. Dann endlich das erste Ankündigungssignal. Die Klassenflagge war schon gesetzt, da musste Schorr den Start noch mal verschieben und die Startlinie versetzen - wieder ein Winddreher. So spät am Abend - es war mittlerweile fast 17 Uhr und die Segler seit acht Stunden auf dem Wasser - wurden starke Nerven gebraucht. Der nächste Start konnte umgesetzt werden, doch der Großteil der Teams hatte einen Frühstart und so wurde das Rennen wieder abgebrochen.
Schorr zog die Konsequenz und ließ unter "Black Flag" starten. Das bedeutet, dass jeder, der einen Frühstart segelt, sofort disqualifiziert und von der Wettfahrt ausgeschlossen ist. So geschah es auch und es traf einige der Favoriten: mit Thomas Müller, Ulli Libor und Hans Werner Zachariassen wurden noch fünf weitere Teams disqualifiziert. "Wir hatten keine Chance. Die Startlinie war so aufgebaut dass die Luvseite klar bevorteilt war. Wenn sich dann dort 44 Drachen tummeln wird man ´rüber gedrückt. Heute hat es uns erwischt", so Libor. Er hofft nun, dass insgesamt mindestens fünf Wettfahrten gesegelt werden - dann haben sie die Möglichkeit ihr schlechtestes Ergebnis zu streichen.
Ein glückliches Händchen im Windkrimi bewies der Belgier Ben van Caughenbergh. Er gewann die dritte Wettfahrt und liegt derzeit auf dem zweiten Rang. Erster ist der Österreicher Christian Scheinecker. Auf dem Bronzerang liegt momentan Marcus Brennecke vom Bayrischen Yachtclub.
