„Puma“ wieder vorn, das Podium wartet

Puma

Miami, 10.05.2012 von IBN

Mit einem umjubelten Heimsieg hat das US-Segelteam Puma Ocean Racing beim Volvo Ocean Race in Miami die zweite Etappe in Folge gewonnen.

Die Crew um Skipper Ken Read und den Kieler Michael Müller auf dem Vorschiff wehrte die Angriffe der „Camper“ von Chris Nicholson am Ende erfolgreich ab und kreuzte die Ziellinie am Mittwochabend nach 4.800 Seemeilen (8.860 Kilometer) eine Stunde, sechs Minuten und 25 Sekunden vor den Neuseeländern. In der Gesamtwertung bleibt es drei Etappen vor dem Ende der Weltregatta Anfang Juli im irischen Galway spannend. Franck Cammas’ „Groupama“ aus Frankreich machte durch Rang drei am frühen Donnerstagmorgen (10. Mai) fünf Punkte auf die führende „Telefoníca“ von Iker Martínez (164) gut, die 37 Minuten zurück nur Vierte wurde, hat aber mit 153 Zählern nun selbst „Camper“ (149) und „Puma“ (147) im Nacken. Nach einem Hafenrennen am 19. Mai startet das Feld einen Tag später über den Atlantik zurück nach Europa (Lissabon/Portugal).
 
Stolz wehte der Sternenbanner hinter der Yacht „Mar Mostro“ aus, die „Puma“-Crew an Deck in Shorts und T-Shirts, entspannt und glücklich über ihren neuen Coup. Rund hundert Begleitboote empfingen das 21,50 Meter lange „Meeresungeheuer“, das spätestens jetzt von der Konkurrenz gefürchtet wird. Diesmal war es fast ein Start-Ziel-Sieg von Read, Müller & Co., denn schon nach der Hafenrunde im brasilianischen Itajaí hatte die Mannschaft die Etappenführung übernommen und sie unterwegs nur auf dem Papier zweimal kurz an die „Camper“ abgeben müssen. „Eine unglaulich starke Leistung von meinen Jungs“, lobte der Skipper, „denn die Verfolger haben ebenfalls ein tadelloses Rennen geliefert und uns nie auch nur einen Moment Luft gegeben.“
 
Auch wenige Stunden vor dem Ziel schmolz der Vorsprung auf dem Regattatracker im Internet noch einmal auf 0,6 Seemeilen. Doch auch das entpuppte sich bald als geschickter, taktischer Schachzug, indem „Puma“-Navigator Tom Addis noch einen Schlag nach Süden machen ließ, um der gegenläufigen Meeresströmung auf den allerletzen Seemeilen mit einem besseren Windeinfallswinkel zu begegnen. „Zu dem Zeitpunkt hatten wir die ‚Camper‘ sicher im Griff“, berichtete auch „Michi“ Müller von einem souveränen Rennverlauf und traumhaften Segelbedingungen, die mit der Eiseskälte und den Stürmen des Südpolarmeers zuvor überhaupt nicht zu vergleichen waren. Oft segelten die Crews gar mit nacktem Oberkörper wie auf einer typischen Karibikreise. Die kritischsten Momente seien zwei totale Flauten gewesen, in denen einige seiner Crewkollegen sogar im warmen Atlantik baden gingen. Da hätten die Gegner von hinten im Bogen vorbeisegeln können, doch auch sie hingen letztlich im Windloch fest.
 
So blieb der Ausgang der Etappe über 17 Tage – drei mehr als ursprünglich gerechnet – zwar jederzeit offen, war aber am Ende nicht so knapp, wie die „Königsroute“ von Neuseeland rund Kap Hoorn nach Brasilien zuvor, als das Puma-Team nur wenige Minuten vor der „Telefoníca“ das Ziel erreichte. Die Top-Favoriten hatten die gesamte erste Hälfte des Rennens weiter vorn gelegen und dann lange zumindest den dritten Podiumsplatz verteidigt. Der reichte ihnen allerdings wohl nicht. Sie griffen das Führungs-Duo noch einmal an und mussten dabei ausgerechnet auch noch ihren ärgsten Verfolger „Groupama“ vorbeiziehen lassen.
 
Der Empfang für die Siegercrew war grandios. Freunde und Verwandte warteten sehnsüchtig auf dem Steg, wo die „Mar Mostro“ eine Stunde nach dem Zieldurchgang anlegte.
 
Nach erst zwei Dritteln des Volvo Ocean Race ist die Ausgangslage vor dem Transatlantiktrip spannender denn je. Die ersten vier Boote trennen nur 17 Punkte, etwas mehr als drei Einzelplätze auf den drei verbleibenden Hochseeetappen. Außerdem stehen noch vier Hafenrennen mit einem Zähler pro Platz auf dem Programm. Zwar hatte das härteste Rennen rund um die Welt mit sechs Meldungen bei dieser Auflage nicht die erhoffte Anzahl von Teilnehmern gefunden. Doch die Leistungsdichte an der Spitze sucht in der Historie Ihresgleichen. In Miami lagen die ersten vier Yachten keine sieben Stunden auseinander.
(Ende)
 
 
Endergebnis der 6. Etappe von Itajaí/Brasilien nach Miami/USA:
1. Puma (Ken Read/USA) 17 Tage, 1 Stunde, 13 Minuten und 59 Sekunden; 30 Punkte
2. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland)          17 Tage 2:21,24 Stunden; 25
3. Groupama (Franck Cammas/Frankreich)        17 Tage 7:39,03 Stunden; 20
4. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien)                   17 Tage 8:06,38 Stunden; 15
5. Abu Dhabi (Ian Walker)                                       17 Tage 15:57,36 Stunden; 10
6. Sanya (Mike Sanderson/China)                        nicht gestartet; 0 Punkte
 
Zwischenstand nach sechs von neun Etappen
1. Telefoníca            (Iker Martínez/Spanien)                 164 Punkte
2. Groupama (Franck Cammas/Frankreich)     153
3. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland)        149
4. Puma (Ken Read/USA)                                    147
5. Abu Dhabi (Ian Walker)                                      68
6. Sanya (Mike Sanderson/China)                       25
 
 

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