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Bol d'or

Zusammenfassung eines außergewöhnlichen Ereignisses!

18.06.2019

Meteo Schweiz hatte sie bereits 24 Stunden zuvor angekündigt: eine gewaltige Gewitterfront mit starken Sturmwinden, welche ca. um 17h00 die gesamte Bol d’Or Flotte durchschütteln sollte. Eine wertvolle und präzise Warnung: Das Programm wurde bis auf Punkt und Komma eingehalten! Nach einem Start mit Leichtwinden aus Südwest und einem sehr angenehmen frühen Nachmittag, verdunkelte sich der Himmel und der drohende Sturm brach über die Segler herein. Er brachte Windspitzen von bis zu 50 Knoten, Hagel und massiv eingeschränkte Sichtverhältnisse…die Apokalypse! Meteo Schweiz hatte bei Bouveret Böen von bis zu 60 Knoten, also mehr als 110km/h, gemessen! Die verbleibende Regatta verlief nach dem Sturm ruhig, bei wechselhaften Schwachwindbedingungen. All jene, die die Regatta am Sonntag beendeten, kamen in den Genuss von viel Sonne und einer angenehmen thermischen Brise.

Bis ins Mark erschüttert…apokalyptische Erzählungen

Ein Feuerwerk durch explodierende Seenotraketen: So zeigte sich der See nach 17h00. 

Jeder hätte gerne eine präzise Statistik zum Wochenende: wie viele Mann über Bord, Mastbrüche oder gekenterte Boote…genaue Aufzeichnungen dazu gibt es nicht. Denn die Teilnehmer der Regatta geben kleinere oder grössere Schäden nicht automatisch bekannt, selbst Boote die Mastbruch erlitten haben, sind teils in die Häfen zurückgekehrt, ohne dass die Rennleitung informiert wurde. Was wir aber sicher sagen können ist, dass 212 Boote das Rennen aufgegeben haben, den Gerüchten zufolge soll es rund 40 Mastbrüche gegeben haben und die Segelmachereien rund um den See werden wohl in den kommenden Wochen viel Arbeit bekommen! 

Mehrere Boote sind gesunken, darunter die Toucans Baloo und die Ex-Psaros. Realteam, ein grosser Favorit, verlor den Mast und fünf M2 kenterten. Die Libera Principessa ist auf Grund gelaufen, doch glücklicherweise konnten sowohl die Mannschaft als auch das Schiff selbst sicher geborgen werden. 

Einige Segler sind auch über Bord gegangen. Die Sicherheitsteams, welche von der SNG aus koordiniert wurden, sowie die Seepolizei, haben einen sensationellen Job gemacht und alles in ihrer Macht stehende getan, um die Sicherheit der teilnehmenden Teams zu gewährleisten. 

Seemannschaft in ihrer besten Form

Die an der Bol d’Or Mirabaud teilnehmenden Segler haben eine Seemannschaft in ihrer besten Form gezeigt, wodurch sich die Anzahl « menschlicher Zwischenfälle » auf ein Minimum beschränkte. Der Präsident des Organisationskomitees, Rodolphe Gautier, sagt dazu: « Meteo Schweiz hat das Unwetter sehr präzise voraus gesagt und entsprechend wurde diese Information auch an die Teilnehmer der Regatta weitergeleitet. Die Segler waren also vorbereitet und gingen mit der Situation gut um. In den extremsten Momenten sind sie den Empfehlungen gefolgt. Das Überwachungssystem hat gut funktioniert und die vielen Freiwilligen, die in diesem Bereich eingesetzt worden waren, haben jederzeit adäquat reagiert. Ich ziehe den Hut vor allen.»

Ein solidarischer Partner

"Mirabaud gratuliert Ladycat powered by Spindrift racing zu ihrem herausragenden Sieg. Unser Respekt und unsere Glückwünsche gelten allen Konkurrenten. Sie haben extremste Wetterbedingungen und einen Sturm von aussergewöhnlicher Stärke absolut bravourös gemeistert. Diese 81. Auflage der Bol d’Or Mirabaud wird allen speziell in Erinnerung bleiben. Ein grosses Bravo an die Organisatoren und die vielen Freiwilligen für ihre Professionalität und ihr Verantwortungsbewusstsein», erklärt Nicolas Mirabaud, Geschäftsführender Gesellschafter von Mirabaud.

Ladycat powered by Spindrift racing, Siegerboot inmitten des Tumults

Ladycat powered by Spindrift racing hat das Rennen nach Belieben dominiert und rundete die Wendeboje bei Bouveret als erstes Boot. Das Team handhabte das Boot auch inmitten des Sturms formidabel – und dies, obschon das Grosssegel am Mostkopf blockierte. Sie kontrollierten die Mitkonkurrenten bis runter ins Ziel und beendeten das Rennen nach 10h 36’ 21’’. Der Kanonenschuss, den Primin Zurbriggen abfeuerte, war mehr als verdient! 

Den verdienten zweiten Platz holte sich mit 10h 39’ 38’’ die Ylliam Comptoir Immobilier, mit Bertrand Demole am Ruder, gefolgt von Alinghi (Ernesto Bertarelli) mit 10h 42’ 35’’

 

Raffica, Königin der Einrumpfboote

Die Libera Raffica holte sich nach einem hart umkämpften Rennen mit einer Zeit von 15h53’ den Sieg in der Klasse der schnellsten Einrumpfboote. Es folgten die Psaros 40 Marguerite Cashmereum Skipper François Bopp, und die TBS von François Thorens. 

Die spektakuläre ungarische Rennjacht lag auf Höhe der Wendeboje bei Bouveret in Führung, deren Crew handhabte den aufkommenden Sturm sehr klug. Sie nahmen einen ziemlichen Umweg in Kauf, was ihnen aber erlaubte, ohne grössere Schäden oder Schiffbruch durchzukommen. Nachdem die Schlechtwetter-Front durchgezogen war, gaben die Teammitglieder richtig Gas und holten sich verdienterweise den Sieg! 

Lorenz Kausche, Sieger in der grössten Klasse

101 Surprises am Start: Es versteht sich von selbst, dass der Sieger in dieser Kategorie an diesem Wochenende ganz besonders gefeiert wurde. Diese Ehre gebührte in diesem Jahr Lorenz Kausche an Bord der Moi Non plus. Die Bordée de Tribord segelte mehrheitlich mit einer Frauencrew. Sie setzte sich vor Peps von Sandrine Weber und Malice um Skipper Edgar Lanz durch. 

Keine Überraschung bei den Grand Surprise

Bei den Grand Surprise setzte sich Little Nemo II von Bernard Borter einmal mehr durch. Die Little Nemo findet sich oft auf Spitzenplatzierungen wieder. So auch dieses Mal. Der verdiente zweite Platz gehört Passetougrain 6 von Bénédict Devaud, nach einem packenden und exzellent gesegelten Rennen. Auf den grossartigen dritten Platz segelte die Flash von Maurice Gay. 

Klassement nach kompensierter Zeit: die Revanche der « Kleinen »

Lionel Maret, Skipper der Modulo 93 Matière Grise, ist grossartiger Sieger der Bol d’Or Mirabaud nach kompensierter Zeit (ein Koeffizient, der es den kleineren Booten erlaubt, gegen grössere und schnellere Boote zu regattieren). Er setzte sich vor Bernard Borter (Little Nemo) und Michel Glaus (Yasha Samuraï) durch.

Die Liste der Sieger nach Klasse (TCF 1 - 4) können auf der Website der Bol d’Or Mirabaud eingesehen werden. 

Die Trophée des Ecoles de Voile: Ein grosses Bravo an die Nachwuchssegler! 

Benoît Deutsch, Club Nautique de Versoix, und sein Team an Nachwuchsseglern zeigten eine sehr saubere Leistung und gewannen die Trophée des Ecoles de Voile. Glückwunsch an Alexander Ott, Mathias Amdal, Antoine Bize und Robbe Verhoest. 

Das Frauenteam

Das Frauenteam der WhitUBY, geskippert von Emmanuelle d’Ortoli, holte sich die Auszeichnung als bestes Frauenteam vor Caroline Cartier auf Java.  

Goodbye Décision 35
Nach sechzehn Jahren, reich an guten und loyalen Leistungen, sagten die Décision 35 „Goodbye“. Eine interessante Anekdote sei hier erlaubt: Der letzte gewaltige Sturm im Jahr 2003 bedeutete zugleich auch das Ende der Formula 40 Jachten auf dem Genfersee und das Einläuten der D35. Heuer feiern die D35 ihre letzte Saison auf dem Genfersee. Wir ziehen den Hut vor Bootsarchitekt Sébastien Schmidt der Werft Décision und all den vielen Teams, die über die Jahre zur reichen Geschichte der Regatta Bol d’Or Mirabaud beigetragen haben.